Das geplante Gesetz soll Halter dazu verpflichten, ihren Hunden zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien zu geben. Was halten Sie von einer „Gassi-Geh-Verordnung“?
SchooneGrundsätzlich ist es für den Hund und den Menschen gut, Bewegung zu haben. Doch ich frage mich, wer das kontrollieren soll. Es ist ja nicht einmal möglich, die Mund- und Nasenschutzpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln zu kontrollieren. Außerdem muss es differenziert gesehen werden: Hier in der Gemeinde Ganderkesee haben viele Hundehalter große Grundstücke und Gärten. Da muss man nicht eine Stunde täglich mit dem Hund gehen, damit er Auslauf hat. Das ist etwas anderes, als wenn der Hund in einer kleinen Wohnung gehalten wird. Bei uns muss man den Haltern häufig eher sagen, dass sie dem Hund auch mal Ruhe geben sollen.
Der Gesetzesentwurf von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht strengere Regeln für Hundehalter und Züchter vor. Die Behörden der Länder sollen die Vorgaben kontrollieren. Im Landkreis Oldenburg wäre das Veterinäramt zuständig. Dort gibt es laut Kreis-Sprecher Oliver Galeotti aber noch keine Informationen. Dass Kontrolleure überprüfen, ob Hundebesitzer auch wirklich zweimal täglich mit ihren Tieren Gassi gehen, kann sich Galeotti nicht vorstellen. Anders ist es bei der Hundezucht: Denkbar sei, dass das Zuchtgeschehen beim Amt angegeben werden müsse. Noch handele es sich aber um einen Vorstoß der Ministerin.
Laut Gesetzesentwurf soll auch das dauerhafte Anbinden und Alleinlassen von Hunden verboten werden.
SchooneDie Anbindehaltung von Hunden an einer Kette ist verboten. Was das Alleinlassen angeht, erleben wir es auf dem Land, dass Welpen auf die Diele gesperrt und allein gelassen werden. Die Besitzer sagen, dass man das schon immer so gemacht hat und wundern sich, wenn der Hund nicht sozialverträglich ist. Das Alleinsein schadet ihm, denn der Hund ist ein soziales Rudeltier, das in die Familie gehört.
Die Vorgaben sollen Züchter verpflichten, sich vier Stunden täglich um die Welpen zu kümmern, damit sie sich an Menschen gewöhnen. Zudem sollen sie nur drei Würfe gleichzeitig betreuen. Ist das sinnvoll?
SchooneIch denke, das macht Sinn. Es gibt immer noch Fälle, dass Hündinnen als Zuchtmaschinen dienen müssen. Gerade in der Corona-Zeit haben sich viele Kunden unüberlegt Welpen angeschafft. Aber auch bei den Züchtern frage ich mich, wie man das kontrollieren will.
Immer wieder wird über Freilaufflächen für Hunde diskutiert. Was halten Sie davon?
SchooneEine umzäunte Freilauffläche für Hunde, die es zum Beispiel in Lemwerder gibt, ist sinnvoll. Laut Tierschutzgesetz muss man dem Hund Freilauf geben. Auch sollte man Kontakt zu Artgenossen ermöglichen. Die Gemeinden könnten die Hundesteuer einsetzen, um solche Flächen zur Verfügung zu stellen.
