Hude - Drei Talkrunden waren im Rahmen der Nachhaltigkeitsmesse angekündigt – und auf dem Bahnhofvorplatz in Hude war dann auch gut was los, als Hudes Bürgermeister Jörg Skatulla zum Mikro griff. „Nachhaltige Entwicklung von Kommunen – Welche Ziele sollte sich eine Kommune setzen?“ war die erste Runde mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projektes „Global Nachhaltige Kommune“, dem Landkreis Oldenburg und der Jade-Hochschule. Eine weitere Talkrunde folgte um 12 Uhr zu „Nachhaltiges Bauen – Herausforderungen und Möglichkeiten“.
Regenwasser nutzen
Kay Schönfeld war in dieser Diskussion für den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) gekommen und beantwortete die Frage, ob bei dem momentanen Wassermangel künftig überhaupt noch Wasserleitungen in Neubaugebiete verlegt werden würden so: „Wir müssen das Rad ein stückweit wieder zurückdrehen. Man hat bei damaligen Baugebieten häufig dafür gesorgt, dass Regenwasser möglichst durch Ableitungen in Kanäle oder Bäche geflossen ist. Künftig müssen wir Siedlungen so angehen, dass Wasser vor Ort versickern und so dem Grundwasserkörper wieder zur Verfügung gestellt werden kann.“
Dennoch würden logischerweise weiterhin Wasserleitungen in Neubaugebieten installiert – „eventuell aber nicht mehr überall Regenwasserkanäle.“ Dafür gab es Applaus aus dem Publikum. Damit es nicht zu Überschwemmungen komme, wenn ein Starkregenereignis zu schaffen mache, sei es jedoch wichtig, die Gegebenheiten und Höhen des eigenen Grundstücks gut zu kennen und vorzusorgen.
Neue Energie
Dass Wohngebiete künftig mit neuen Energiesystemen versorgt werden müssen, dazu sprach Claas Marquardt von der EWE. „Ohne Strom geht nichts: Die Klimaanlagen, die Wall-Boxes um das Elektro-Auto zu laden und die Wärmepumpen fürs Heizen, sie alle funktionieren mit Strom. Ab 2023 wird die EWE deshalb auch keine Erdgasleitungen mehr in Neubaugebiete legen, sondern auf erneuerbare Energien setzen.“
Auch Henk Voigt, teilhabender Geschäftsführer des Elektrohauses Voigt aus Hude, sagte: „Strom wird der wichtigste Energieträger in der Zukunft sein. Photovoltaikanlagen funktionieren schon seit mehr als 30 Jahren, sie sind erprobt und sie produzieren vom ersten Moment an Strom. Diese Modelle sollten sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen mit bedacht werden.“
Hier kam Heiko Posegga, Zimmermeister aus Hude, zu Wort. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte von der Politik, dann wäre es, dass die Abschaffung der KfW-Förderung erneut überdacht würde. Wie ist man auf die Idee gekommen, einen Neubau, der den Standard Effizienz 40 erfüllen würde, nicht mehr zu fördern? Das ist der Standard, den wir in Zukunft brauchen“. Aber eine Wärmepumpe sei eben teurer als eine Gastherme, Bauwillige würden sich eine solche Investition deshalb gerade momentan überlegen. „Bauen ist zu einem modernen Abenteuer – und extrem teuer geworden“, so der Huder Unternehmer. Er vermute, dass es in 20 bis 30 Jahren vermutlich eine Art „Abwrackprämie für Gasthermen“ geben werde.
Unpraktikable Anträge
„Das wird Milliarden kosten, die man hätte verhindern können“, war er überzeugt. Es gebe zwar nach wie vor Fördermittel, doch die Regelwerke dafür seien so unpraktikabel und undurchschaubar, dass bislang kaum jemand diese Mittel nutzen könne.
Abschließend für die Talkrunden war man sich einig: Es ist wichtig, bei diesen Themen im Gespräch zu bleiben, den „logischen Menschenverstand“ zu gebrauchen, wie Posegga es nannte und eine Vereinfachung von Fördermittelanträgen herbeizuführen. Bürgermeister Skatulla sagte: „Alle können im Kleinen bei sich Zuhause anfangen.“
