Stenum - Dr. Katharina Lüdemann (58) erinnert sich gerne an ihre ersten Lebensjahre, wenn einmal im Jahr der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln in ihr Kinderzimmer zog. Von dort hatte sie einen idealen Ausblick auf die Theresienwiese und das Münchner Oktoberfest. Dieses Vergnügen war aber nur kurz, denn die Familie zog an den Stadtrand von München.

Katharina Maier, so ihr Geburtsname, war die älteste von sechs Töchtern. „Diese Zeit hat mich geprägt. Ich musste früh Verantwortung für meine Schwestern übernehmen und zu Hause viel helfen, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben“, sagt Katharina Lüdemann lächelnd. Sie war die klassische große Schwester und wenn sie einmal allein sein wollte, verzog sie sich in ihr Baumhaus, das sie für sich gebaut hatte.

Früher wie heute ist lesen für sie Entspannung pur. In ihrer Jugendzeit war sie eine „Leseratte“. Ihre Eltern hatten ihr auferlegt, nicht mehr als zehn Bücher in der Bücherei auszuleihen. Katharina machte aus der Not eine Tugend und holte sich die besonders dicken Romane. Sehr beliebt waren zum Beispiel die Bücher von Karl May, mit einigen hundert Seiten. Jeden Sonntag trafen sich die Kinder aus der Nachbarschaft an einer Waldlichtung. Dann wurden die Karl-May-Bücher mit Cowboys und Indianerspielen in die Tat umgesetzt und Katharina war auch als Mädchen mittendrin und immer gerne dabei.

Neben dem Lesen war auch Musik eine Leidenschaft und die ist ebenfalls bis heute erhalten geblieben. Ihr Vater ist ein sehr guter Organist und so gab es im Hause Maier ein Klavier. Katharina spielte Klavier und später auch Geige im Schulorchester. Vor einigen Jahren lernte sie noch auf dem Cello zu spielen. „Da bin ich an meine Grenzen gekommen“, sagt sie. Heute ist sie Mitglied im Ganderkeseer Kirchenchor „Arte vocale“.

Ihre Kinderzeit war nicht nur eitler Sonnenschein. Einige Wochen musste sie schwer krank im Krankenhaus auf der Intensivstation verbringen. Dieser für sie schlimmen Zeit hat sie auch Positives abgewinnen können: „Ich war fasziniert vom Beruf der Krankenschwestern und Ärzte.“ Nach dem Abitur 1982 studierte sie in Heidelberg Medizin. Da das Studium „knochentrocken“ war, suchte sie Abwechslung und verbrachte ein Jahr in Peru und Bolivien. Die erste Hälfte arbeitete sie in einem Krankenhaus, um dann Land und Leute kennenzulernen. Während dieser Zeit kam ihr die Idee für ihre Doktorarbeit: „Geburtshilfe zwischen traditioneller und westlicher Medizin“. Von einem Arzt bekam sie den Tipp, dafür in Westafrika zu arbeiten. Nach einem Jahr in Burkina Faso konnte sie ihre Doktorarbeit in Deutschland beenden. Nach dem Staatsexamen 1991 begann sie als Assistenzärztin für Frauenheilkunde im Krankenhaus Links der Weser in Bremen.

In Afrika hatte sie den Wasserbauingenieur Frank Lüdemann kennengelernt. 1995 wurde geheiratet und die Familie vergrößerte sich zunächst mit den Söhnen Paul (27) und Leo (24) und etwas später noch mit Willy (17). Die junge Familie wohnte zunächst in Bremen und dann in einer Wohngemeinschaft in Hoya. Katharinas berufliche Stationen waren das St.-Josef-Stift in Delmenhorst und das Klinikum in Oldenburg.

1997 packte Familie Lüdemann ihre Sachen und für drei Jahre ging es beruflich nach Mali in West-Afrika. „Wir sehnen uns heute noch danach. Mali ist ein ganz besonderes Land. Leider geht es dort heute nicht mehr so friedlich zu“, bemerkt Dr. Katharina Lüdemann. Gerade wieder in Deutschland angekommen, drängten Freunde auf die Besichtigung eines Hauses in Stenum. „Es war Liebe auf den ersten Blick und wir fühlen uns super wohl in diesem Haus.“

Beruflich war Dr. Lüdemann im Klinikum Bremen Nord, im Josef-Hospital in Delmenhorst und jetzt als leitende Oberärztin im St.-Joseph-Stift in Bremen angestellt. „Ich bin sehr glücklich in meinem Beruf. Frauenheilkunde ist genau das, was ich immer machen wollte.“ Sie lässt nicht locker, sich auch politisch für Frauengesundheit einzusetzen, besonders für geflüchtete Schwangere und eine bessere Geburtshilfe in Deutschland.

Seit einigen Wochen ist sie Präsidentin des Rotary-Clubs Ganderkesee. Lange Jahre war dieser Club eine Männerdomäne. Lüdemann war bei ihrem Eintritt 2011 die erste Frau überhaupt. Sie selbst hat viele tolle Erfahrungen im Ausland sammeln dürfen und so ist für sie und ihre Kollegen der Schüleraustausch ein schönes Projekt.

Auch in Sachen Umweltschutz ist Katharina Lüdemann vorne mit dabei. So fährt sie täglich 24 Kilometer zur Klinik nach Bremen mit dem Fahrrad, und der Garten von Familie Lüdemann ist ein Paradies für Insekten, Bienen und Hummeln. Für mich verkörpert Dr. Katharina Lüdemann Frauenpower für ihre Mitmenschen und für die Umwelt.