Weder Fisch noch Fleisch – so lautete n i c h t das Motto, das der Hegering Ganderkesee für sein diesjähriges Grillfest ausgegeben hatte. Vielmehr gab es von beidem für die Jäger reichlich. Am Nachmittag stand zunächst Fisch auf dem Programm. Bei Forellen Abel informierte Kurt Abel die Waidmänner über Zucht und Haltung von Tieren, mit denen diese ansonsten nicht so viel zu tun haben. Nach einer Erfrischung im Falkenhus und einem Rundgang über das Lutherstiftgelände kam am Abend dann aber doch noch Fleisch auf den Teller der Jäger und ihrer Gäste, die im Garten ihres Vorsitzenden Jan-Bernd Meyerholz den Tag ausklingen ließen. In zwei riesigen Bratpfannen war Platz genug für jede Menge Grillgut – darunter ein Puter mit dem stattlichen Gewicht von 35 Kilo. Rund 90 Gäste – unter ihnen auch Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas und ihre Stellvertreterin Christel Zießler – wurden nicht nur satt, sondern hatten
sich bis in die Nacht jede Menge zu erzählen – und beileibe nicht nur Jägerlatein.
Nicht Jäger, sondern Schützen bevölkerten am Wochenende auch die Bauerschaften Hengsterholz und Havekost. Und nicht allein die Mitglieder des dortigen Schützenvereins waren am Sonnabendnachmittag auf den Beinen. Aus Anlass des 100-jährigen Geburtstages der Vereinsfahne hatten zahlreiche befreundete Schützenvereine ihre Fahnenabordnungen geschickt. Auch wenn die ursprünglich erhofften 25 Fahnen nicht zusammenkamen, bot der Festmarsch vom scheidenden König Harald Rogge in Havekost zum Vereinslokal Segelken in Hengsterholz ein farbenprächtiges Bild: Ein Dutzend Fahnenträger zog – den Musikern folgend und den Schützen voran – zum Festplatz. Dort angekommen, nahmen alle am Schießen teil. Am treffsichersten zeigten sich dabei die Fahnenabordnung aus dem benachbarten Hoyerswege.
Auch wenn die Fahne in diesem Jahr im Mittelpunkt stand, wurden natürlich auch zahlreiche Vereinsmitglieder für ihre Treue ausgezeichnet. Eine ganz besondere Ehre wurde dabei Manfred Woltjen (ovales Bild) zuteil. Für vorbildliche Führung der Vereinskasse seit nunmehr 39 Jahren erhielt er von Heino Brackhahn, Präsident des Ganderkeseer Schützenbundes, die Ehrennadel aus Gold mit Eichenlaub. Mit der Ehrennadel in Bronze wurde Hartmut Westermann geehrt, womit wir wieder bei der Fahne wären, die Westermann seit 1986 trägt.
Und da Schützenfeste nunmal zwar eine bierselige aber keine bierernste Sache sind, kam auch der Humor nicht zu kurz. Für einen besonderen Lacher war der Vereinsvorsitzende höchstselbst verantwortlich. Bei der (vielleicht dem Jubiläum geschuldeten) extrem langen Proklamation am Sonntagabend oblag es Horst-Dieter Horstmann auch, von den scheidenden Majestäten die Königsketten zurückzufordern. Seine Frau Anne zitierte er mit folgenden (hoffentlich nicht folgenreichen) Worten zur Abgabe ihrer Insignien: „Jetzt bitte ich die Königin, was noch meine Frau ist, nach vorne.“
Die Tradition, die scheidenden Könige zum Schützenfest zu Hause abzuholen, hätte die Schönemoorer Schützen im kommenden Jahr arg in die Bredouille bringen können: Jugendvizekönigin Julia Alfs wird demnächst für ein Jahr nach Mexiko gehen. „Wie wir die wohl abgeholt hätten“, überlegte Vereinsvorsitzender Eilert Kämena laut, „wenn Julia den Titel geholt hätte“.
Auch über hohen Besuch konnten sich die Schönemoorer Schützen freuen. Nicht nur Vertreter befreundeter Vereine zogen zur Proklamation der neuen Könige und Königinnen mit ins Festzelt ein – auch Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas und Landrat Frank Eger marschierten an der Spitze mit. Wie Vorsitzender Eilert Kämena verriet, ist Landrat Eger einmal im Jahr sogar auf dem Schießstand in Schönemoor zu Gast. „Und manchmal trifft er sogar“. Bürgermeisterin Gerken-Klaas lobte das Fest als eines der schönsten, und freut sich über die beginnende Saison. Ebenfalls zu Gast: Bundestagsabgeordneter Holger Ortel (SPD).
Hoher Besuch war am Sonntag auch ins Stenumer Timotheus-Haus gekommen. Oberkirchenrätin Dr. Evelin Albrecht hatte sich zur Verabschiedung von Pastorin Reinhild Sander angekündigt und – kam zunächst nicht. 15 Uhr sollte der Festgottesdienst beginnen, schon weit vor der Zeit waren alle Stühle im Hauptraum sowie die meisten auf dem Flur besetzt. Nur losgehen konnte es nicht, weil die Oberkirchenrätin erst um 15.07 Uhr ihren Wagen auf den – natürlich ebenfalls hoffnungslos überfüllten – Parkplatz steuerte. Nicht untypisch übrigens sei diese Unpünktlichkeit, merkten mehrere Kirchenkenner an. Dafür spielte bei der Oberkirchenrätin später aber die Technik mit, die Pastorin Sander zu Beginn ihrer Predigt einen Streich gespielt hatte. „Wie gut ist es doch, wenn man eine Küsterin hat, die alles kann“, meinte Sander über Marlies Tesch, die das streikende Mikrofon in Gang setzte. „Allerdings lernt man es dann nicht selber.“
