Landkreis - Die Krankheit bleibt meist lange unentdeckt, eine garantierte Heilung gibt es nicht: Von Endometriose betroffene Frauen haben oftmals einen langen Leidensweg. Das weiß auch Sandra Lüschen. Die Wardenburgerin will jetzt eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen: „Es muss für Frauen eine Möglichkeit geben, sich auszutauschen.“ Unterstützung findet sie bei der Selbsthilfekontaktstelle des Landkreises Oldenburg, die bei der Freiwilligenagentur „Misch mit“ in Wildeshausen angegliedert ist.
Bei Endometriose wachsen ähnliche Zellen wie in der Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter. Diese „Herde“ bluten bei jeder Menstruation mit und können dadurch zu starken Schmerzen führen – die aber nicht auf diesen Zeitraum begrenzt sein müssen. Es können auch weitere Beschwerden auftreten, wie Schwindel, Übelkeit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, darunter Operationen und die Einnahme von Hormonpräparaten. Keine der Methoden garantiert das völlige Verschwinden der Symptome.
Verschiedene Optionen
Die Diagnose Endometriose erhielt die heute 36-Jährige im Alter von 27 Jahren. Schmerzen hatte sie jedoch schon lange davor. Sie suchte nach Hilfe – und fand kaum welche. In einer Oldenburger Klinik habe es zwar eine Selbsthilfegruppe gegeben. Diese sei jedoch von Ärzten geleitet worden, sie hatte das Gefühl, nur zu einer Operation überredet zu werden. „Um zu entscheiden, welchen Weg ich gehe, muss ich mich informieren können, welche Möglichkeiten ich habe“, betont Lüschen.
Möglich seien zum Beispiel Operationen, bei der die Endometriose-Herde entfernt werden. Diese könnten unter Umständen aber die Schmerzen durch neu entstehendes Narbengewebe verschlimmern, sagt Lüschen. Eine andere Option sei die Behandlung mit Gelbkörperhormonen, um den Eisprung zu unterdrücken. Diese sind in geringerer Dosierung zum Beispiel auch in der Antibabypille enthalten. Eine so hohe Dosierung, wie gegen Endometriose verabreicht wird, solle eigentlich nur 18 Monate verschrieben werden, sagt Lüschen – woran sich jedoch nicht gehalten werde. Die längere Einnahme könne zu Dysplasie führen, einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. „So wird mit den Frauen umgegangen. Das finde ich grausam“, findet Lüschen klare Worte. Sie selbst wurde bereits dreimal operiert, mit Hormonen behandelt – Schmerzen hat sie immer noch. Und durch die Hormone auch 50 Kilo zugenommen.
„Maß war voll“
„Das Maß war voll letztes Jahr im September“, erinnert sich die Wardenburgerin. Da hat sie erfahren, dass sie mit Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs umgehen muss – für eine ausführliche Beratung habe keiner der Ärzte Zeit gehabt. Beim Krankenhaus in Westerstede gebe es zwar ein Beratungstelefon, allerdings nur für Frauen ab 55 zu Dysplasie. „Jetzt kümmerst du dich selber drum“, habe sie sich gedacht, und sei über den Gemeinderat in Wardenburg zur Selbsthilfekontaktstelle gekommen.
Möglichst zweimal im Monat soll sich die neue Selbsthilfegruppe treffen. Davon erhofft sich Sandra Lüschen vor allem einen Austausch, gezieltere Information durch andere Betroffene und „dass Frauen sich nicht mehr so hilflos den Ärzten ausgeliefert fühlen“. Themen könnten auch die Auswirkungen auf die Beziehung oder Ehe sein, die beispielsweise dadurch entstehen können, dass es auch zu Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs kommen kann.
Ab sechs Interessentinnen für die Gruppe wolle man starten, sagt Irma Hamann von der Selbsthilfekontaktstelle. Als möglichen Ort bietet Sandra Lüschen ihr (beheiztes) Gewächshaus in Wardenburg an.Wer sich für die Gruppe interessiert, kann sich bei Irma Hamann melden: per Telefon unter 04431/7097585 oder per E-Mail an selbsthilfekontaktstelle@mischmit.org.
