Ganderkesee - Mit dem Bau von neuen Fahrradwegen, einer kleinen Messe für Lastenfahrräder oder auch der Umrüstung des eigenen Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge hat die Gemeinde Ganderkesee den Weg in Richtung Verkehrswende bereits eingeschlagen.
Ein Projekt, das eine ganz andere Zielgruppe in den Fokus rückt, bringt sie jetzt mit Unterstützung der Landesnahverkehrsgesellschaft auf den Weg – und das habe in Niedersachsen Pilotcharakter, wie die Gemeindeverwaltung deutlich macht: Die Gemeinde unterzieht sich selbst einem Fußverkehrs-Check.
Der Auftakt-Workshop zum Fußverkehrs-Check findet am Dienstag, 5. September, von 18 bis 20 Uhr im Sitzungssaal des Ganderkeseer Rathauses (Mühlenstraße 2-4) statt.
Anmeldungen zum Auftakt-Workshop sind bis Donnerstag, 31. August, über die Gemeine-Homepage erbeten (https://www.ganderkesee.de/fussverkehrscheck). Für weitergehende Informationen können Interessierte sich außerdem unter Telefon 04222/44322 an Sabine Finke, Fachdienstleiterin Straßen und Verkehr der Gemeinde, wenden.
Zwei Begehungen schließen sich in der darauffolgenden Woche an: Am Dienstag, 12. September, werden die Teilnehmer von 18 bis 20 Uhr zunächst Ganderkesee unter die Lupe nehmen. Treffpunkt ist die Grundschule Lange Straße. Am Tag darauf, Mittwoch, 13. September, geht es ebenfalls von 18 bis 20 Uhr in Bookholzberg weiter. Treffpunkt ist dort die Buswendeanlage der Schule an der Ellerbäke.
Überprüft werden sollen etwa die Schulwegsicherheit und die Querungsmöglichkeiten vielbefahrener Straßen für Fußgänger. Auch Stolperfallen und Hindernisse auf öffentlichen Wegen will die Gemeinde finden und beiseite räumen und noch vieles mehr. Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern sollen Wege im Kernort Ganderkesee und in Bookholzberg unter die Lupe genommen werden.
Öffentliche Begehungen
„Zu Fuß gehen wird als Verkehrsart manchmal vernachlässigt“, sagt Bürgermeister Ralf Wessel: „Alle reden über Autos und Fahrräder – dabei ist es für viele Menschen die naheliegendste Option, Wege auf den eigenen zwei Beinen zurückzulegen.“ Damit es sich in Ganderkesee künftig noch besser gehen lässt, soll die Situation des Fußverkehrs in mehreren öffentlichen Rundgängen und Workshops vor Ort diskutiert werden. Dabei werden Fragen wie „Wo kann man gut und sicher zu Fuß gehen?“, „Wo fehlt Platz?“, „Wo könnten vielleicht Sitzbänke einen Fußweg attraktiver machen?“ oder „Wo gibt es weitere Probleme wie mangelnde Sichtbeziehungen zu Autofahrern?“ thematisiert.
In einer Anfrage an Bürgermeister Ralf Wessel äußert der parteilose Ratsherr Martin Faqeri Kritik an der Vorgehensweise der Gemeinde beim Fußverkehrs-Check. Zwar bewertet Faqeri das Bemühen um mehr Sicherheit für Fußgänger und die Bürgerbeteiligung positiv, doch er bedauert, dass sich die Vor-Ort-Termine auf die Gemeindeteile Ganderkesee und Bookholzberg beschränkten.
Gerade im Bereich der Schulwegsicherheit gibt es laut Faqeri in Heide, Hoykenkamp, Schierbrok und anderen Gemeindeteilen „erhebliche Sicherheitsbedenken“. Er stellt die Frage, warum die genannten Bauerschaften im Projekt nicht berücksichtigt würden, obwohl dort in den vergangenen Jahren durch neue Bebauung die Zahl der Einwohner und der schulpflichtigen Kinder stetig zugenommen habe.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in Maßnahmen zur Förderung des Fußverkehrs münden, wie die Gemeindeverwaltung mitteilt. Kern der Bürgerbeteiligung sind ein Workshop und zwei Begehungen, bei denen an Ort und Stelle die Situation der Fußgängerinnen und Fußgänger analysiert wird.
Pilotprojekt
Nach Angaben der Verwaltung ist Ganderkesee die erste Kommune in Niedersachsen, die bei diesem Thema Unterstützung von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) bekommt. Über deren Beratungseinheit „Mobilotsin“ (die niedersächsische Initiative für neue Mobilität) wird der Fußverkehrs-Check finanziert und sein Ablauf koordiniert. „Mit unserem Pilotprojekt wollen wir erste Erfahrungen sammeln, um zukünftig weitere Fußwege-Checks in Niedersachsen auf die Beine zu stellen“, sagt Hendrik Koch, stellvertretender Bereichsleiter im Bereich Mobilitätsmanagement bei der LNVG.
Beim Auftaktworkshop am Dienstag, 5. September, werden zunächst mit den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern die zu überprüfenden Wegstrecken in den Ortsteilen festgelegt. Am 12. und 13. September folgen dann die Begehungen, um die Situation vor Ort zu erkunden. Bei einem Abschlussworkshop im Herbst sollen schließlich die Ergebnisse des Fußverkehrs-Checks zusammenfassend vorgestellt und erste Lösungsansätze und mögliche Maßnahmen erörtert werden.
Bürgermeister Wessel erklärt: „Es ist toll, dass die ,Mobilotsin’ uns hier in Ganderkesee als erste Kommune unterstützt. Ich hoffe, dass wir schon bald Verbesserungen an den Wegen umsetzen können.“ In allen Phasen des Fußverkehrs-Checks wird die Gemeinde vom Fachbüro Planersocietät aus Dortmund unterstützt.
