Wildeshausen - Gerade in der aktuellen Zeit, in der viele Krisen in Teilen der Bevölkerung Zweifel an der Demokratie verursachen könnten, ist die erste Demokratie Deutschlands – aber auch ihr Scheitern – ein brandaktuelles Thema. Das sagt Axel Meentzen, Geschichtslehrer am Gymnasium in Wildeshausen, mit Blick auf die Weimarer Republik (1918 bis 1933). Im Gymnasium findet aktuell eine Wanderausstellung zum Thema statt, zu der auch die Öffentlichkeit eingeladen ist.
Nur 5196 Tage währte die Weimarer Republik und somit kürzer als die Kanzlerschaften von Angela Merkel oder Helmut Kohl. Doch die nicht einmal 15 Jahre der ersten deutschen Demokratie faszinieren bis heute durch ihre bewegte Geschichte, ihre Innovationen und eine in alle Welt strahlende Kultur. Ihre demokratischen Errungenschaften prägen unser Land bis in die Gegenwart. Im Gymnasium Wildeshausen informiert die Wanderausstellung über diese kurze, aber so bedeutende Epoche. Konzipiert hat sie der Verein „Weimarer Republik“, unter anderem mit Unterstützung des Bundesjustizministeriums.
Infotafeln und Filme
Auf 16 Tafeln werden kurz und bündig, aber attraktiv und ansprechend, Aspekte der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Etablierung des nationalsozialistischen Regimes erklärt und beleuchtet. Jede Wand unterliegt einem bestimmten Thema – alle sind auch losgelöst voneinander verständlich. Somit ist es nicht notwendig, die Ausstellung in einer bestimmten Reihenfolge anzuschauen. Auch Filme gehören ergänzend dazu.
„Ich finde es klasse, dass sich die Schule und unsere Lehrer für solche Projekte einsetzen“, erklärte Johanna von Elbwart aus dem Leistungskurs Geschichte des 13. Jahrgangs. Die Ausstellung helfe, den Schulstoff fasslicher zu machen und zu visualisieren.
„Weimar ist eine Warnung“
Geschichtslehrer Axel Meentzen wies zur Eröffnung darauf hin, dass die Vielzahl aktueller Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise oder der Klimawandel in der politischen Diskussion die Frage aufwerfe, inwieweit wir aktuell wieder auf „Weimarer Verhältnisse“ zusteuern könnten. „Auch heute wollen radikale Gruppierungen und Populisten aus der Krise Kapital schlagen und versuchen, demokratische Institutionen zu schwächen. Weimar ist sicherlich eine Warnung für uns heute, gleichwohl scheint die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland noch fest verankert. Es liegt aber an uns allen, dass es auch so bleibt“, so Meentzen.
Die Wanderausstellung „Weimarer Republik“ gastiert noch bis zum 29. November kurz hinter dem Haupteingang des Gymnasiums Wildeshausen. Sie ist werktags öffentlich zugänglich und kann daher nicht nur von den Schülern, sondern auch von interessierten Bürgern besucht werden.
