Huntlosen - An diesem Mittwoch soll das Urteil im Prozess über den Polizistenmord von Kusel (Rheinland-Pfalz) fallen. Der Wilderer Andreas S. soll am 31. Januar zwei junge Polizisten erschossen haben, die ihn mit illegal geschossenem Wild überraschten.
Der Huntloser Fernsehregisseur und Jagdschriftsteller Lutz Wetzel hat für die ARD eine Dokumentation über den Fall gedreht und sich mit dem Haupttäter beschäftigt. Sie soll Mitte Dezember im Fernsehen ausgestrahlt werden. Dabei hat Wetzel auch bei bundesweiten Recherchen herausgefunden, dass Wilderei in Deutschland ein unterschätztes Problem sei und längst zur Alltagskriminalität gehöre: Aus Lust am Töten, wegen einer Trophäe und nur selten aus Interesse am Fleisch werde immer öfter Wild erlegt, erfuhr er.
Zehn Fälle seit 2013
Auch im Forstamt Ahlhorn ist Wilderei ein Thema. Forstamtsleiter Stefan Grußdorf hat nach eigenen Angaben seit 2013 zehn Fälle von Wilderei zu Anzeige gebracht. „Das ist außergewöhnlich viel“, lautet seine Einschätzung. Die Bandbreite reiche von der Schlingenstellerei bis zur großkalibrigen Waffe.
Nach Recherchen von Lutz Wetzel, der auch Mitglied im Hegering Großenkneten ist, hat die Jagdwilderei in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen: Das Bundeskriminalamt registrierte in der polizeilichen Kriminalstatistik für ganz Deutschland zuletzt 1080 solcher Fälle im Jahr 2020. Mehr waren es davor zuletzt 2005 (1131 Fälle).
Für Profis lukrativ
Für die Profis unter den Wilderern sei sie ein lukratives Geschäft, erklärte Jagdexperte Wetzel im Februar in einem RTL-Interview. Moderne Wilddiebe seien bestens ausgerüstet und nur schwer zu überführen. Ausgerüstet mit Wärmebildkameras und Infrarot-Zieloptik könnten sie in einer Nacht bis zu 15 Stück Wild schießen. Die Gefahr, auf frischer Tat ertappt zu werden, sei gering, so Wetzel. In einer Nacht wie der Tatnacht von Kusel Ende Januar seien keine Jäger oder Förster unterwegs. Selbst wenn jemand Schüsse hören würde, seien diese meist nicht genau zu lokalisieren. Wenn sie einmal erwischt würden, sei höchste Gefahr im Verzug, so Wetzel. Seit jeher gelte unter Jägern und Förstern der Spruch: „Bei Wilderern Vorsicht – die schießen sofort.“
