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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Schon früh auf Ganovenjagd

29.10.2011

Um meine heutige Gesprächspartnerin zu treffen, musste ich ein Gebäude betreten, das viele doch lieber von außen als von innen sehen – die Polizeistation. Vor fast einem Jahr hat diese Polizeistation eine neue Leitung bekommen und es ist – zum ersten Mal in Ganderkesee – eine Frau: Helga Stilke. Damit wird eine weitere wichtige Positionen in unserer Gemeinde von einer Frau besetzt. Ganderkesee ist und war schon immer sehr fortschrittlich.

Haben viele vielleicht Vorurteile gegenüber Polizeibeamten, so ist Helga Stilke locker, freundlich und aufgeschlossen – und mir von der ersten Sekunde an sehr sympathisch. Als Helga Stelling ist sie 1962 geboren und im kleinen Ort Meckelstedt im Landkreis Cuxhaven zusammen mit ihren drei Geschwistern aufgewachsen. Ihre Eltern hatten dort einen landwirtschaftlichen Betrieb, der heute allerdings nicht mehr bewirtschaftet wird.

Ihre Grundschulzeit absolvierte sie noch in einer Dorfschule, wo die Klassen eins bis vier noch in einem Raum unterrichtet wurden. In ihrer Freizeit spielte Helga während dieser Zeit schon gerne Räuber und Gendarm. Die Orientierungsstufe und das Gymnasium besuchte sie in Bad Bederkesa, dem Heimatort unseres derzeitigen Ministerpräsidenten.

Mit großer Begeisterung und Leidenschaft spielte Helga Fußball. In der sehr erfolgreichen Damenmannschaft des SV Meckelstedt musste sie im Sturm auf der linken Position für Tore oder zumindest für gute Flanken sorgen, was ihr auch meistens sehr gut gelang. Ihr Fußballtrainer meinte denn auch, dass sie beruflich bei der Kriminalpolizei sehr gut aufgehoben wäre.

„Ich bin froh, dass ich auf seinen Rat gehört habe. Ansonsten hätte ich sicherlich Jura studiert“, blickt Helga Stilke zurück. Im Frühjahr 1981 bestand sie den Einstellungstest für die Kriminalpolizei. Nach dem Abitur begann im Oktober 1981 ihr Studium in Hildesheim.

Zum ersten Mal bekam sie bei einem der Praktika mit, dass es ein Polizeibeamter nicht immer einfach hat. Helga war in einer behüteten Familie aufgewachsen. Nun bekam sie Einblicke in Familien, in denen es alles andere als behütet zuging. In dieser Zeit machte sie auch Bekanntschaft mit Morddelikten. Sie musste ihre erste Todesnachricht überbringen. Ihre Familie war es, die ihr dabei half, diese ersten schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten.

„Gerade die ersten Eindrücke bleiben länger im Gedächtnis“, berichtet mir Helga Stilke. Nach dem Studium wechselte sie 1984 als Kriminalkommissarin nach Delmenhorst, weil ihr damaliger Lebensgefährte und heutiger Ehemann Jörn Stilke (heute Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land) dort ebenfalls tätig war. 1990 wurde geheiratet und in Heide ein Eigenheim gebaut. Die Zwillingsbrüder Jaren und Torge sind inzwischen 19 Jahre jung, und Jaren ist auf dem bestem Weg, es seinen Eltern beruflich gleich zu tun.

Einer der Stilke-Söhne hatte schon früh bewiesen, dass er von seinen Eltern einiges gelernt hatte. Als im Kindergarten Schierbrok vor vielen Jahren einmal eingebrochen wurde, forderte ihr kleiner Sohn: „Ruhe bewahren, nichts anfassen und Tatort absperren!“

Delmenhorst war 1984 in puncto Kriminalität eine der berüchtigtsten Städte in Deutschland. Euphorisch war Helga Stelling ihren Job angegangen, um gerade Jugendliche wieder auf den rechten Weg zu bringen. Viel zu oft musste sie erleben, dass viele von ihnen kurze Zeit später wieder straffällig wurden. „Mit den Jahren bekommt man ein Gefühl dafür, bei wem sich ein persönlicher Einsatz für einen besseren Weg lohnt oder auch nicht“, versichert Helga Stilke.

Obwohl sie während ihrer Zeit in Delmenhorst auch einige Jahre für Sexualdelikte zuständig war, lag ihr die Jugend immer besonders am Herzen. So wechselte sie 2002 nach Wildeshausen, wo sie verantwortlich war für Präventionsarbeit im Jugendbereich im Landkreis. „Bei Jugendlichen kann man viel bewegen, und viele kommen nach einer Straftat auch wieder auf den richtigen Weg“, sagt sie. An eine Begegnung erinnert sich Helga Stilke noch gern zurück. Ein straffällig gewordener Jugendlicher bedankte sich bei ihr mit den Worten: „Hättet ihr mich nicht gefasst, wäre ich da nicht so schnell wieder herausgekommen.“

Im Jahre 2004 kam die Polizeireform, und Helga Stilke wechselte wieder zur Polizeiinspektion Delmenhorst, wo sie im gleichen Aufgabenbereich tätig war, aber neben dem Landkreis kam noch das Gebiet der Stadt Delmenhorst dazu. Vor gut einem Jahr bewarb sie sich dann auf die vakante Stelle als Leiterin der Polizeistation Ganderkesee, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Die Prüfungskommission war sich einig, dass sie die optimale Besetzung sein würde. „Für mich ist sie ein Glücksgriff“, sagte anschließend Polizeirat Heinz Schevel.

Nun ist die neue Chefin verantwortlich für 18 Kollegen. Sehr großen Wert legt sie auf die Erfahrung ihrer Kollegen, wie zum Beispiel beim Fasching um den Ring, der größten Veranstaltung in Ganderkesee. Helga Stilke kann sich sehr gut vorstellen, bis zu ihrer Pensionierung hier tätig zu sein.

Hätte sich Familie Stilke anfangs noch vorstellen können, wieder in ihre Heimat Cuxhaven zu ziehen, so ist das schon lange kein Thema mehr. „Wir fühlen uns in Ganderkesee sehr wohl. Es hat alles: Schulen, Kindergarten, Sportstätten und so weiter, hat aber dabei den dörflichen Charakter behalten“, schwärmt Helga Stilke.

„Was macht eine Kommissarin nach dem Dienst?“, wollte ich gerne zum Abschluss wissen. „Da unsere Jungs nach dem Abitur jetzt außer Haus sind, habe ich etwas mehr Zeit. Neben der Haus- und Gartenarbeit möchte ich gerne wieder etwas mehr Sport treiben“, verrät sie mir.

Helga Stilke, Leiterin der Ganderkeseer Polizeistation

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