Wildeshausen - Dass Karin Köpke vor 35 Jahren bei der VHS in Wildeshausen anfing, war eher einem Zufall geschuldet. „Aber einem sehr glücklichen“, sagt die 60-Jährige heute mit einem Lachen. Ihre gesamte berufliche Laufbahn verbrachte die in Wardenburg lebende Köpke bei der Volkshochschule. Durch ihr Wirken hat sie die Entwicklung maßgeblich geprägt. Nun verabschiedet sie sich in den passiven Part der Altersteilzeit – und beantwortet einige Fragen dazu im Interview.
Wie sind Sie damals zur VHS in Wildeshausen gekommen?
Köpke: Ich habe Lehramt für Grund- und Hauptschulen studiert. Aber in den 80er-Jahren gab es tatsächlich erhebliche Lehrerarbeitslosigkeit und so musste ich mir etwas anderes überlegen. Ich kannte damals schon Hinrich Ricklefs und gemeinsam schrieben wir uns für das Studium für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung in Oldenburg ein. Wir mussten 1987 dafür ein Praktikum absolvieren und wir sind bei der VHS in Wildeshausen gelandet, wo wir beide schon als Kursleiter tätig waren. Der damalige langjährige Leiter Bernhard Hoyng war gleichzeitig Koordinator an den Berufsbildenden Schulen und konnte alleine nicht mehr alles bewerkstelligen. Glück für uns. Eigentlich haben wir uns unseren Arbeitsplatz selbst geschaffen.
Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an die Anfänge zurückdenken?
Köpke: Ich erinnere mich vor allem an die sehr beengten Räumlichkeiten in der Kirchstraße. Inhaltlich gab es noch keine programmbereichsmäßige Zuordnung. Wir haben uns in alles eingearbeitet. Schon verrückt, wenn ich darüber nachdenke, dass wir das Programm auf der Schreibmaschine getippt, die Texte ausgeschnitten und auf einem Leuchttisch montiert haben. Auch in den Kursräumen standen Overhead-Projektoren für Folien. Und wir waren zuständig für alles, haben zum Teil Räume umgebaut oder gemalert.
Hinrich Ricklefs ist im Jahr 1987 zu Karin Köpke dazu gestoßen, die seit 1986 mit ihrer Unterrichtstätigkeit startete. Er wird weiterhin als Leiter der VHS in Wildeshausen fungieren, auch, wenn er sich sicher ist, dass sie ihm mit ihrem Organisationstalent fehlen wird.
Anderthalb Jahre lang wurde Karin Köpkes Abschied vorbereitet. Ihre Aufgaben wurden verteilt: Maren Bening, bereits seit sieben Jahren mit im Team, übernimmt den Teil Gesundheit und das Qualitätsmanagement. Antina Peters ist die stellvertretende Leiterin und kümmert sich um organisatorische Fragen. Sie ist seit fünf Jahren dabei.
Persönlichkeitsbildung und Pädagogik sowie auch die kulturellen Veranstaltungen plant jetzt Susanne Lieder, die seit etwas mehr als einem Jahr das Kollegium der VHS ergänzt.
Was hat sich außer Digitalisierung und der Entwicklung der EDV noch verändert?
Köpke: Große Meilensteine waren immer die räumlichen Veränderungen. Hier in die Wittekindstraße ging es 1994, auch wenn es noch nicht so viel Platz gab wie heute. 1999 konnten wir das Seminarhaus Knagge dazugewinnen. Leider mussten wir das 2019 aufgeben, dafür ist der große Bewegungsraum in dem Gebäude am Bahnhof hinzugekommen. Zudem hat sich das Kursangebot und die Systematik verändert. Früher waren Seminare zum Teil sehr lang, gingen acht oder zehnmal. Heute gibt es viel mehr Einzelveranstaltungen. Durch die räumliche Verbesserung sind auch mehr Tages- und Wochenendangebote dazugekommen. Weiterentwickelt hat sich auch die personelle Kapazität. Waren es zu Beginn nur wir zwei, Herrn Hoyng und eine stundenweise Verwaltungskraft, so haben wir heute ein festes Team von 20 Personen. Auf die Gesamtentwicklung der VHS bin ich schon sehr stolz.
Haben Sie selbst auch Kurse bei der VHS belegt?
Köpke: Ja, klar. Schon seit meiner Jugend habe ich Kurse für Schreibmaschine, Kochen und Entspannungstechniken belegt. Später dann auch Lesungen und Gesundheitsvorträge, kulturelle Veranstaltungen gebucht, wein wenig Spanisch gelernt. Das würde ich gern nochmal vertiefen. Ich bin generell ein Fan des lebenslangen Lernens und überlege, mich jetzt an der Uni Oldenburg für das Studium generale einzuschreiben.
Blick in die Zukunft: Worauf freuen Sie sich in Ihrem Ruhestand und was wünschen Sie der VHS?
Köpke: Mein Mann und ich lieben es, zu reisen. Mein Mann hat zum Jahreswechsel sein Geschäft aufgegeben. Wir haben uns ein Wohnmobil angeschafft, wollen damit viel unterwegs sein und Zeit auf unserer Lieblingsinsel La Palma verbringen. Für mich ist die Altersteilzeit ein Geschenk an Lebenszeit, für die ich sehr dankbar bin. Und für die VHS wünsche ich mir, dass sie ein gutes und erfolgreiches Team bleibt. VHS ist Teamarbeit, nichts für Einzelkämpfer. Das Thema Nachhaltigkeit wird uns beschäftigen und weiterhin auch die Digitalisierung. Ich hatte jetzt anderthalb Jahre Zeit, mich von der Arbeit abzunabeln und die Aufgaben Stück für Stück zu übergeben. Und naja: Ich bleibe ja weiterhin für die Kolleginnen und Kollegen erreichbar.
