Streekermoor - Sören Spille hockt auf den Knien vor den langen Reihen mit Heidelbeerpflanzen – in der prallen Sonne. Mit bloßen Händen zupft er unerwünschte Beikräuter aus dem extra aufgeschütteten Torf am Lüningsweg in Streekermoor. „Jetzt wäre ideales Wetter für die Ernte“, sagt er etwas wehmütig. Doch die Saison ist schon beendet.
Großer Andrang am Blaubeerfeld
Macht aber nichts, denn losgeworden ist der 24-Jährige seine Früchte allemal. Mehr noch: „Wir hatten für den großen Andrang nicht genug“, resümiert der Landwirtschaftsmeister. Denn durch Corona blieben viele Familien auch in den Ferien Zuhause, suchten sich Ausflugsziele. Im Jahr 2017 hatte Sören Spille beschlossen, die rund 1,3 Hektar große Fläche von seinem Opa zu pachten und die Pflanzungen auszuweiten. „Ich bin mit den Beeren aufgewachsen, mein Opa hatte die ersten Sträucher vor etwa 30 Jahren gesetzt“, berichtet Spille. Keine Werbung, nur zum Selbstpflücken für die Nachbarschaft. „Aber das Thema regionale Ernährung spielt mehr und mehr eine Rolle. Ich finde das klasse und möchte dazu meinen Beitrag leisten.“ Der Beerenhof indes ist nur Spilles Nebenerwerb, tagsüber arbeitet er auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Sandkrug.
Blühstreifen und Bienenvölker
Damit die Beeren gut bestäubt werden, arbeitet die Familie Hand in Hand. „Mein Onkel hat vier Bienenvölker an den Feldrand gestellt und wir haben zwei Blühstreifen.“ Für die Bewässerung hat Spille eine spezielle Anlage verbaut, die nachts jede Pflanze betröpfelt. Drei Sorten werden hier übrigens angepflanzt: Duke, Draper und Liberty heißen sie, „und sie sind allesamt für die Handernte geeignet.“
Sören Spille gefällt das Konzept. Deshalb hat er Ausbau-Pläne: „Wir haben viel Geld investiert. Auf lange Sicht würde ich mir wünschen, dass sich der Anbau rechnet“, wirft der 24-Jährige einen Blick voraus. Und das ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Das Gelände soll im Herbst nochmals um ein Hektar mit 1800 Heidelbeer-Pflanzen erweitert werden. „Den Ertrag werden wir jedoch nicht zum Selbstpflücken anbieten, sondern fertig portioniert in einem Verkaufsautomaten.“ In voraussichtlich zwei oder drei Jahren können Früchteliebhaber rund um die Uhr frische Beeren einkaufen kommen.
Heidelbeeren: Superfood-Allrounder
Und er selbst? Kann er noch Heidelbeeren sehen? „Ja klar, ich esse sie immer noch super gern: Im Müsli, im Kuchen, im Salat, oder in Suppen. Die sind ja sehr vielfältig.“ Rezepte übrigens stellen Sören Spille und seine Familie auf der Webseite zur Verfügung. Im Kühlschrank halten sich die dunkelblauen Perlen etwa eine Woche, aber auch zum Einfrieren eignen sie sich. „Und das ist wirklich sinnvoll. Ich bin fast nie krank“, sagt Spille mit einem Lachen. Vielleicht ist doch was dran an den Mythen über das „Superfood“.
Und noch einen Plan hat der junge Unternehmer. „Im kommenden Jahr wollen wir Heidelbeer-Patenschaften anbieten.“ Wie das geht? „Man kauft zu Beginn der Saison eine Pflanze. Jeder Pflanzenpate darf dafür eine bestimmte Kilogramm-Anzahl umsonst ernten.“ Die Pflege übernehmen aber weiterhin die Profis.
