Ganderkesee/Wüsting - Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Volksbank Ganderkesee, Hude, Bookholzberg und Lemwerder 2021 besser gewesen als im Jahr davor. Bei der Vertreterversammlung in Wüsting stellten die Vorstandsmitglieder Oliver Frey, Jürgen Kikker und Sascha Knaack jetzt die Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 vor. „Vorstandsseitig können wir sagen, dass wir mit der Entwicklung im vergangenen Jahr sehr zufrieden sind“, sagte Frey. Allerdings bleibe die weitere Entwicklung des laufenden Jahres abzuwarten. Nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen wirken sich auf das Kundenverhalten aus.
Kredite gefragt
Die Bilanzsumme der Vereinigten Volksbank stieg 2021 von 749 Millionen auf 816 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss wurde mit 1,53 Millionen Euro angegeben. Das Eigenkapital ohne Bilanzgewinn stieg um rund zehn Prozent auf nunmehr 89 Millionen Euro.
Aktuell gibt es bei der Bank 141 Mitarbeitende und neun Auszubildende. Der Personalaufwand stieg 2021 von rund 7,55 auf rund 7,78 Millionen Euro. Die leichte Steigerung sei auf tarifliche Erhöhungen und Corona-Sonderzahlungen zurückzuführen.
Die Vereinigte Volksbank hat etwa 13 760 Mitglieder und rund 35 000 Kunden. Zurzeit gibt es sieben Geschäftsstellen.
Im Jahr 2021 sei die Nachfrage nach Finanzierungen im Wohnungsbau sowie für Investitionen im gewerblichen Bereich erfreulich gewesen, hieß es in der Versammlung. Demnach stiegen die Forderungen an Kunden 2021 um knapp vier Prozent auf 588 Millionen Euro. Insbesondere die Nachfrage nach Bauspardarlehen sei gestiegen. Vorstandsmitglied Jürgen Kikker begründete das mit besonderen Finanzierungsmodellen, die wegen einer langen Zinssicherheit gefragt seien.
Auch die Nachfrage im ersten Halbjahr 2022 sei noch erfreulich und bestätige die Planungszahlen, teilte die Vereinigte Volksbank mit. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass der Wachstums-Trend nicht in vollem Umfang fortgeführt werden kann: Im ersten Halbjahr seien Kredite und Anlagen von Kunden nur leicht um 26 Millionen Euro beziehungsweise 1,5 Prozent gestiegen. „Die politische und wirtschaftliche Entwicklung seit Jahresanfang ist ursächlich hierfür“, sagte Oliver Frey. Die zunehmende Zurückhaltung für Investitionen im privaten Immobiliensektor sei spürbar. Die Inflation und steigende Zinsen hätten zur Folge, dass Bauvorhaben nicht mehr realisierbar seien, wenn die monatliche Belastung um mehrere Hundert Euro steige, erläuterte Jürgen Kikker.
Sparen dagegen ist besonders angesagt: „Wir merken, dass die Kunden ihr Geld zusammenhalten“, sagte Kikker. „Auf laufenden Konten sammelt sich immer mehr Geld.“ Im vergangenen Jahr stiegen die Spareinlagen um 37 Millionen auf 222 Millionen Euro. Auch Einlagen auf Girokonten sowie bei Tages- und Termingeldern wuchsen um 20 Millionen auf 382 Millionen Euro an. Insgesamt seien die Kundeneinlagen um fast zehn Prozent gestiegen.
Als Gründe fürs Sparen sieht die Vereinigte Volksbank unter anderem die Corona-Pandemie, die zu einer Verunsicherung der Verbraucher und einem veränderten Konsum- und Ausgabeverhalten geführt habe. Jürgen Kikker geht davon aus, dass die Zinsen für Sparguthaben mittelfristig steigen. Von Verwahrentgelt und Negativzinsen sei man ja schon weg, sagte er.
Neubau in Adelheide
Aktuell hat die Vereinigte Volksbank noch sieben Geschäftsstellen. Nach dem Umbau des Standorts in Ganderkesee läuft zurzeit ein Neubau in Adelheide. Die Bankfiliale werde in ein neues Mehrfamilienhaus an der Adelheider Straße integriert, dessen Eigentümer die Vereinigte Volksbank sei, hieß es. Die Filiale an der Langen Straße solle geschlossen werden, so Kikker. An den Standorten in Ganderkesee, Hude, Bookholzberg, Lemwerder, Wüsting und demnächst auch Adelheide soll festgehalten werden.
