Wildeshausen - Der Putenschlachthof Geestland in Wildeshausen muss nach einem Corona-Ausbruch unter Mitarbeitern den Schlachtbetrieb einstellen. Das teilte Carsten Harings, Landrat des Kreises Oldenburg, am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Wildeshausen mit. Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Mitarbeiter ist gegenüber 45 am Donnerstag auf 46 gestiegen – bei nun insgesamt 1183 getesteten Mitarbeitern. „Die Relation von 23 Fällen bei 50 Tests von Montag hat sich zum Glück nicht potenziert, allerdings sind 46 in einem Betrieb nicht zu unterschätzen“, sagte Harings und fügte hinzu: „Ich halte eine Aufrechterhaltung des Betriebs für nicht tragbar.“ Es sei eine harte Entscheidung, den Schlachtbetrieb umgehend einstellen zu lassen. Dies geschehe jedoch zum Schutz der Menschen im Kreis Oldenburg sowie in den umliegenden Kreisen und Städten.
Für alle Geestland-Mitarbeiter sind zwei Wochen Quarantäne angeordnet worden. „Betroffen sind eine ganze Reihe von Arbeitsbereichen“, sagte Harings. Ein Schwerpunkt liege mit 43 Infizierten jedoch in der Frühschicht. Kinder, die mit infizierten Mitarbeiter Kontakt hatten, werden derzeit ebenfalls getestet, damit das Virus sich nicht auch noch an Schulen ausbreitet. Zwei solcher Fälle sind bereits aus Cloppenburg bekannt. Dort waren zwei Brüder, deren Vater zu den infizierten Geestland-Mitarbeitern gehört, positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Zehn neue Corona-Fälle durch gemeinsamen Gottesdienst
Inzwischen wurden auch 53 Personen getestet, die zusammen mit einer infizierten Geestland-Mitarbeiterin an einem Gottesdienst teilgenommen hatten. Von 43 vorliegenden Ergebnissen seien zehn positiv. „Wir warten – leider muss man sagen – auf weitere Fälle“, sagte Sozialdezernent Jürgen Ohlhoff.
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Volle Unterstützung für die Entscheidung des Landrats signalisierte Jens Kuraschinski, Bürgermeister der Stadt Wildeshausen. Kuraschinski merkte indes an: „Damit schlussendlich eine weitere Ausbreitung in und um Wildeshausen effektiv eingedämmt werden kann, müssen neben zusätzlichen Testreihen weiter sämtliche Bemühungen unternommen werden, alle anderen potenziellen Infektionswege zu unterbrechen.“ Dazu müsse jeder einzelne seinen Beitrag leisen.
Damit sind im Kreis Oldenburg aktuell 43 Menschen nachweislich mit Covid-19 infiziert – und alle stehen im Zusammenhang mit dem Ausbruch bei Geestland, teilte Ohlhoff weiter mit. Darunter sind 24 Mitarbeiter, die weiteren haben sich in der Folge angesteckt.
Wiesenhof-Unternehmen bittet um Soforthilfe
Die Landkreise Ammerland und Wittmund unterstützen den Kreis Oldenburg mit Containment Scouts. Auch die Bundeswehr habe Unterstützung zugesagt, sagte Harings. Ab Montag sollen drei Containment Scouts den Dienst aufnehmen.
Unterdessen teilte das Unternehmen, das zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehört, schriftlich mit, dass der Betrieb bereits schrittweise runtergefahren werde. Puten würden zur Schlachtung nicht mehr angenommen. Da die PHW-Gruppe über keine weiteren Schlacht- und Zerlegebetriebe für Puten in Deutschland verfüge, werde das Unternehmen das Veterinäramt Oldenburg sowie das niedersächsische Agrarministerium um Soforthilfe in Form von Sondergenehmigungen für die Schlachtung der Puten in anderen Schlachtereien in Niedersachsen bitten. Geestland geht davon aus, dass der Betrieb für bis zu zwei Wochen geschlossen werde. Bei der Pressekonferenz des Landkreises ließ sich Geestland entschuldigen.
