Wardenburg/Hatten - Wenn die GAG-Combo, die Band des Landkreisgymnasiums Graf-Anton-Günther-Schule, an diesem Sonntag, 4. Oktober, noch einmal auf der Bühne steht, wird es vermutlich das letzte Konzert der jungen Musiker sein. Denn ihr Leiter, Musiklehrer Jörg Olesch, geht nach diesem Schuljahr in den Ruhestand. Und coronabedingt rechnet er nicht mit der Möglichkeit weiterer Konzerte in den kommenden Monaten. In den früheren Jahren war die GAG-Combo eine feste Größe auf Veranstaltungen wie dem Cityfest in Wardenburg oder dem Sandyfest in Hatten. „Voraussichtlich finden solche Feste in absehbarer Zeit nicht mehr statt“, bedauert Olesch. Wer die Combo also noch einmal hören möchte, sollte sich die Chance am Sonntag um 16 Uhr im Oldenburger „Globe“, Beversbäker Wiesen 4, nicht entgehen lassen.
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Combo-Corona-Projekt
Anschließend an den Auftritt der GAG-Combo steht am Sonntag mit dem Seilartisten und Rapper Moritz Grenz und seiner Show „Audio-Poesy-Moves“ noch ein zweiter Live Act auf dem Programm. Einige kennen Grenz vielleicht schon als Akteur beim Oldenburger Kultursommer.
Im „Globe“ ist unter den derzeitigen Hygienebedingungen Platz für etwa 80 Gäste. Das Registrierungsformular kann vorab unter globe-oldenburg.de/termine heruntergeladen werden, dann beschleunigt sich der Einlass. Vor Ort gibt es für jeden Besucher eine Platznummer.
Der Eintritt ist frei, Spenden für die Globe-Renovierung sind willkommen.
Das Globe ist ein ehemaliges Kino der britischen Armee. Seit 2017 saniert eine Kulturgenossenschaft das Bauwerk und verwandelt es in eine neue Kulturstätte. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.
Seinen Abschied in den Ruhestand hatte sich Jörg Olesch anders vorgestellt. Ein paar tolle Konzerte im letzten Jahr. Vielleicht sogar doch noch ein Nachfolger für die GAG-Combo. Vor 33 Jahren hatte er als junger Musiklehrer an der GAG die Band ins Leben gerufen. 32 Jahre alt war er damals – die Hälfte seines Lebens wurde auch von der Arbeit mit der Combo geprägt. Derzeit sieht es so aus, als werde sich die Band mit seinem Ausscheiden auflösen müssen. Die jungen Musiker, die in einer AG an der Schule proben, finden keinen Lehrer, der die Leitung übernehmen kann oder möchte. Die Beschränkungen durch die Covid-19-Pandemie machen den Abschied nun noch trauriger. Und so wundert es nicht, dass Jörg Oleschs Lachen, das zu ihm gehört wie seine Musikbegeisterung, in diesen Tagen ein bisschen wehmütig ist.
Die vergangenen Monate waren schwierig für die jungen Musiker. „Von heute auf morgen war kein gemeinsames Proben mehr möglich. Aber mir war es wichtig, die Schüler zu motivieren“, erzählt Olesch. Das ist gelungen: Herausgekommen ist das „Corona-Combo-Projekt“, ein Video, in dem jedes Bandmitglied von zu Hause aus sein Instrument eingespielt hat. Die einzelnen Sequenzen hat Olesch anschließend zusammengeschnitten.
Posaunistin Paula hat diese gemeinsame Arbeit so viel Auftrieb gegeben, dass sie in den Sommerferien ein eigenes Lied geschrieben hat: Ihr Song „Running“ wird auf dem Konzert am Sonntag ebenso zu hören sein wie Hits von Jan Delay, Robbie Williams, den Ärzten oder Manu Chao.
Er werde manchmal gefragt, ob er im Ruhestand nicht noch einmal eine Band aufbauen wolle, erzählt Jörg Olesch. „Aber so etwas muss wachsen – das macht man nur einmal im Leben.“ Seine Tochter behaupte, nicht sie sei sein erstes Kind, sondern die GAG-Combo. „Da ist was dran“, gibt er schmunzelnd zu. Und der Erfolg gibt seinem Engagement recht: Weit über 300 Auftritte, etliche Preise und Auszeichnungen dokumentieren das Niveau der Band.
Ans Herz gewachsen
Acht Bandmitglieder haben im Laufe der Jahre den Weg in die Profimusik gefunden, zwei weitere studieren im Moment noch Musik. „Das ist ein guter Schnitt“, freut sich Jörg Olesch. Die übersichtliche Größe der AG mit höchstens 18 Mitgliedern sei für ihn immer ein großer Vorteil gewesen: „Jedes der Bandmitglieder ist mir ans Herz gewachsen.“
Er könne sich vorstellen, nach seiner Pensionierung mit Geflüchteten ein Musikprojekt zu machen. „So tief einsteigen wie mit der GAG Combo werde ich aber nicht noch einmal“, betont er. Doch ganz ohne Musik, das ist sicher, geht es für Jörg Olesch nicht.
