Hoykenkamp - Für Burkhard Garmhausen war es „ein aufregender Abend“, wie er sagt. Danach jedoch konnte der 1. Vorsitzende der Turnerschaft Hoykenkamp ruhig schlafen – denn die von ihm maßgeblich mit vorangetriebene Planung für einen Sporthallen-Neubau wurde am Mittwoch in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit ganz großer Mehrheit angenommen. Nur eines von 61 anwesenden Mitgliedern sagte Nein zu dem knapp eine Million Euro teuren Projekt. Zwei andere enthielten sich.
Der Zeitplan
Mit diesem eindeutigen Votum im Rücken kann das Planungsteam der Turnerschaft nun weitermachen: „Wir werden in Kürze den Bauantrag stellen und einen Statiker und Planer beauftragen“, kündigt Garmhausen an. Im kommenden Frühjahr könnte mit dem Bau neben der bestehenden Turnhalle am Hohenborn begonnen werden, im Sommer 2022 soll die 50 mal 25 Meter große Halle stehen. Sie wird allein zu Trainingszwecken genutzt und ist dafür dringend erforderlich, da der Verein viel mehr Trainings- und Übungszeiten benötigt – rund 50 Hallenstunden fehlen zurzeit quer durch alle Abteilungen Woche für Woche.
Die Förderung
Der Bedarf ist unbestritten, aber wie kann das Vorhaben finanziert werden? Der Vorstand hatte für die Mitgliederversammlung einen Plan erarbeitet, der vor allem auf große Unterstützung durch die Gemeinde Ganderkesee setzt: 250 000 Euro an kommunalen Mitteln wurden einkalkuliert. Im Ausschuss für Schulen, Jugend und Sport gab es im Juni zwar einhellige Zustimmung – aber auch ein bisschen Skepsis, ob der Haushalt 2021 mit Blick auf die Corona-Folgen eine solche Ausgabe noch hergeben wird. Die Summe liegt ohnehin weit oberhalb der Grenze, die im Rahmen der außerschulischen Sportförderung vorgeschrieben ist. Das dürfte indes kein Hindernis darstellen – schließlich hat die Gemeinde in jüngster Zeit auch andere Sportvereine über das übliche Maß hinaus unterstützt. Positiv zu Buche schlägt, dass die Halle keine Tribüne braucht, weil sie nur zum Training genutzt wird, und auch keine Umkleide- und Sanitärräume, die in der angrenzenden Turnhalle zur Verfügung stehen.
Die Finanzierung
Neben der Gemeinde rechnet die Turnerschaft auch mit dem Landkreis und dem Landessportbund: Jeweils 100 000 Euro werden von dort erhofft. Weitere 80 000 Euro stehen aus Eigenmitteln bereit – bliebe eine Summe von knapp 400 000 Euro, die über einen Kredit finanziert werden müsste. Es habe schon positive Signale von der Bank gegeben, sagt Garmhausen und versichert: „Der Verein kann das stemmen.“
Die Kritik
Das sehen aber nicht alle Mitglieder so optimistisch. Vor der Versammlung hatte der ehemalige Kassenwart Dieter Wöber in einem sechsseitigen Papier dezidiert dargestellt, dass die Finanzierung einer neuen Sporthalle – so wie der Vorstand sich das vorstellt – den Verein aus seiner Sicht in die Insolvenz führen würde. Das sei unter anderem dem Hastedter Turnverein in Bremen so ergangen, warnt Wöber und führt als mahnendes Beispiel auch den Bookholzberger Turnerbund an, dem die Kosten für ein neues Vereinsheim vor ein paar Jahren über den Kopf gewachsen waren.
Selbst wenn die Kalkulation im Fall der Turnerschaft aufgehe, so rechnet Dieter Wöber vor, werde sich aus Darlehens- und Betriebskosten sowie der erforderlichen Rücklagenbildung eine Belastung von knapp 40 000 Euro pro Jahr für den Verein ergeben. Dieser würde damit überfordert, befürchtet der Kritiker, der aber in der Versammlung nicht weitere Mitglieder von seiner Sicht überzeugen konnte.
Die Zuversicht
Die Rechnung des früheren Kassenwartes gehe von falschen Annahmen aus, hält Burkhard Garmhausen dagegen. Der Vorsitzende nennt eine Summe von knapp 35 000 Euro als jährliche Gesamtbelastung durch das Bauvorhaben. Das sei zu schaffen, betont er. „Ich als 1. Vorsitzender muss das verantworten“, bekräftigt Garmhausen, dass er zu 100 Prozent hinter dem Projekt steht. Er bezeichnet den Bau der Sporthalle als „ganz wichtigen Schritt in der Entwicklung unseres Vereins.“
