Wildeshausen - Ein 31 Jahre alter Mann aus Polen ist am Dienstag wegen besonders schweren Diebstahls vom Amtsgericht Wildeshausen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Die Haftstrafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zur Bewährungsauflage gehört auch eine Meldepflicht. Der Angeklagte ist nämlich ohne Wohnsitz.
Nach Überzeugung der Richterin marschierte der Angeklagte vergangene Woche zweimal in den Famila-Markt am Westring und entwendete Waren im Wert von mehreren hundert Euro. Darunter waren mehrere Flaschen hochprozentiger Alkohol. Der Anklagte ist, wie er zugibt, alkoholabhängig. Als er nach der zweiten Tat inklusive Verfolgungsjagd geschnappt wurde, ergab der Alkoholtest einen Wert von 2,7 Promille. Bis zum Prozess saß der Mann in der Justizvollzugsanstalt Vechta.
Wie er dem Gericht erzählte, war er erst vor gut einer Woche aus Holland eingereist, weil er in Visbek bei der Erdbeerernte Geld verdienen wollte. Ein Kumpel aus Wildeshausen habe ihm den Tipp gegeben. In Holland hätte er wegen der Corona-Pandemie seinen Job verloren und zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft geschlafen.
Der Angeklagte entwendete am 25. Mai im Famila-Markt zunächst ein Radio im Wert von 99 Euro. Am 26. Mai ging er erneut in das Einkaufszentrum und packte sich gleich einen ganzen Einkaufswagen voll mit Alkohol, Lebensmitteln, Süßigkeiten, Akkuschrauber, Sodastreamer und Stereoanlage. Der Wert: 607,15 Euro. Das fiel jedoch auf, sodass der Mann flüchtete. Er rannte in ein Kornfeld und versteckte sich, wurde aber gefasst.
In der Vernehmung einen Tag später, an der auch ein Polizist mit Polnischkenntnissen teilnahm, gestand der 31-Jährige, dass er das Radio entwendet und nahe des Bremer Hauptbahnhofes für 40 Euro verkauft hatte. Am Dienstag gab er zwar die Tat zu, bestritt aber, dass er das Radio verkauft habe. Es soll bei einem Bekannten in der Wohnung stehen. Durch den Verkauf stand nämlich auch der Vorwurf des gewerbsmäßigen Diebstahls im Raum.
Die zweite Tat bestritt der Angeklagte ganz. Er sei ja noch im Geschäft gewesen und habe die Waren bezahlen wollen. Angeblich habe er gut 80 Euro in der Tasche gehabt. Damit hätte er den Einkauf aber nicht bezahlen können. Er konnte auch keine Erklärung dafür bieten, warum er flüchtete, nachdem er aufgeflogen war. Videoaufnahmen und Fotos gibt es von beiden Taten.
Wie der gelernte Konditor seine Alkoholsucht in den Griff bekommen will, bleibt offen. In der einen Woche im Gefängnis bekam er offenbar Tabletten vom Arzt, um die Probleme zu lindern. Das wird nun schwierig. Er wolle arbeiten, Geld verdienen und in vier Wochen zum Geburtstag seines achtjährigen Sohnes nach Polen fahren, der bei der Mutter lebe.
In Deutschland ist der 31-Jährige nicht zum ersten Mal polizeilich in Erscheinung getreten, wie die Richterin aus dem Bundeszentralregister vortrug. Dazu gehören ein Verstoß gegen das Waffengesetz in Frankfurt/Main, das Erschleichen von Leistungen in Göttingen und Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem werde er von den Staatsanwaltschaften in Berlin-Tiergarten und Frankfurt/Oder gesucht.
