Großenkneten/Oldenburg - Die Botschaft der beiden Gäste aus Oldenburg war eindeutig: Die Stadt ist dringend auf der Suche nach weiteren Wasserförderquellen – und dafür hat sie den Hegeler Wald bei Huntlosen ins Visier genommen. Die Reaktionen aus der Gemeinde Großenkneten sind ebenso deutlich: Der Wunsch stößt auf Ablehnung – bei Politik und Verwaltung gleichermaßen. So lässt sich der Verlauf des Planungs- und Umweltausschusses im Gasthaus Kempermann auf den Punkt bringen. Angesichts der bereits vorhandenen Fördermengen von 19 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr für den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) in der Gemeinde, zusehends sinkenden Grundwasserständen und häufigeren Trockenphasen fürchten die Großenkneter, bald auf dem Trockenen zu sitzen.
Woher kommt das Oldenburger Trinkwasser?
Morell Predoehl von der Verkehr und Wasser (VWG) GmbH und Holger Oeltjebruns von der EWE Netz stellten die Situation in Oldenburg vor. Der Grund für ihren Doppelauftritt: Die VWG hat die Trinkwasserversorgung an die EWE Netz übertragen. Derzeit verfügt die VWG über drei Wasserwerke: Oldenburg Donnerschwee (1,8 Millionen Kubikmeter im Jahr), Alexandersfeld (2,5 Mio.) und das mit Abstand größte in Sandkrug (6,0 Mio.). Die derzeitige Gesamtbewilligung von 10,3 Millionen Kubikmeter wird seit Jahren kontinuierlich mehr ausgeschöpft, in diesem Jahr voraussichtlich zu 95 Prozent.
Warum braucht Oldenburg mehr Trinkwasser?
Im Dezember 2019 hat der Großenkneter Rat eine Resolution an das Land Niedersachsen auf den Weg gebracht, damit die Grundwasserentnahme durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) in der Gemeinde überprüft und möglichst vermindert werden soll. Hintergrund sind die zunehmenden Klagen über sinkende Grundwasserstände, so an den Ahlhorner Fischteichen, und Probleme durch Wasserarmut in der Landwirtschaft und Privatpersonen.
Aktuell kann der OOWV in der Gemeinde wie folgt fördern: In der Fassung „Hagel“ sind bis zu zehn Millionen Kubikmeter jährlich möglich, in der Fassung „Sage“ vier Millionen Kubikmeter und der Fassung „Baumweg“ fünf Millionen Kubikmeter. In Großenkneten steht das größte Wasserwerk des OOWV.
Die Zuwächse im Wasserverbrauch der vergangenen zwei Jahrzehnte erklären sich fast nur aus dem Bevölkerungswachstum auf aktuell 170.000 Einwohner. Bis 2030 wird mit 179.000 Einwohner gerechnet. Mit der jetzigen Bewilligungsmenge käme Oldenburg nicht mehr aus. „Es gibt akuten Handlungsbedarf“, so Predoehl angesichts der langwierigen Genehmigungsverfahren für neue Wasserförderungen. Geplant sind eine Million Kubikmeter pro Jahr, verteilt auf vier Brunnen.
Warum nicht mehr fördern in vorhandenen Gebieten?
In Donnerschwee sei wenig möglich, Alexandersfeld liege an der Grenze zum Trinkwasserschutzgebiet Nethen, Sandkrug an der Grenze zu den FFH-Gebieten Barneführerholz und Schreensmoor: So erklärten die Experten die fehlenden Möglichkeiten der Stadt im Bestand. „Wir können das Problem nicht innerhalb der Stadt lösen“, so Predoehl. Auch könnten keine zusätzlichen Wassermengen vom OOWV bezogen werden.
Warum die Suche im Hegeler Wald bei Huntlosen?
Außerhalb dieses Gebietes seien keine nutzbaren Wasservorkommen vorhanden, heißt es. Dabei greift Oldenburg auf einen alten Antrag zurück, wie Oeltjebruns erläuterte. Schon in den achtziger Jahren sei der Hegeler Wald als zusätzliches Wassergewinnungsgebiet beantragt worden. „Der Antrag ruht aktuell noch“, so der EWE-Mann. Im Landesraumordnungsprogramm ist das Gebiet seit langem als Vorranggebiet für die Trinkwassergewinnung ausgewiesen.
Wie weit ist das Verfahren?
„Wir sind ganz am Anfang des Prozesses“, betonten Predoehl und Oeltjebruns. Zunächst gehe es um die ersten Untersuchungen der Wasserqualität an potenziellen Brunnenstandorten. Dann folgt der Antrag auf die wasserrechtliche Erlaubnis für einen Dauerpumpversuch. Erst wenn die Voruntersuchungen ergeben, dass das Grundwasser unter dem Hegeler Wald für die Trinkwasseraufbereitung geeignet ist, würden die (wasser-)rechtlichen Untersuchungen erfolgen. Hier würden diverse Behörden einbezogen. Dann würde ein Wasserrechtsantrag bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises folgen einschließlich der öffentlichen Beteiligung. Das gesamte Verfahren nimmt Jahre in Anspruch.
Wie kam das Thema in den Ausschuss?
Die Fraktionen von CDU und Kommunale Alternative (KA) hatten beantragt, das Thema zu besprechen. Beide reagierten auf Presseberichte Anfang des Jahres, in denen die Überlegungen publik wurden. „Wir waren geschockt“, so Torsten Deye (CDU). „Sie haben Recht. Aus Ihrer Sicht sind wir viel zu spät“, gestand Predoehl zu.
Wie waren die Bewertungen im Ausschuss?
Mehrfach wurde nach der Möglichkeit der Brauchwasseraufbereitung gefragt, so von Herbert Sobierei (AfD) und Torsten Deye. Oeltjebruns entgegnete, dass dafür ein zweites komplettes Netz (1800 Kilometer) nötig wäre. Henning Rowold (CDU) merkte an, dass sich das FFH-Gebiet Döhler Wehe in unmittelbarer Nähe befände. Oeltjebruns sagte, dass bei den Voruntersuchungen erstmal gar nichts in der Natur passiere. Noch sei fraglich, ob es überhaupt an dieser Stelle gehe. Dafür sei der Dauerpumpversuch nötig. Andrea Oefler (SPD) sah angesichts der Pläne „schwarz für Flora und Fauna“. Michael Feiner (FDP) mahnte: „Unser Landkreis trocknet von unten aus.“ Er riet den Oldenburgern, nach Alternativen zu suchen, „denn das wird eine schwierige Sache für Sie werden.“ Torsten Deye sagte: „Das kann so nicht weitergehen. Sie müssen sich grundsätzlich andere Gedanken machen. Da muss viel mehr Innovation her anstatt noch mehr Wasser zu fördern.“
Wie fiel das Votum im Ausschuss aus?
Einmütig folgte die Politik der Vorlage der Verwaltung, Damit erhebt die Gemeinde Großenkneten „grundsätzliche Bedenken“ gegen die geplante Wassergewinnung im Hegeler Wald. Die Entscheidung werden eines Tages allerdings andere treffen: die Untere Wasserbehörde des Kreises.
