Ganderkesee - Torsten Schreiber ist überwältigt von den Eindrücken, die er nahe der polnisch-ukrainischen Grenze gesammelt hat. Nach einem ersten Hilfsgütertransport für die Opfer des Kriegs gegen die Ukraine in der vergangenen Woche, hat der Gerüstbau-Unternehmer aus Ganderkesee jetzt erneut eine Hilfslieferung in das 1300 Kilometer entfernte polnische Prömsel/Przemysl gebracht. Neben tiefem Mitgefühl mit den Geflüchteten, flossen auch Tränen der Rührung bei dem Ganderkeseer und seinen Begleitern.
Geflüchtete aus der Ukraine sind in einem ehemaligen Möbelhaus in der Nähe der polnisch/ukrainischen Grenze untergekommen.
800 Graubrote aus Ganderkesee werden in Transporter geladen. Ukrainische Helfer bringen sie nach Kiew.
Die Energy-Getränke aus Ganderkesee wurden in Kiew an die ukrainische Armee verteilt.
Auf direktem Weg in die Ukraine
Nach seiner ersten Tour in der vergangenen Woche war dem Ganderkeseer klar, dass er noch einmal die Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Möbelhaus mit seinem Mitarbeiter Uwe Korthe, Heiko Posegga, Zimmerei-Inhaber aus Hude und Nico Hemmelskamp, Huder Ratsherr und Inhaber der Kfz-Werkstatt NH-Service aus Hude, ansteuern möchte. Beladen mit 800 Graubroten, 250 Berlinern, Obst, Energy-Riegeln- und Getränken, Aufschnitt, Verbandsmaterial und Medizin, kamen die vier Helfer um Viertel nach acht Uhr am Mittwochmorgen in der polnischen Grenzregion an. Schreiber wollte aber eines verhindern: „Ich wollte nicht, dass unsere Lebensmittel in das Lager der Notunterkunft kommen“, sagt er. Denn auf seinem ersten Aufenthalt habe er beobachtet, dass ukrainische Helfer Lebensmittel in Transporter einladen und über die Grenze in die Ukraine bringen. Sein Ziel war es, dass die Hilfsgüter auf direktem Weg in die Ukraine kommen – mit Erfolg: „Um 15 Uhr waren die Lebensmittel in Kiew und schon abends wurden dort Brote mit Wurst aus Ganderkesee gegessen.“
Mit Gebäck Kinder erfreut
Dass die Hilfsgüter vergleichsweise reibungslos in die ukrainische Hauptstadt gelangen konnten, sei nur möglich gewesen, da es aktuell noch möglich sei, südlich durch die Ukraine nach Kiew zu kommen, erklärt Schreiber. Die ukrainischen Helfer hätten nach der Ankunft das Verbandsmaterial und die Medizin einem Krankenhaus übergeben, die Energy-Riegel und -getränke der ukrainischen Armee und die Lebensmittel an die Bürgerinnen und Bürgern, die dem Kriegsgeschehen in Kiew ausgesetzt seien, verteilt.
Doch nicht alle Spenden sind nach Kiew gekommen: Die 250 Berliner, die der Ganderkeseer Marcel Mantau den Helfern mitgegeben hat, sind in der Kantine der Flüchtlingsunterkunft in Polen geblieben – und haben so bei Schreiber ein besonders emotionales Erlebnis ausgelöst. „Innerhalb von drei, vier Minuten sind die Kinder zum Tresen mit den Berlinern gekommen. Als ich das gesehen habe, sind mir die Tränen gekommen“, sagt der Unternehmer.
Aufwühlende Eindrücke
Aber nicht nur das sei für Schreiber aufwühlend gewesen. Auch, wie sich die Situation in der Flüchtlingsunterkunft nur wenige Tage seit seinem ersten Aufenthalt zugespitzt hat, habe ihn aufgewühlt. „Erst waren nur die Räume voll. Jetzt sind auch die Gänge in der Unterkunft alle voll. Dort schlafen die Menschen nur auf Europaletten mit Decken“, erzählt er.
Trotz der eindrücklichen Erlebnisse und der Dankbarkeit der polnischen und ukrainischen Helfer, war Schreiber auf seinem Rückweg nach Ganderkesee am Donnerstag klar, dass er kein drittes Mal nach Prömsel/Przemysl fahren will: „Ich bin in einer Woche 5200 Kilometer mit einem Anhänger gefahren. Jetzt muss ich die Erlebnisse erst einmal verarbeiten.“
