Wardenburg - Zwölf Männer, elf von ihnen Namensgeber für Straßen in der Gemeinde Wardenburg: Der Ausschuss für Hoch- und Tiefbau wird am kommenden Donnerstag, 17 Uhr, im Rathaus mehr über die längst Verstorbenen erfahren. Wie gewöhnlich waren ihr Leben und vor allem ihr politisches Verhalten während der Nazi-Zeit in Deutschland? Sind die Zwölf aus heutiger Sicht würdig, dass mit Straßennamen an sie erinnert wird? Um diese Fragen dreht sich seit Monaten die geschichtliche Aufarbeitung.
Die Gemeinde Wardenburg hat gut daran getan, für die Suche nach Antworten auf Experten zu setzen. Dr. des. Mareike Witkowski und Dr. Joachim Tautz erarbeiteten aus verschiedenen Quellen, darunter das Landesarchiv Oldenburg und das Bundesarchiv in Berlin, Kurzbiografien der Männer, um die es geht: August Niemann, weiterhin Diedrich Dannemann (Vater von Robert Dannemann) sowie Robert Dannemann, Friedrich Koopmann, Friedrich Lübbers, Georg Droste, Georg Lammers, Johann Heinrich Fangmann, Hermann Gerhard Bernhard Labohm, Hermann Friedrich Gerhard Meyer, Rudolf Waldemar Harbig und Heinrich Eichler.
Öffentliche Diskussion
Die Menge der zur Verfügung stehenden Daten war je nach Lebenslauf und öffentlichen Funktionen der Männer sehr unterschiedlich, bestätigte Bauamtsleiter Frank Speckmann am Dienstag der NWZ. Dies habe sich auch deutlich in der Länge der Kurzbiografien und Zahl der Fußnoten für die Quellenangaben niedergeschlagen. Offiziell sind bislang noch keine Ergebnisse veröffentlicht worden. Aber eines scheint klar: Zwei „problematische Fälle“ soll es mit Georg Lammers und Heinrich Eichler geben.
Auf jeden Fall dürfte die Sitzung am Donnerstag für jeden, der sich für die Vergangenheit interessiert, eine spannende Geschichtsstunde werden. Die beiden Verfasser, Dr. Mareike Witkowski und Dr. Joachim Tautz, stellen die Ergebnisse ihrer Recherche persönlich der Öffentlichkeit vor. Für die Gemeindeverwaltung war klar, dass dies nicht hinter verschlossenen Türen erfolgen sollte. Stattdessen ist in der Beschlussvorlage von einer Öffentlichkeitsveranstaltung mit anschließender Diskussion die Rede. Nach der Ausschusssitzung soll es einen zusätzlichen Termin geben, auf dem die Biografien vorgestellt werden.
Nachbarn betroffen
Noch weiter weg liegt die Entscheidung, ob und welche Straßennamen geändert werden sollen. Zumindest in einem Fall wäre dabei sogar die Nachbargemeinde Hatten am Zuge. Der Eichlerweg in Klein-Bümmerstede, der von dem Weg „An der Schänke“ abgeht und parallel zur Bümmersteder Straße verläuft, liegt nämlich genau auf der Grenze zwischen Wardenburg und Hatten und stellt einen Sonderfall dar. Die Häuser der Anlieger stehen ausnahmslos auf Wardenburger Gebiet, die Straße selbst gehört dagegen zu Hatten.
Straße in Hatten
Hier müssten also erst noch die Hatter Verwaltung und Ratsfraktionen sensibilisiert werden. Vielleicht hilft dabei ja die Erkenntnis, dass der Weg im Jahr 1934 mit großem Tamtam und in Anwesenheit der Gauleitung seinen Namen erhalten hat.
