Gemeinde Hatten - Solch ein Interview hat der deutsche TV-Journalist Claus Kleber in seiner langen Berufslaufbahn auch noch nicht geführt – und das liegt nicht nur daran, dass diesmal er die Antworten geben muss. 2000 Schüler von 70 Schulen aus Paris, Südtirol und der Bundesrepublik löchern den 66-Jährigen am Donnerstagvormittag anderthalb Stunden lang mit ihren Fragen.
Mit dabei ist auch der Wahlpflichtkurs Journalismus der Waldschule Hatten. Dessen besonderes Erfolgserlebnis: Eine ihrer Fragen können die Achtklässler direkt aus dem Klassenraum in Sandkrug an den langjährigen Moderator des Heute-Journals im ZDF Uhr) richten. Wie werden Nachrichten ausgewählt und sind es wirklich immer die richtigen, wollen sie wissen.
Claus Kleber muss da schon kurz nachdenken, aber seine Antwort ist so glasklar und offen, wie ihn die Fernsehzuschauer kennen. „Das Aktuelle droht immer das Wichtige zu verdrängen“, gibt er zu. Die richtige Auswahl zu treffen und Themen zu gewichten, seien ständige Arbeit und Teil des Berufsethos.
„Wir zahlen nicht“
Viele der anderen Fragen, die sich die Waldschüler gemeinsam mit Lehrerin Silke Hollwedel überlegt haben, werden von den anderen Schulen gestellt, darunter Berufsschulen und Gymnasien wie das Alte Gymnasium Oldenburg.
Wo liegen die Grenzen der Informationsbeschaffung, will die junge Generation zum Beispiel wissen. „Wir zahlen kein Geld für Informationen“, betont Kleber. Das verstoße gegen das journalistische Ethos, an das sich allerdings nicht alle halten würden.
Beim Thema Verantwortung der Journalisten in Zeiten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges thematisiert der Befragte Vorurteile, wie sie in bestimmten Gesellschaftsgruppen verbreitet werden. „Es gibt keine Anweisungen, zum Beispiel von der Bundesregierung so oder so zu berichten. Solche Gespräche führen wir nicht.“
Wie erkennt man überhaupt seriöse Quellen? „Das ist die wichtigste Frage des Tages“, sagt Claus Kleber und plaudert auch aus dem Nähkästchen. Wie ihm ein Freund zu Beginn der Corona-Pandemie per SMS die Nachricht weitergeleitet habe, dass ein japanischer Nobelpreisträger eindeutig ein chinesisches Labor in Wuhan als den Entwickler des Covid19-Virus identifiziert habe. Diese Information, die von deutschen Behördenleitungen weitergeleitet worden war, entpuppte sich innerhalb kürzester Zeit als Fake-News.
Einfache Recherche
Bei einer einfachen Recherche mit Google sei er sofort auf das Dementi des Forschers gestoßen. Also: „In den sozialen Medien ist heute jeder von uns für eine Sekunde Journalist. Liked oder teilt nicht gedankenlos Nachrichten, sondern schaltet Euer Hirn ein“, rät Kleber seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern daher.
Moderator des Heute-Journals zu werden, sei nie sein Berufsziel gewesen. „Es war die Liebe zu Reportagen, zum Menschenkennenlernen, das Riechen, Schmecken und Spüren der Welt, die meinen Berufsweg bestimmt haben“, verrät der 66-Jährige noch zum Abschied.
