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Integration Wardenburger Firma gibt geflüchtetem Afghanen neue Perspektive

Wardenburg - „Ich wollte, dass meine Kinder in einem sicheren Land zur Schule gehen können und in Frieden aufwachsen“, sagt Alijan Heydari. Für dieses Ziel gaben er und seine Frau in ihrer Heimat Afghanistan alles auf und machten sich auf den Weg in eine ungewisse – aber, wie sie hofften, sicherere – Zukunft in Deutschland. Jetzt hat Alijan Heydari einen Meilenstein geschafft: Der 37-Jährige hat seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bei der Wardenburger Firma Brouwer abgeschlossen. Ein Erfolg, den er vor allem seinem Ehrgeiz und seiner Motivation zu verdanken hat, aber auch Menschen, die sich für ihn eingesetzt haben.

Lernstoff gebüffelt

Diese Angebote gibt es für Auszubildende – Viele Ehrenamtliche Helfen

Der Senior Experten Service SES ist eine Stiftung der deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Fach- und Führungskräfte im Ruhestand leisten in diesem Netzwerk ehrenamtlich Hilfe. SES ist weltweit mit rund 200 Experten im Einsatz.

VerA (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) ist eine Initiative des Senior Experten Service SES. Das bundesweite Mentorenprogramm hilft Auszubildenden beispielsweise bei Problemen in der Berufsschule, Konflikten im Ausbildungsbetrieb oder fehlender Lernmotivation. Die Mentoren arbeiten ehrenamtlich, das Hilfsangebot ist kostenlos. Deutschlandweit betreuen die Mentoren derzeit etwa 1100 Auszubildende, in der Region Oldenburg etwa 60.

pro:connect mit Sitz in Oldenburg berät und begleitet Geflüchtete, die aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Eritrea oder Somalia stammen, auf dem Weg in den Beruf. Dies kann über Praktika oder andere Qualifizierungsmaßnahmen geschehen, aber auch direkt im Rahmen einer Ausbildung oder eines Arbeitsverhältnisses. pro:connect finanziert bei Bedarf auch Sprachkurse und organisiert bedarfsorientierte Angebote. Auch hier arbeiten die Helfenden ehrenamtlich.

Über den Oldenburger Verein pro:connect entstand 2017 der Kontakt zur Firma Brouwer, erinnert sich pro:connect-Mitarbeiter Ziya Karakurt. Der Maschinenbauingenieur und Künstler mit türkischen Wurzeln hat mit Heydari in den vergangenen drei Jahren den Lernstoff gebüffelt und sich auch durch Corona nicht davon abhalten lassen. Immer wieder stand auch Wolfgang Becker von der Initiative VerA (s. Infokasten) dem Geflüchteten zur Seite. Ebenso wie Karakurt ist er mit Herzblut dabei. „Man fiebert jedes Mal mit und tut alles dafür, damit ein Projekt zum Erfolg wird“, sagt er. Und Ziya Karakurt betont: „Es ist etwas Besonderes, wenn ein Mensch etwas schafft.“

Nicht zuletzt Dreh- und Angelpunkt war Wolfgang Brouwer, denn der Firmenchef gab Heydari die Chance auf einen Ausbildungsplatz. „Er hat zunächst ein paar Tage einfach mitgeholfen, und wir hatten schnell das Gefühl: Das kann was werden“, sagt er. Ganz uneigennützig sei seine Unterstützung nicht gewesen, räumt Brouwer ein. „Natürlich wollten wir helfen – aber wir brauchen auch gute Fachkräfte.“ Für Heydari war dies eine Chance, die er beherzt ergriff. „Ich habe versucht, mir möglichst schnell die Fachbegriffe einzuprägen, um auf den Baustellen wirklich helfen zu können“, erzählt er. Und so gehörten Wörter wie „Kaltleiter“ schnell zu seinem Vokabular, auch wenn die Bedeutung der Fachbegriffe schwer zu vermitteln war: „So etwas ist ja nichts, was einem im Alltag begegnet und sich dadurch erschließt“, macht Karakurt klar.

Für den Vater dreier Kinder galt es nun nicht nur, mit Mitte 30 noch eine Ausbildung anzufangen, sondern dies zudem in einer fremden Sprache, die im Vergleich zu seiner Heimatsprache Dari völlig andere Schriftzeichen hat. Doch er verlor nie sein Ziel aus den Augen: „2017 haben wir einen Aufenthaltstitel bekommen – ich wusste, ich muss mich bemühen, um bleiben zu können“, sagt er. „Dafür ist eine Arbeitsstelle ganz wichtig.“

Wieder Auszubildenden

„Uns war vorher nicht bewusst, wie groß der bürokratische Aufwand sein würde“, sagt Wolfgang Brouwer. Und Monika Asche, verantwortlich für Personalfragen bei Brouwer, ergänzt: „Zum Glück haben wir auch von der Handwerkskammer Unterstützung bekommen.“

Es sei eine „Lernkurve“ für alle Beteiligten gewesen, so nennt es Becker. Mittlerweile weiß man in der Firma Brouwer, wie mit der Chance auf eine Ausbildung ein wichtiger Schritt in Richtung Integration gelingen kann. Und das Unternehmen macht weiter: Brouwer hat erneut einen jungen Auszubildenden im ersten Lehrjahr, der aus seinem Heimatland geflüchtet ist.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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