Sandkrug - „Aufgewachsen bin ich in Sandkrug. Ich genoss eine schöne Kindheit. Allerdings hatte ich immer starke Kommunikationsprobleme. Ich konnte mich nie wirklich richtig ausdrücken. Mit elf Jahren musste ich eine Sprachtherapie besuchen die über mehrere Jahre ging.“
Thore Friedrichs (26) erinnert sich noch gut an diese Zeit zurück. Umso erstaunlicher: Zu seinem Job gehört es heute, vor Gruppen mit mehr als 100 Menschen über Kommunikation, Rhetorik und Ausbildung zu sprechen. Erst vor wenigen Wochen hat er Mitarbeiter der Bäckerei Bruno in Sandkrug und des TSG-Forums geschult.
In der Waldschule Hatten war Friedrichs noch ein Wackelkandidat. „Ich besuchte die Hauptschule, war mehr an Partys als an meiner Bildung interessiert und bin mit einem leeren Kopf durchs Leben gegangen“, sagt er selbstkritisch. Nach der 9. Klasse musste er mit drei Fünfen im Zeugnis die Schule verlassen. „Selbst mein Handballcoach glaubte nicht mehr an mich und schrieb mir eine Mail: „Ich sehe dich irgendwann vor Netto Pfandflaschen sammeln.“ Rückblickend ist der junge Mann überzeugt: „Das war der Moment, wo bei mir ein Schalter umgelegt wurde.“
Viel zu verdanken hat er Rudolf Pelz, der in Wildeshausen das Vitalis-Fitnessstudio betreibt. Pelz bot ihm 2007 einen Ausbildungsplatz zum Sport- und Fitnesskaufmann an. Friedrichs ergriff diese Chance – und nutzte sie. Hier entdeckte der Sandkruger zum ersten Mal, dass er ein Talent zum Verkaufen und im Umgang mit Menschen hat. „Motivation, die wie ein kleines Teelicht flackert, lasse ich auflodern wie Bunsenbrenner“, behauptet er. An der Berufsbildenden Schule Wildeshausen holte er seinen Realschulabschluss nach.
Nächste Stationen waren eine Beratungsfirma in Frankfurt und eines der größten Oldenburger Fitnessstudios. Zurzeit arbeitet er als selbstständiger Verkaufsleiter für die Quid Agis Akademie in Osnabrück, deren Kunden aus diversen Branchen er in den Bereichen Verkauf und Kommunikation schult. Seinen Lebensweg öffentlich machen, will Friedrichs aber nicht, weil er gerne im Mittelpunkt steht. Er denkt dabei vielmehr an junge Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wie er sie selbst erlebt hat. „Ich will mein Talent des Begeisterns weitergeben, andere motivieren und ihnen als Vorbild dienen, wenn sie vor der Entscheidung stehen: Aufgeben oder kämpfen?“
