Kreyenhoop - „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, freut sich Kevin Drewes. Das schaffen nur wenige Menschen. Dazu ist Kevin gerne auf Reisen und war mit seinen jetzt 32 Lebensjahren schon auf drei Kontinenten, in 33 Ländern und hat weltweit 298 Städte besucht. Auch diese Zahlen sind beeindruckend und klingen sehr positiv. Im Rückblick lief für Kevin aber nicht alles nach Plan. In jungen Jahren lebte er in Kreyenhoop eher zurückgezogen. Er war zufrieden, wenn er sich mit seinem Gameboy und Videospielen beschäftigen konnte. Zusammen mit seinen Eltern war er auch oft beim SV Atlas Delmenhorst, denn das war seit vielen Jahren Familientradition.
2015 war Kevin Mitbegründer vom SV-Atlas-Fanclub „Blau-Gelb Reloaded“. Schnell hatte dieser Fanclub viele Mitglieder, nicht zuletzt auch durch den unermüdlichen Einsatz von Kevin. Trotzdem war er nicht zufrieden. Bei einer zweitägigen Wanderung im Sommer 2018, rund um die Monte Rosa in der Schweiz, machte er sich Gedanken. Er kam zu dem Entschluss, dem Fußball den Rücken zu kehren. Viele persönliche Gründe führten zu diesem drastischen Schritt.
Hier wusste er, was er wollte. Nach seinem Realschulabschluss war das noch ganz anders gewesen: „Ich hatte von meiner beruflichen Zukunft keinen Plan und habe einfach in den Tag hinein gelebt“, erinnert sich Kevin und bedauert heute dieses für ihn verlorene Jahr. Wer nun glaubt, dass Kevin in dieser Zeit die Nacht zum Tag gemacht hat und viel auf der Piste war, der irrt gewaltig. Partys, Zigaretten und Alkohol waren nicht seine Welt. Nach knapp einem Jahr Auszeit machte er in einer Delmenhorster Firma eine Ausbildung zum Bürokaufmann.
Kevin war gerade im zweiten Ausbildungsjahr, als er das Haus seiner Großeltern in Kreyenhoop erbte. „Dadurch bin ich selbstständiger geworden, denn nun musste ich große Verantwortung übernehmen“, sagt Kevin. Nach der Ausbildung blieb er als Bürokaufmann in seinem Ausbildungsbetrieb. „Es war ein sicherer Job, denn ich musste ja mein eigenes Haus unterhalten.“ Obwohl er immer sehr häuslich war, so besuchte er ab 2014 immer häufiger Konzerte, darunter auch die „Schlagernacht des Jahres“ in Bremen.
„Als ich ein kleiner Junge war, liefen in meinem Elternhaus die Hits von Wolfgang Petry rauf und runter. Meine Oma konnte mich dazu für Roy Black begeistern. Schlager fand und finde ich super“, erzählt Kevin freudestrahlend. Bei einem Schlagerevent in der Glocke in Bremen machte er Fotos, die er auf Instagram veröffentlichte. Diese sah der Inhaber eines Schlagerportals und war ganz angetan. Er fragte an: „Kannst du dazu auch Texte schreiben?“ Kevin konnte, und seit Ende 2018 war er neben seiner eigentlichen Arbeit als Bürokaufmann auch als Reporter unterwegs, baute das Portal zu einem der größten in der Branche auf. Wobei es ein reines Hobby war, denn auch Fahrtkosten und Übernachtungen musste Kevin damals aus eigener Tasche bezahlen. „Im Schlager kenne ich mich bestens aus“, sagt Kevin und lächelt.
Schnell wurde er in der Schlagerbranche bekannt wie ein bunter Hund. Tim Wilhelm von der „Münchener Freiheit“ gab ihm den Namen „Rasender Reporter“. Mittlerweile ist sein Name längst Programm. So ging es für ihn an einem Augustwochenende von Berlin nach Steinhude, dann weiter nach München zum großen Konzert von Helene Fischer und wieder zurück nach Berlin. „Das war schon krass“, erinnert Kevin sich.
2021 konnte er sein Hobby zum Beruf zu machen. Den Verantwortlichen von Deutschlands größtem Schlager-Portal „Schlager.de“ war die Arbeit von Kevin Drewes nicht verborgen geblieben. Dort erhielt er 2020 als freier Mitarbeiter seine eigene Rubrik – natürlich als „Rasender Reporter“.
Im August 2021 winkte eine Festanstellung, doch dafür musste er seine Heimat Kreyenhoop verlassen und zum Firmensitz nach Berlin kommen. Ein Jahr blieb Kevin in der Hauptstadt, bevor er im September 2022 wieder in sein Haus zurückkehrte. Jetzt arbeitet er für das Schlager-Portal im Homeoffice und hat als „Rasender Reporter“ schon über 200 Interviews mit fast allen Schlagerstars geführt.
In Künstlerkreisen wird er wegen seiner Diskretion und offenen Art sehr geschätzt und ist mit vielen Stars auf Du. Eine Herzensangelegenheit ist für ihn die Stiftung „Fly & Help“, die Schulen in Entwicklungsländern gründet. Seit Januar 2021 begleitet er regelmäßig Künstler, wie zum Beispiel Mickie Krause, Nicole oder auch Patrick Lindner zu Benefizkonzerten nach Afrika oder auch in die Dominikanische Republik.
„Diese Reisen haben mich geprägt. Es ist eindrucksvoll, zu erleben, wie glücklich und dankbar die Kinder dort sind, obwohl sie nicht viel haben“, erzählt Kevin.
Reisen ist für ihn zu einem großen Hobby geworden, 2014 startete er alleine nach Paris, um Disneyland zu besuchen. Gleich ein Jahr später ging es in die Walt Disney World in Orlando/Florida. Von den vielen Reisen war die Tour im vergangenen Jahr nach Namibia, Botswana und Simbabwe die bisher schönste.
Kevins Lieblingslied ist „Leb“ von Dj Ötzi. Im Refrain heißt es: „Leb, als ob es vorbei ist. Leb, mach alles was du kannst“. Dieses passt zu Kevin. Etwas später, aber nicht zu spät, hat er seinen Weg ganz offensichtlich gefunden.
