Mit Freunden auf Vatertags-Tour gehen oder an Himmelfahrt Zeit mit den Kindern verbringen? Familien-Coach Mario Sudmann rät Vätern, bei dieser Frage auf ihr Herz zu hören. Außerdem kennt der Trainer aus Bookholzberg die Herausforderungen, vor denen Väter im Alltag oft stehen.

Herr Sudmann, der Himmelfahrtstag wird von Männern gerne genutzt, um mit Freunden auf Vatertags-Tour zu gehen. Aber es gibt auch Väter, die den freien Tag lieber mit der Familie verbringen. Wozu raten Sie?

SudmannFeiern gehen oder sich um die Kinder kümmern – vielleicht fragen sich einige Väter, was nun richtig ist. Achtung, hier versteckt sich die Frage, was sollen die anderen von mir denken. Soll ich den fürsorglichen Vater spielen oder mit meinen Männer-Freunden auf Tour gehen? Wenn „Mann“ mich fragt, dann gibt es folgende Antwort: Mach bitte das, was dein Herz groß macht. Mal ist es ein guter Zeitpunkt, als Vater da zu sein und die Kinder zu genießen. Mal ist es ein guter Zeitpunkt, auf sein Vatersein stolz zu sein und das zu feiern.

Sie haben beruflich viel mit Familien zutun und sind selbst Vater von zwei Töchtern. Über die Herausforderungen für Frauen in Familie und Beruf wird oft gesprochen. Aber wie sieht es bei Männern aus?

SudmannVäter machen einen dreifachen Männer-Spagat. Sie wollen sich liebevoll um ihre Kinder kümmern und ihre Partnerin bei der sogenannten Care-Arbeit entlasten. Und dennoch bleibt der innere Antrieb, ihre Familie schützen zu wollen. Vielleicht ein Urzeit-Gedanke, der sich bis heute gehalten hat: Männer gehen auf die Jagd, also heute zur Arbeit, um ihre Liebsten versorgen zu können.

Aber ist die klassische Rollenverteilung, dass der Mann das Geld für den Lebensunterhalt verdient und sich die Frau überwiegend um die Kinder kümmert, nicht längst überholt?

SudmannAls Väter einer neuen Generation wollen wir vieles anders machen als unsere Väter. Die Zeiten der autoritären und antiautoritären Erziehung wollen wir hinter uns lassen. Stattdessen möchten wir empathisch auf unsere Kinder einwirken. Wir wollen mehr Zeit mit ihnen verbringen und auch nicht mehr bestrafen. Doch unter Stress und Anspannung verfallen wir meist in die Verhaltensmuster zurück, die uns über Jahre vorgelebt und antrainiert wurden. An wem sollen wir uns orientieren? Aus meiner Sicht geht es nicht darum, einen bestimmten Erziehungsstil zu haben, als vielmehr ein authentischer Papa zu sein, der seinen Kindern ein Vorbild ist.

Wie können Frauen ihre Partner dabei unterstützen, so ein Vater zu sein?

SudmannLasst uns einfach mal machen. Der Stolz macht sich in unserer Brust breit, wenn wir unsere Tochter oder unseren Sohn zum ersten Mal in den Armen halten. Doch dann wird uns Vätern von den Müttern gern gesagt, wie es scheinbar besser geht. Sie können besser wickeln, baden, füttern und trösten – auch dann, wenn es für sie selbst das erste Baby ist. Wir Männer machen es halt anders und sind für unsere Kinder ein wichtiger Gegenpol zur Mutter. Doch ob Krabbelgruppe oder Café Bobbycar: Vieles ist auf die Mütter ausgerichtet. Reine Väter-Angebote wie die von mir geleitete Papa-Zeit im Familienzentrum Oldenburg, wo wir Papa und Mann sein dürfen, sind noch selten.

Wie ist die Situation für Väter in der Arbeitswelt?

SudmannBeruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, was für viele Mütter völlig normal ist, ist für Väter oft noch ein Hürdenlauf. Bei einigen Arbeitgebern ist die Elternzeit ungern gesehen. Für sein krankes Kind zu Hause zu bleiben, gehört doch klischeehaft in die Verantwortung der Mutter. Als sorgender Papa möchte man sich in dieser Situation um seinen Sohn oder seine Tochter kümmern. Dennoch will man auch im Beruf und vor den Kollegen seinen Mann stehen. Da ist das Vater-Herz schon mal hin- und hergerissen. Was bleibt, ist ein schlechtes Gewissen, sich nicht bestmöglich eingebracht zu haben.

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee