Wildeshausen - Eine Kehrtwende in der städtischen Siedlungsentwicklung wünscht sich die CDW im Wildeshauser Rat: Die Fraktion möchte eine räumliche Begrenzung der seit mehr als zwei Jahrzehnten laufenden Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (Stem) im Westen Wildeshausen („vor Bargloy“) und fordert stattdessen mehr Lückenbebauung und die Nutzung vorhandener Grundstücke. Außerdem soll die Vergabe und Vermarktung von Baugrundstücken nicht mehr über die Stadt erfolgen, sondern über private Dienstleister auf dem Immobilien-Markt. Der Bauausschuss berät über den Antrag an diesem Donnerstag, 11. April, ab 18.15 Uhr im Stadthaus. Die Verwaltung empfiehlt, dem Ansinnen nicht zu folgen.
„Vermarktung schwierig“
Nach Ansicht der CDW erfüllt die vor 22 Jahren beschlossene Stem nicht mehr das damals angestrebte Ziel „der Deckung des erhöhten Bedarfs an Wohnbauflächen und gewerblichen Bauflächen“. Denn die Vermarktung für den Wohnungsbau erweise sich in den Baugebieten vor Bargloy als zunehmend schwierig, weil dort vornehmlich Einfamilienhäuser angeboten würden, während die Nachfrage sich immer mehr auf kleinere Wohneinheiten für Haushalte mit ein bis zwei Personen fokussiere.
Es geht der Fraktion aber auch um „die sozialpolitische Komponente“: Die Bewohnerstruktur habe sich – „insbesondere in den jüngsten Bauabschnitten“ – so entwickelt, dass die Stem „bei breiten Teilen der Bevölkerung als ein nicht (mehr) attraktives Wohngebiet angesehen“ werde. Fraktionsvorsitzender Jens-Peter Hennken erwartet daher, „dass die Nachfrage nach Grundstücken in der Stem tendenziell weiter sinkt“.
Damit spricht die CDW ein heikles Thema an: Bereits im Februar hatte ein Wildeshauser Immobilienunternehmer behauptet, dass die städtischen Vergaberichtlinie für Baugrundstücke kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund bevorzuge. Für den Stadtrat hatte unter anderem Linke-Ratsfrau Kreszentia Flauger entschieden widersprochen und dargelegt, dass kinderlose Paare und lange in Wildeshausen lebende Personen von den Vergabekriterien ebenso und sogar noch stärker profitierten.
Beispiel „Spascher Park“
Auch die CDW sieht jedoch die Vergaberichtlinie kritisch und ist der Ansicht, dass diese nicht mehr alle Bevölkerungsgruppen anspricht. In der Privatwirtschaft funktioniere die Vermarktung von Baugrundstücken hingegen „sehr zügig und erfolgreich“ – Hennken verweist beispielhaft auf das Wohngebiet „Spascher Park“. Die privatwirtschaftlichen „Instrumente und Kompetenzen“ bei der Vermarktung von Grundstücke seien zumindest eine Prüfung wert.
Und auch davon, wo sie vermarktet werden könnten, hat die CDW konkrete Vorstellungen: Neben „hunderten freier Baugrundstücke/Baulücken in der Stadt“ biete etwa das Himmelsthür-Gelände gute Perspektiven: Mit dem von Rat und Verwaltung beauftragten Konzept des Büros CIMA, so Hennken, „schaffen wir ein attraktives Wohngebiet, was die ursprünglichen Ziele der Stem, die Deckung des erhöhten Wohnraumbedarfs für alle Bevölkerungsgruppen, besser abdeckt als das Wohngebiet vor Bargloy.“
