Falkenburg - Es geschah beim Reiterball, beim Schützenfest oder auf einer großen Hochzeitsfeier. In vielen Familien kursieren Geschichten, wie sich Oma und Opa oder die Eltern beim Tanzen näherkamen. „Früher gehörte es zum guten Ton, tanzen zu lernen“, sagt Ute Wessels. „Man hat sich so kennengelernt.“ Gleich nach der Konfirmation habe ein Tanzkurs angestanden, berichtet die Inhaberin der Tanzschule Wessels in Falkenburg. Und auch im Alltag waren Gesellschaftstänze präsent: Sonntagsmittags sei zu Hause getanzt worden, erinnert sich die 61-jährige Delmenhorsterin. „Ich habe auf den Füßen meines Vaters tanzen gelernt.“
Klassische Tänze
Seit 30 Jahren leitet Ute Wessels ihre eigene Tanzschule – zunächst in Delmenhorst, inzwischen im Dorfpark in Falkenburg. Dort unterrichtet die Tanzpädagogin unter anderem Standard- und Latein-Tänze wie Wiener Walzer, Slowfox und Rumba. „Ich bin auf der klassischen Schiene unterwegs“, sagt sie. Insgesamt ist das Interesse an den Gesellschaftstänzen in den vergangenen Jahren ihrer Erfahrung nach aber zurückgegangen. Hinzu komme, dass durch die Corona-Pandemie Bälle und Festivitäten weggebrochen seien.
Ute Wessels aus Delmenhorst führt seit 30 Jahren eine Tanzschule.
Dennoch gibt es in der Tanzschule Wessels viele Paare, die das Tanzen als Hobby betreiben. Statt Walzer steht dann allerdings oft Discofox auf dem Programm. Der Tanz passe auch zu Schlagern und Popmusik, sagt Ute Wessels. Tanzmusik von Hugo Strasser und Max Greger ist für sie ohnehin schon lange passé: „Früher kam man daran nicht vorbei.“ Aber heute gebe es auch moderne Tanzmusik, die man gut hören könne.
Kurse für Brautpaare
Wenn der Rhythmus passt, eignen sich aktuelle Hits sogar für den feierlichen Eröffnungstanz bei einer Hochzeit. Besonders beliebt sei etwa „Perfect“ von Ed Sheeran, hat Ute Wessels festgestellt. Obwohl das Interesse an den Gesellschaftstänzen zurückgegangen ist, ist der Hochzeitstanz ein fester Programmpunkt auf einer klassischen Hochzeitsfeier.
Allerdings bietet Ute Wessels schon lange keine Hochzeitskurse für Gruppen mehr an, sondern betreut die Paare individuell: „Viele Brautpaare legen Wert auf einen gepflegten Tanz und wünschen sich eine eigene Choreo“, sagt sie dazu.
Mit einer Happy-Birthday-Party feiert Ute Wessels das 30-jährige Bestehen ihrer Tanzschule an diesem Freitag, 1. Dezember. Die Party beginnt um 20 Uhr im Vielstedter Bauernhaus, Am Bauernhaus 1 in Hude. Für die tanzfreudigen Gäste gibt es Live-Musik mit der Band „Sundays“. „Wir machen eine Party, keinen Ball“, sagt die Organisatorin. Deshalb kann zu Schlagern, Popmusik und aktuellen Hits getanzt werden. Karten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf unter der Telefonnummer 0171/1952354.
Beim Tanzen-Üben merkt die Tanzlehrerin, dass sich das Rollenverständnis von Männern und Frauen gewandelt hat. „Es fällt den Leuten schwer, sich aufeinander einzustellen“, sagt sie. Früher sei der Mann der Ernährer gewesen und die Frau habe eine untergeordnete Rolle gehabt. Deshalb war auch die Rollenverteilung beim Tanzen klar. Heute ist das anders: „Dass der eine der Führende ist und die andere überwiegend die Folgende, ist schwer zu begreifen für zwei emanzipierte Menschen.“ Die Paare müssten dann erst einmal verstehen, dass es beim Tanzen nicht um die Rollenverteilung gehe.
Auch andere Angebote
In der Tanzschule in Falkenburg gibt es auch Hip-Hop-Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Jeden Trend habe sie jedoch nicht mitgemacht, berichtet die Inhaberin. Trotzdem ist Ute Wessels breit aufgestellt: Sie bietet inklusives Tanzen für Menschen mit und ohne Behinderung an, leitet eine inklusive Theatergruppe und hat als ausgebildete Kunsttherapeutin auch eine Malschule. Auf Anfrage bietet sie zudem Etikette-Abende an, die unter anderem von Firmen genutzt werden. „Wer begrüßt wen zuerst und wie verhält man sich als Gast“, beschreibt sie die Themen, um die es dann geht.
Ute Wessels arbeitete als Arzthelferin, als sie vor 30 Jahren die Möglichkeit bekam, eine Tanzschule in Delmenhorst zu übernehmen. Ihr Weg als Selbstständige sei nicht leicht gewesen, sagt sie. Doch das Tanzen habe ihr sehr viel gegeben – und tut es bis heute: „Für einen schönen Wiener Walzer oder einen Slowfox lasse ich so manches stehen.“
