Wardenburg - Am Telefon klingt Luise Neumeister (72) ein bisschen aufgeregt. „Ich kümmere mich seit Jahren um eine Königin der Nacht“, erzählt sie der NWZ-Redaktion. „Und jetzt blüht sie gerade prächtig. Das macht sie nur einmal im Jahr.“

Zugegeben, ihr Gesprächspartner am andere Ende der Leitung, hatte zuvor noch nie von dieser Pflanze gehört und eher etwas ganz anderes hinter dem Titel vermutet. Doch vor Ort im Hedwig-Weide-Haus, wo die 72-Jährige seit über 15 Jahren wohnt, war die Sache eindeutig. Große weiße Blüten zieren ein ungewöhnliches Gewächs, das aus vielen herunterhängenden Trieben besteht. Doch handelt es sich wirklich um besagte Königin?

Gut, dass die NWZ einen Fachmann hat. NWZ-Gartenexperte Peter Busch bestätigte der Redaktion anhand der Fotos den Befund. „Ja, auf den Fotos ist ein Exemplar der Königin der Nacht zu sehen, und zwar Selenicereus grandiflorus mit ihren typischen zwei bis drei Zentimeter dicken und bis zu gut einem Meter langen Trieben. Außerhalb der Blütezeit eine unspektakuläre Pflanze. In der Pflanzenwelt gibt es immer Anpassungen zwischen Blüte und Bestäuber. Bei Dunkelheit blühende Pflanzen locken nachtaktive Bestäuber an bei diesem Kaktus aus Mittelamerika wahrscheinlich tropische Fledermäuse. Aber auch bei uns gibt es dieses Phänomen. Die Blüten der beliebten Engelstrompete fangen spätabends intensiv zu duften an und locken so langrüsselige Nachtfalter an.“

Luise Neumeister kennt die Königin der Nacht mittlerweile auf eher nichtwissenschaftliche Weise. „Sie ist ein Sensibelchen“, sagt sie. Von Frühjahr bis zum Herbst brauche die Pflanze regelmäßig angefeuchtete Erde, zur Blüte dann etwas mehr. Seitdem sie in einen Raum mit viel Tageslicht und Wärme gestellt worden ist, fühle sich die Pflanze offensichtlich besonders wohl. Angesichts dieser Entwicklung kann die Wardenburgerin auch eine Tatsache verschmerzen. „Im Winter sieht sie wirklich schrecklich aus.“

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten