Wildeshausen - Das Gelände der Wallschule Wildeshausen wirkt an diesem Nachmittag ein bisschen wie nach einer Zombie-Apokalypse: nahezu ausgestorben, trotz bestem Wetter. Die trockene Luft flimmert ein wenig, auf den Schaukeln im Hof sitzt niemand und hinter den Fenstern des Gebäudes bewegt sich nichts. Auf dem Vorplatz hantiert ein Mitarbeiter eines Gartenbauunternehmens mit Gerätschaften. Und dann ist da noch „Herr Utech“ beziehungsweise „Maik“, wie die Schulkinder ihren Hausmeister nennen.
Angenehme Stille
Es ist der erste Tag der sechswöchigen Sommerferien. Am Vortag herrschte hier noch vielstimmiger Trubel, mehr als 320 Kinder besuchen die Grundschule in Wildeshausen. Am Ende wurden Zeugnisse übergeben und die Kinder in die Ferien entlassen. „Auf einmal Cut: um halb 12. Dann war es mucksmäuschenstill“, sagt Utech. Jetzt sei alles entspannter: „Die ersten Wochen ist es schön, dass es ruhig ist.“ Was macht der 57-Jährige in dieser Zeit? „Bisschen nacharbeiten, Fundsachen sortieren, die Türschilder ändern fürs neue Schuljahr“, zählt er auf. Alle zwei Tage nach der Post sehen, Müllcontainer an die Straße stellen, die elektrisch gesteuerten Türen neu programmieren. Klingt ohne den Takt gebenden Unterrichtsalltag im Nacken nach einem Job zum Ausschlafen.
Leergefegte Gänge: Zu Unterrichtszeiten herrscht hier dichtes Gedränge. BILD: Thilo Schröder
Doch Maik Utech steht trotz freier Arbeitseinteilung zwischen 6.30 und 7 Uhr auf der Matte, wie er sagt. Er schaltet die Kaffeemaschine an, die er am Vortag als letzte Amtshandlung vorbereitet hat, und während das Wasser durchläuft, macht er einen Kontrollgang. In den Morgenstunden sei es im Sommer angenehmer zu arbeiten, erklärt er, nachmittags sei es oft zu heiß, vor allem auf dem Schulhof. Wenn er dort oder im Gebäude jetzt etwas repariere, müsse er auch nicht ständig sein Werkzeug bewachen – anders während der Unterrichtszeit: „Die Kleinen sind sehr neugierig“, erklärt er zwinkernd.
Eine Woche putzen
Ähnlich wie bei den Lehrkräften orientieren sich die Urlaubszeiten des Hausmeisters an den Ferien. Darum hat Utech kurz nach Sommerferienbeginn erstmal drei Wochen frei. In dieser Zeit vertrete ihn ein Kollege der Holbeinschule, der unter anderem die anstehende Grundreinigung des Gebäudes überwache: Eine externe Firma räume dafür sämtliche Klassenzimmer aus und nach dem Großputz wieder ein. Gut eine Woche dauere das Prozedere.
Den Schulhof derart gründlich zu säubern, dürfte sich dagegen kaum lohnen. In den Sommermonaten werde das Areal von Jugendlichen „gerne für Partyzwecke genutzt“, weiß Utech. Nach Wochenenden lägen Kippen herum und Flaschen, „quer über den Hof gepfeffert“ – „nicht so schön“. Zu Unterrichtszeiten muss der Hausmeister den Müll frühmorgens entfernen, bevor die Kinder zur ersten Stunde kommen. „Gerade jetzt in den Ferien könnte es sein, dass man solche Überraschungen auch unter der Woche hat.“
Seit neun Jahren arbeitet Maik Utech als Hausmeister, davor war er 17 Jahre Bademeister. Viele heutige Eltern kennen ihn als ihren früheren Schwimmlehrer. Wenn ihre Kinder Mitte August nach sechs Wochen Pause zum Unterricht kommen, wenn sie „reintoben“, wird Maik Utech sie erwarten. Dann ist es vorbei mit der Ruhe auf dem Gelände der Wallschule.
Maik Utech arbeitet seit 2014 als Hausmeister, davor war er Bademeister. BILD: Thilo Schröder
