Wardenburg - Anja und Ralf Buchholz geht es wie vielen Eigenheimbesitzern: Die Kinder werden flügge, ziehen aus und gründen ihre eigene Familie; und schnell sind Haus und Grundstück zu groß für zwei Personen. Das Wardenburger Ehepaar würde sich mit Mitte 50 gerne wohnlich „verkleinern“. Doch im Ort Wardenburg ein geeignetes Grundstück oder eine bestehende Immobilie zu finden, die auch bezahlbar ist, ist aus Sicht der Familie Buchholz derzeit schier unmöglich.
„Wir suchen schon seit längerem, haben schon viele Bauträger besucht und Altimmobilien besichtigt. Aber es gibt nichts“, so die Erfahrung von Anja und Ralf Buchholz, die seit 40 Jahren in Wardenburg leben. Nicht anders erging es es ihren Kindern Michelle und Pascal. Die 25-jährige Tochter lebt mit ihren Kindern Luis (9) und Ella (6 Monate) noch in der Oberwohnung ihres Elternhauses an der Karl-Bunje-Straße, würde aber gerne mit ihrem Verlobten Stefan Bahrs zusammenziehen, der noch in Hundsmühlen wohnt.
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Sohn Pascal (28) hat zwar noch keine Familie, möchte allerdings mit seiner Ehefrau eine gründen. Aber auch ihnen fehlt die passende Immobilie. Derzeit leben der Groß- und Außenhandelskaufmann und die Zahnarzthelferin in Wardenburg zur Miete.
Enger Zusammenhalt
„Wir würden alle gern in Wardenburg bleiben, weil wir einen starken Familienzusammenhalt haben. Allein die Enkel in der Nähe zu haben, genießen wir sehr“, sagt die 53-jährige Anja Buchholz. Die gesamte Familie hofft deshalb, dass das geplante Baugebiet Stapelriede realisiert wird. „Wir haben uns schon im Februar 2019 auf die Interessentenliste setzen lassen“, erzählt Anja Buchholz. Parallel würden sie weiter nach Alternativen Ausschau gehalten.
Doch was Eltern und Kindern auf dem Immobilienmarkt bislang angeboten wurde, macht sie regelrecht wütend: „Wenn ich für 430.000 Euro ein Haus angeboten bekomme auf 380 Quadratmetern, mit 140 Quadratmeter Wohnfläche, Rissen in den Wänden, uralten Fliesen und Türen, dann fahre ich günstiger, wenn ich neu baue“, so die Bilanz des jungen Familienvaters Stefan Bahrs (29), der als Sondenwärter arbeitet.
„Hinzu kommt, dass viele Altimmobilien von Bauträgern aufgekauft werden, um sie abzureißen und darauf Mehrfamilienhäuser zu bauen mit Wohnungen zu überteuerten Kauf- oder Mietenpreisen“, ärgert sich Ralf Buchholz. Um die baulichen Entwicklungsmöglichkeiten des Ortes Wardenburg einmal aus erster Hand erklärt zu bekommen, hätten er und seine Frau auch schon mit Bürgermeister Christoph Reents und Bauamtsleiter Frank Speckmann ein „sehr ehrliches und informatives“ Gespräch führen können, so der 55-Jährige. Alternativen zur Stapelriede hätten sie derzeit leider nicht aufzeigen können.
In Natur eingedrungen
Der selbstständige Fachwirt für Maschinenbau vermutet, dass es einzelnen Kritikern der Stapelriede nicht um den Schutz der Natur gehe, sondern um den Erhalt ihrer „freien Sicht“. „Stapelriede-Gegner mit Grundbesitz in Wardenburg, und insbesondere am Brachvogelweg, seien daran erinnert, dass sie selbst einmal durch den Bau ihrer Häuser in dieses, oder andere, Naherholungsgebiete eingedrungen sind.“
