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nordwest-zeitung

Neubau in Delmenhorst geplant Vereinigte Volksbank trotzt dem Corona-Stress

Ganderkesee/Hude - Ihr genossenschaftliches Geschäftsmodell trägt die Vereinigte Volksbank gut durch die Corona-Krise: „Wir sind insgesamt mehr als zufrieden“, sagt Vorstandsmitglied Oliver Frey. Nur eines konnte das Geldhaus mit großem Einzugsbereich (Ganderkesee, Hude, Bookholzberg, Lemwerder) nicht verhindern: Wegen der Auflagen in der Pandemie veröffentlicht der Vorstand die 2019er Geschäftszahlen erst zum Jahresende. Zuvor hatte die erste digitale Vertreterversammlung des Geldhauses vor Kameras und Bildschirmen stattgefunden.

Pandemie belastet kaum

Nicht nur der Rückblick aufs Ergebnis 2019 ist positiv, auch erste Kennziffern aus 2020 lassen hoffen: „Wir sehen Corona fast gar nicht in den Büchern, 2020 könnte sogar ein Stückchen besser als das Vorjahr werden“, kündigt Frey an. Eine auch in der Corona-Krise anhaltend starke Nachfrage nach Baufinanzierungen, die Förderkreditvergabe, ein hoher Beratungsbedarf in Sachen Vorsorge sowie das gestiegene Interesse an Geldanlage und Fonds beflügeln die Geschäftsaussichten.

Langfristig sei eine Eintrübung angesichts des gesamtwirtschaftlichen Szenarios aber nicht ausgeschlossen, deutet Vorstand Jürgen Kikker an. Mehr als unter der Pandemie leidet die Genossenschaftsbank nämlich unter den politischen Rahmenbedingungen. So sei angesichts der Staatsverschuldung und der vielen Milliarden an Corona-Hilfen nicht mit einem raschen Ende der Niedrigzinsphase zu rechnen. Auch die Robustheit der Wirtschaft stehe auf dem Prüfstand. Um Firmen in der Krise vor Insolvenzen zu schützen, war im Frühjahr das Insolvenzrecht quasi ausgesetzt worden – aber nur vorübergehend. Weil das Geldhaus auch weiterhin selbst Zinsen für seine Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen muss, hat es schon 2019 „Negativzinsen“ für Kundeneinlagen ab 250 000 Euro eingeführt. Auch die Kontenmodelle waren schon 2016/17 überarbeitet worden, erläutert Kikker.

Kontenmodell überdenken

Jedoch: „In der Corona-Krise hat sich das Nutzungsverhalten der Kunden geändert, etwa mit dem Trend, verstärkt bargeldlos zu zahlen. Darauf müssen wir reagieren“, so der Vorstand.

So verlief das Geschäftsjahr 2019

691 Millionen Euro beträgt die Bilanzsumme (2018: 661 Mio.). Eine Steigerung von 4,5 Prozent.

Das Eigenkapital wuchs von 75,6 Millionen auf 78,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalsituation ist nach Angaben der Bank gut.

Sieben Geschäftsstellen und weitere vier Selbstbedienungsstellen bieten Service.

29 000 Kunden hat die Vereinigte Volksbank mit 141 Beschäftigten.

Der Jahresüberschuss stiegt 2019 auf mehr als 1,6 Millionen Euro.

Die Kreditvergabe wuchs von 481 Millionen Euro auf 514 Millionen. Eine Steigerung um 6,9 Prozent.

Weiterer Wachstumsfaktor der Genossenschaftsbank sind die Kundeneinlagen. Trotz geringer Verzinsung stiegen sie 2019 um 3,1 Prozent auf 501 Millionen Euro.

Das Zinsergebnis stieg auf über 12,69 Millionen Euro.

Die Filialen bleiben auch weiterhin einer der wichtigsten Vertriebswege in der Bankenwelt – trotz Digitalisierung. Neue Filialkonzepte mit Themenwelten ebenso wie Selbstbedienungsbereiche sind aber gefragt.

Im Aufsichtsrat gab es Änderungen: Marlene Holst schied altersbedingt aus. Ihr Nachfolger ist Dr. Marcus Rolfes. Carsten Bohn und Ingo Wachtendorf wurden bei der erstmals in der Bankgeschichte online stattfindenden Vertreterversammlung wiedergewählt.

Von der Krise zeigt sich die Vereinigte Volksbank ebenso unbeeindruckt wie von Befürchtungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Bankenstabilität. Warum, begründet Kikker: „Aufgrund des Jahresergebnisses 2019 und der guten Eigenkapitalausstattung wären wir durchaus früher dazu in der Lage gewesen, unseren Mitgliedern eine Dividende zu zahlen.“ Dies erst in der zweiten Jahreshälfte zu tun, hatte die BaFin verlangt. Mit 5,25 Prozent fällt die Dividende immer noch mehr als ordentlich aus.

Auch das Großvorhaben, der Bau der neuen Filiale in Ganderkesee, ist laut Bank im Plan. Kikker kündigt einen weiteren Neubau an: An der Adelheider Straße in Delmenhorst-Adelheide soll 2022 eine neue Filiale das Personal der nicht mehr zeitgemäßen und dann zu schließenden Standorte in der Delmenhorster Innenstadt sowie am Brendelweg vereinen. Die 100-m²-Filiale wird mit Beratungszimmern sowie Räumen für drei bis fünf Beschäftigte in einem ebenfalls von der Bank zu bauenden Elf-Parteien-Haus unterkommen.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee
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