Wildeshausen - Nach vielen Jahren kommt das Ziel langsam in Sicht: Der Entwurf für die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans im Landkreis Oldenburg liegt vor. Am Dienstagabend hat ihn die Kreisverwaltung im Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss vorgestellt, der unter Corona-Bedingungen im Musiktrakt des Gymnasiums Wildeshausen tagte. Ursula Tröndle und Josefine Ohnesorge vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege erläuterten das überaus detaillierte Werk, das gedruckt zwei dicke Aktenordner füllt und jede Ecke des Landkreises aus der Sicht von Natur und Landschaft betrachtet.

Was ist der Landschaftsrahmenplan

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Er stellt das Fachgutachten für Natur und Landschaft im Landkreis Oldenburg dar. Der Zustand der Natur wird komplett dokumentiert. Daraus werden Ziele für die künftige Entwicklung sowie das Biotopverbundkonzept formuliert. So entstehen Planungskarten, in denen die Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele und die Flächen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung beschrieben werden. Die Aussagen sind nicht verbindlich, sondern als Strategiepapier für die Zukunft zu sehen, hieß es in den Erläuterungen im Ausschuss. Zugleich ist der Plan ein großes Nachschlagwerk zu Natur und Landschaft im Landkreis.

Wofür dient der Plan

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Seine Aussagen kommen bei allen Planungen und Verwaltungsverfahren zum Zug, die sich auf Natur und Landschaft auswirken. Ein Bauvorhaben ohne Berücksichtigung dieses Plans ist beispielsweise nicht vorstellbar, ebenso wenig bei Bodenabbau, Leitungsbau, Gewässerausbau, Straßenbau etc. Zudem zeigt er Schwerpunkträume für Kompensationsflächen auf. Wichtig ist er auch für das Erhalten von Fördermitteln in den Bereichen Landschaftsentwicklung, Naturschutz, Boden und Wasser. Zudem stellt er den Fachbeitrag zur Erstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms dar.

Wie groß ist der Flächenanteil

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Er ist erheblich. Die 26 Naturschutzgebiete kommen mit 3274 Hektar auf 3,1 Prozent der Kreisfläche. Dazu kommen die naturschutzwürdigen Bereiche (3701 Hektar), die 3,5 Prozent ausmachen. Dazu zählen kleine Teilgebiete bestehender Landschaftsschutzgebiete und kleinere wertvolle Waldbestände und Niederungen. Die 59 Landschaftsschutzgebiete machen 22 728 Hektar aus (21,4 Prozent). Die landschaftsschutzwürdigen Bereiche befinden sich auf 14 625 Hektar (13,8 Prozent). Dabei geht es im nördlichen Teil des Kreises um strukturreiche Agrargebiete und grünlandgeprägte Moorbereiche.

Wie wird die Natur im Kreis beschrieben

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Als „abwechslungsreiche Geestlandschaft“ mit naturnahen Wäldern, strukturreicher Agrarlandschaft, strukturreichen Fließgewässern und Auen sowie offenen Marschen und Moorgebieten. Dabei geht es um Biotopverbund, nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und historische Relikte aus geologischer und kultureller Entwicklung. Für jedes Gebiet werden die Ziele in Form von Biotopkomplexen, Landschafts- und Nutzungstypen formuliert.

Wie reagierte die Politik auf das Werk

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Mit ganz viel Lob, fast schon überschwänglich, für die aufwendige Arbeit der vergangenen Jahre. Axel Brammer (SPD) begrüßte zudem, dass dieser Plan jederzeit erweitert werden könne. Der Vorgängerplan war Mitte der neunziger Jahre entstanden und wird fortgeschrieben. Der Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans war im November 2019 den interessierten Kreistagsabgeordneten bei einer eintägigen Infoveranstaltung erläutert worden.

Was gibt es an Kritik an dem Plan

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Michael Feiner (FDP) verwies auf die knapp 42 Prozent Fläche, die als Natur-/Landschaftsschutzflächen beziehungsweise naturschutz-/landschaftsschutzwürdig ausgewiesen seien. „Dann noch die versiegelten Flächen. Was bleibt da noch übrig“, fragte er, zum Beispiel für Großprojekte wie Autobahnausbau. Darin sah er „Sprengstoff“.

Wilfried Siems (CDU) meinte, dass nach den Ausweisungen die „Landwirtschaft eigentlich nicht mehr machbar ist im Landkreis“. „Dann können wir die Landwirtschaft verabschieden“, fürchtete der Landwirt um die Perspektiven für den Agrarbereich. Man hätte diese Ordner dem Landvolk und den Verbänden wesentlich früher geben müssen, meinte er, damit sie sich darauf hätten vorbereiten können. Siems kritisierte die fehlende Zeit zur Beratung, da die Stellungnahmen bis Oktober vorliegen sollen. Zuvor hatte auch Armin Köpke (CDU) die Öffentlichkeitsbeteiligung bemängelt, da die Zeit zu knapp sei. „Sie ist entscheidend für die Akzeptanz der Bürger“, betonte er. Daher müsse die Info direkt erfolgen und nicht nur über digitale Medien. Diesen digitalen Weg will die Kreisverwaltung angesichts der Corona-Pandemie einschlagen. Sie arbeitet derzeit an „Corona-adäquaten“ Formen für die Infoveranstaltungen, so mit Hilfe von Videos.

Axel Brammer sah die 3,5 Monate dagegen als ausreichend an. Johannes Hiltner (Grüne) warb für eine sachliche Diskussion, Reinhold Schütte (Grüne) meinte: „Wir können uns noch einbringen.“

Wie geht es weiter

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Die Kommunen waren bereits Anfang des Jahres informiert und gebeten worden, ihre Hinweise einzubringen. Die öffentliche Auslegung der Pläne (analog und digital parallel) solle Anfang Juli beginnen und mit der Abgabe der Stellungnahmen im Oktober enden. Parallel zu Bürgern und Verbänden werden auch die Kommunen beteiligt. Nach der Auslegung wird der Plan Ende 2020/Anfang 2021 nochmals im Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss vorgestellt. Armin Köpke zog seinen Antrag auf Fristverlängerung zurück, sondern man verständigte sich, die Frist für die Stellungnahmen bei Bedarf gegebenenfalls zu verlängern. Baudezernentin Eva-Maria Langfermann betonte: „Wir versuchen unser Bestes. Wir sind gesprächsbereit.“

Ulrich Suttka
Ulrich Suttka Kanalmanagement