• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Vortragsabend In Ganderkesee: Rollenbilder sind enger geworden

06.11.2019
Frage: Wie entstehen bestimmte Rollenbilder bei Kindern? Oder sind vermeintlich männliche oder weibliche Verhaltensweisen angeboren?
Verlan: Die Frage können wir nicht klären, weil Kinder schon vor der Geburt soziale Wesen sind. Sobald festgestellt wird, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, wird in unterschiedlichen Stimmlagen gesprochen. Auch Bewegungen werden gedeutet: Wenn ein Junge aktiv ist und ein Mädchen ruhig, entspricht das den Erwartungen, andersherum wird es eher kommentiert.

Es gibt noch Karten

„Ist das für Mädchen oder Jungs“ ist der Vortrag von Sascha Verlan und Almut Schnerring überschrieben. Er beginnt am Donnerstag, 7. November, um 19:30 Uhr in der Mensa Am Steinacker in Ganderkesee.

Karten gibt es ab 19 Uhr für 2,50 Euro an der Abendkasse. Die Autoren berichten, wie sich Klischees im Alltag vermeiden lassen. Die Gemeindebücherei ist mit Buchempfehlungen dabei.

Frage: Aber bringen Kinder nicht schon bestimmte Eigenschaften und Interessen mit auf die Welt?
Verlan: Kinder bringen ganz sicher manches mit, aber da wir nicht trennen können zwischen angeboren und erlernt, wäre doch sinnvoll, Kindern alles anzubieten, dann können sie selbst entscheiden. Leider sehen wir lieber das, was uns bestätigt und halten daran fest. Dass viele Jungs sich gar nicht für Technik interessieren, ist dann sozusagen deren Problem, sie entsprechen eben nicht dem Typischen.
Frage: Handeln Eltern im Zusammenleben mit ihren Kindern nicht oft rein intuitiv?
Verlan: Wenn wir intuitiv handeln und nicht darüber nachdenken, handeln wir nach den Prägungen, die wir selbst erlebt haben und geben diese ungefiltert weiter. Wenn wir Kindern mehr mitgeben wollen, müssen wir uns unserer Prägung bewusst werden und in die eigene Biografie schauen: An einschränkende Kommentare wie „An der ist ein Junge verloren gegangen“ erinnern sich Mädchen auch noch als Erwachsene.
Frage: Wie schaffen es Eltern oder Erzieherinnen und Erzieher, Kinder ohne stereotype Rollenbilder zu begleiten?
Verlan: Es geht darum, Kindern Freiräume zu ermöglichen. Wenn ein Mädchen Fußball spielen oder ein Junge mit einer Puppenküche spielen möchte, sollten da keine Hürden in Form von Kommentaren oder Verboten auftauchen. Wie wäre es, individuell auf die Kinder und ihre Wünsche und Fähigkeiten zu schauen und sie zu stärken, auch wenn es etwas Untypisches ist? Es ist toll, wenn ein Kind ein Talent hat. Aber vielleicht gibt es Bereiche, in denen es dazulernen kann. Bei Jungs könnte es darum gehen, Rücksicht zu nehmen oder zur Ruhe zu kommen. Mädchen lernen oft nicht, dass auch sie Raum einnehmen, sich körperlich ausprobieren und laut sein dürfen.
Frage: Sind klassische Rollenbilder in Zeiten, in denen Väter Elternzeit nehmen, nicht längst überholt?
Verlan: Die nackten Zahlen zeigen, dass sich viel weniger tut als wir meinen. Die meisten Männer nehmen die beiden „Vätermonate“ und denken über eine 7+7-Monate-Aufteilung gar nicht nach oder trauen sich nicht, sie einzufordern. Die alltägliche Fürsorge-Arbeit übernehmen klassisch-traditionell die Frauen. Hinzu kommt, dass die Geschlechterrollen in den vergangenen Jahren enger geworden sind.
Frage: Wie erklären Sie das?
Verlan: Die Zeit von 2005 bis 2007 ist entscheidend. Damals lief die erste Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ und damit nahm die Normierung von Mädchenkörpern extrem zu. Außerdem kam das erste Smartphone auf den Markt und Youtube ging an den Start. In den sozialen Netzwerken, die für Jugendliche sehr wichtig sind, werden sehr eingeschränkte Rollenbilder reproduziert.
Frage: Welche Folgen hat es für das spätere Leben der Kinder, wenn sie auf Geschlechterrollen festgelegt sind?
Verlan: Es ist schwierig, einem 15-jährigen Mädchen zu sagen, dass ein Maschinenbau-Studium eine tolle Sache wäre, wenn es sich vorher nie mit Technik beschäftigt hat, weil dieser Bereich als männlich gilt. Und wenn wir Jungs vermitteln, es sei peinlich, mit Puppen zu spielen, wird es schwierig, sie im Erwachsenenleben für einen Pflegeberuf oder Teilzeit der Kinder wegen zu begeistern.
Frage: Sie haben selbst zwei Töchter und einen Sohn im Teenager-Alter. Sind Ihre Kinder ohne Rollenklischees aufgewachsen?
Verlan: Wie sollte das funktionieren, es gibt ja keinen Alltag ohne klischeehafte Botschaften. Außerdem haben Eltern nur begrenzt Einfluss. Wir versuchen, unseren Kindern das Bewusstsein mit auf den Weg zu geben, dass sie nicht festgelegt sind und sich frei entscheiden können. Es ist wichtig, dass Kinder ein vielfältiges Bild vom Erwachsensein haben.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Antje Rickmeier Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
04222 8077 2740
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.