Ganderkesee - Andreas Lange, Geschäftsführer des Entsorgungsfachbetriebs K-Nord in Ganderkesee, hat mit seinem Freund Klaus Heinrich (Firma Glas-Becker aus Delmenhorst) am Mittwoch Spenden zu einem Lager für ukrainische Flüchtlinge ins polnische Chełm, nur 20 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, gebracht. Mithilfe von Firmen, Vereinen und Privatpersonen haben die Unternehmer eine außerordentliche Spendenaktion für die Opfer des Ukraine-Kriegs gestartet. Im Interview mit dieser Zeitung erzählt Lange von seiner Fahrt nach Chełm.
Herr Lange, Sie sind am Mittwoch früh morgens nach Polen gefahren, um Spenden zu einem ukrainischen Flüchtlingslager zu bringen. Wie war für Sie die Fahrt?
Lange Anstrengend (lacht). Nein, Spaß beiseite. Die Mühe war es wert. Es ist so überwältigend zu sehen, was hier auf die Beine gestellt wird.
Was meinen Sie genau damit?
Lange Wenn wir denken, dass wir hier in den letzten Tagen viel geleistet haben, dann müssen wir uns erst einmal vor Augen halten, was die Menschen hier vor Ort tun. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz, kochen für die Menschen, spenden, versorgen sie. Das ist ein unfassbares Engagement. Und wenn man sich dann vorstellt, dass sie das Leid nur wegen eines Mannes durchmachen müssen.
Sind Sie denn ohne Probleme über die Grenze gekommen?
Lange Ja, das schon. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, ist es schon unglaublich. Wir konnten uns dem ersten Konvoi von sechs Fahrzeugen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) anschließen, der über die polnische Grenze mit Spenden gefahren ist. Das war unser Glück. Sonst würden wir jetzt noch an der Grenze stehen.
Wie meinen Sie das?
Lange Durch das DRK war es für uns leichter einzureisen. Denn an der polnischen Grenze sind erst am Mittwoch um zwölf Uhr die Bestimmungen für die Lieferung von Spendentransporten gelockert worden. Wir konnten zwar ohne Maut und Zoll einreisen, hingezogen hat es sich trotzdem. Nach 18 Stunden sind wir um halb elf Uhr abends endlich angekommen.
Gruppenfoto: Das Team von K-Nord hat sich einem DRK–Hilfskonvoi angeschlossen
Blick ins Flüchtlingslager: In einer Turnhalle werden Hilfsgüter sortiert
Freundlich werden die Helfer von polnischen Sicherheitskräften begrüßt
Ein Teil der Hilfsgüter wird eingelagert und später verteilt.
Sie haben ein Lager angesteuert, das für 300 Geflüchtete vorgesehen ist. Ist es schon komplett belegt?
Lange Ja, 300 Menschen sind da. Das Lager fungiert jetzt aber auch zusätzlich als eine Art Sammelstelle und Verteilungspunkt von Hilfsgütern. Von hier aus werden Spenden, eben alles was gebraucht wird, auf umliegende Lager verteilt. Denn die werden jetzt nach und nach von Privatpersonen, Vereinen oder der Feuerwehr aufgebaut.
Was wird denn gebraucht?
Lange Vor allem warme Mäntel, Winterjacken, Thermo-Unterwäsche und Lesebrillen mit verschiedenen Stärken werden hier dringend gebraucht. Aber auch Decken, Hygieneartikel und Lebensmittel. Dazu muss ich aber sagen, dass es nicht als Altkleider-Sammelstätte gesehen werden soll. Die Spenden sollten schon wirklich in Ordnung sein und etwas bringen. Außerdem werden auch noch dringend Stühle, also Camping- oder Klapp-Stühle benötigt. Weil die Menschen lange anstehen müssen, bis sie in ein Lager aufgenommen werden können.
Sie hatten am Dienstag gebeten, dass vorerst keine Spenden mehr zu K-Nord gebracht werden. Ist das noch immer so?
Lange Nein, die Spenden werden zu dringend gebraucht. Bei uns kann also gerne wieder etwas abgegeben werden. Am Donnerstagnachmittag werden von uns aus die nächsten Transporte wieder in Richtung Polen starten. Diesmal aber mit Fahrzeugen von der L.I.T-Spedition aus Brake. Die haben uns direkt ihre Unterstützung zugesichert und darüber sind wir sehr dankbar. Allgemein sind für mich die Helfer wirkliche Helden. Aber eine Königin der Helden kommt für mich aus Delmenhorst.
Das müssen Sie etwas genauer erklären.
Lange Ilona Mucha hat ja Klaus Heinrich von Glas-Becker aus Delmenhorst angesprochen, ob er sie unterstützen kann. Ihre Schwester kommt aus der Region um Chełm. Nur durch sie ist der Stein ins Rollen gekommen. Aus fünf Kartons, die sie ursprünglich rüberbringen wollte, sind 80 Tonnen geworden.
Wie wollen Sie weitermachen, wenn Sie wieder in Ganderkesee angekommen sind?
Lange Dass wir weitermachen ist klar. Es ist einfach zu unglaublich, was wir in den letzten paar Tagen für eine Hilfsbereitschaft erfahren haben. Dennoch muss ich aber sehen, wie ich die Aktion mit dem laufenden Betrieb bei K-Nord verbinde. Aber die letzten Tage haben mir gezeigt, dass wir uns auf ganz viele ,helping Hands’ (englisch für helfende Hände) verlassen können.
