Seit der Gründung im Jahr 1980 ist Marlies Abel in der plattdeutschen Theatergruppe „De Spaaßmaker“ aktiv. Seit zwanzig Jahren ist sie nicht mehr nur Darstellerin, sondern Erste Vorsitzende der Theatergruppe. Über den Spaß am Spiel, das Anwerben junger Darsteller, die Perspektive der plattdeutschen Sprache und die neue Spielzeit spricht sie in diesem Interview.
Frau Abel, schon seit 42 Jahren ist die plattdeutsche Theatergruppe „De Spaaßmaker“auf den Bühnen des Landkreises unterwegs. Wie hält man solange zusammen?
AbelWir hatten immer einen guten Vorstand und eine sehr aktive Werbearbeit. Wir nutzen auch die Auftritte, um Interessierte anzuwerben und fragen in unseren Bekanntenkreisen herum. Da wir eine kleine Wandergruppe sind, kommen wir viel herum, lernen neue Menschen kennen und bleiben im Gedächtnis.
Sie sind nun 64 Jahre alt. Wie lange können Sie sich noch vorstellen auf der Bühne zu stehen?
AbelSolange meine Beine mich tragen und der Kopf mitmacht. Das Theater ist für mich ein tolles Gehirntraining und macht immer noch Spaß. Eher würde ich die Position als Vorsitzende aufgeben, als mit dem Spielen aufzuhören, wobei mir auch die Vorstandsarbeit viel Freude bereitet.
Kürzlich hat die Hamburger Kabarettistin Ina Müller für Schlagzeilen gesorgt, als sie sagte, die plattdeutsche Sprache werde „künstlich am Leben gehalten“ und sei vom Aussterben bedroht. Was sagen Sie dazu?
AbelWir beobachten leider, dass sich beim Theater viele plattdeutsche Gruppen auflösen. Wir hatten es mal mit einer Kindergruppe versucht, die aber irgendwann nicht mehr lief und eingestellt wurde. Es gibt aber auch Gegenbeispiele wie die Speelkoppel in Hoyerswege – Da läuft es sehr gut mit dem Nachwuchs.
Wie kann man dieser Entwicklung entgegensteuern?
AbelPlattdeutsch muss in den Schulen wieder präsenter werden. Es gibt zwar wieder vermehrt Bemühungen mit Kursangeboten, aber es muss noch mehr werden. Die Kinder brauchen regelmäßige Berührungspunkte mit der Sprache.
Müller sagte auch, es störe sie, dass Plattdeutsch „oft mit Mistforken und Hühnern inszeniert wird“. Hat die Sprache ein Image-Problem?
AbelIch finde die Bezüge zur Landwirtschaft und zum Landleben schön. Hier liegen nun mal die Wurzeln der Sprache. Das ist nichts Schlimmes und ich denke, dazu sollte man stehen. Es stimmt, dass junge Menschen häufig andere Interessen haben, aber wir versuchen in unseren Stücken Themen aufzugreifen, mit denen man sich generationsübergreifend identifizieren kann und die auch junge Menschen interessieren.
„De Spaaßmaker“ ist eine plattdeutsche Theater-Gruppe, die seit 1980 als Wandergruppe auf unterschiedlichen Bühnen des Landkreises unterwegs ist. Neben größeren Stücken führen sie auch Sketche auf Geburtstagen und ähnlichen Feierlichkeiten auf. Die Gruppe besteht aus über 20 Mitgliedern, sieben davon sind als Darsteller aktiv.
Die Erstaufführung des neuen Stücks findet am Freitag, 4. November, um 20 Uhr im Gasthaus Kempermann statt. Zuvor findet um 18.30 Uhr das Premierenbuffet statt. Weitere Auftritte bei Kempermann sind am Mittwoch, 9. November, und Freitag, 11. November, geplant. Die Karten sind im Vorverkauf bereits ab den 1. Oktober zu erwerben.
Und wie gehen Sie beim „Rekrutieren“ junger Menschen vor?
AbelIm großen Maße durch Mundpropaganda. Wenn junge Menschen zuschauen, haben sie meist größere Freundeskreise, bei denen es welche gibt, die sich gerne im Theater ausprobieren oder schon ausprobiert haben. Wir haben selbst zwei Frühzwanziger im Team, die für uns das Bindeglied zur jüngeren Generation bilden. Die finden sich gut in sozialen Netzwerken zurecht und wissen, wie man Kontakte herstellt.
Welche Qualitäten sind gefragt, um mitspielen zu können?
AbelVorerfahrungen sind nicht nötig. Wichtig ist allein, dass man Spaß am Spiel, keine Scheu und keine Berührungsängste hat. Man darf nicht zu verbissen sein, wenn etwas nicht klappt, schließlich proben wir immer ausreichend. Disiziplin ist wichtig – doch der Spaßfaktor steht über allem.
Auf welches Stück dürfen sich die Theaterfreunde in der kommenden Spielzeit freuen?
AbelWir spielen „Dat Paradies is annerswo“ von Helmut Schmidt. Es geht um einen Mann, der nie Besuch von seinen Kindern bekommt – nicht mal zum 80. Geburtstag. Um einmal die Familie zusammen zu bekommen, täuscht er kurzerhand seinen Tod vor. Beim „Leichenschmaus“ entbricht ein großer Erbschaftsstreit und die Familienfassade beginnt zu bröckeln. Es ist also ein ernstes und gesellschaftskritisches Thema – aber aufbereitet mit einer großen Prise Witz.
