Wildeshausen - Wachgerüttelt durch den Protest der Anwohner am Brauereiweg in Wildeshausen wehren sich jetzt auch Bürger rund um die Bürgermeister-Müller-Bargloy-Straße gegen „zweigeschossiges Betongold“. So drückt das der Sprecher der neuen „Bürgerinitiative gegen Zweigeschossigkeit in Wohnsiedlungen“, Hans Rüger, aus, wenn er von dem „Betonklotz“ am Haferweg spricht, wo ansonsten nur Einfamilienhäuser stehen. Rechtlich sei das in Ordnung, doch solch ein massiges Gebäude passe nicht in so eine Straße. „Es gibt Anzeichen, dass hier in der Siedlung noch zwei solche Gebäude geplant sind“, sagt Rüger. Das soll verhindert werden. Deshalb haben er und andere Bürger Unterschriften für eine Bebauungsplanänderung gesammelt. Die 87 Anwohner fordern die Stadt auf, den B-Plan zeitnah zu ändern.
„Wer mit offenen Augen durch Wildeshausen läuft, der registriert unzählige sich wie Krebsgeschwüre ausbreitende zweigeschossige Wohnklötze, die überall die gewachsenen Wohnstrukturen zerstören“, sagt Rüger. Das veranlasst nun auch das Wohnviertel zwischen Kornweg und Haferweg, zwischen Am Weizengrund und Bürgermeister-Müller-Bargloy-Straße sowie Immenthun zum Widerstand.
Häuser müssen passen
Rüger und seine Mitstreiter befürchten, dass sich Wildeshausens „sozialer Brennpunkt“ in der benachbarten Hermann-Ehlers-Straße und Gisbertzstraße weiter ausbreitet, wenn in ihrer Einfamilienhaussiedlung neue Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Durch den Neubau und möglicherweise weitere zweigeschossige Gebäude werde der Charakter ihrer Einfamilienhaussiedlung zerstört. Und wegen der „wirklichkeitsfremden Ausweisung“ von nur 1,5 Einstellplätzen je Wohnung sei zu erwarten, dass die ganze Gegend zugeparkt wird. Gerade der Ausbau des Haferweges könne diese zu erwartenden Fahrzeugzahlen keinesfalls aufnehmen.
„Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von Wohnraum“, so Rüger. „Die vorhandenen drei Vierfamilienhäuser an der Bürgermeister-Müller-Bargloy-Straße sind ein Musterbeispiel dafür, wie sich derartige Mehrfamilienhäuser verträglich in ein Wohngebiet einpassen lassen.“ Das gleiche gelte für ein Reihenhaus im Haferweg. Diese Objekte machten deutlich, wie sich eine Verdichtung zum Zwecke der Wohnraumschaffung nahezu mit gleichem Flächenbedarf bewerkstelligen lasse, ohne auf eine die vorhandenen Nachbargrundstücke massiv entwertende zweigeschossige Bauweise zurückgreifen zu müssen.
Da derartige Bauweisen ebenfalls wirtschaftlich zu errichten seien, sei es den Grundstückseigentümern ohne Weiteres zuzumuten, sich auf eine eingeschossige Bauweise zu beschränken. Der kommunalpolitisch gewollte Ausbau des sozialen Wohnungsbaues könne nach Ansicht der verärgerten Anwohner auch so verträglich bewerkstelligt werden.
Ganze Stadt anschauen
Da das Thema Wohnraumverdichtung wohl fast überall in Wildeshausen unter den Nägeln brenne, fordert Hans Rüger die übrigen Wohngebiete auf, sich in dieser Frage mit der Initiative zu vernetzen und großräumig Widerstand zu leisten. Es könne nicht sein, dass die verfehlte Zinspolitik vermögende Bürger ohne Rücksicht auf die Wohnumfelder ins „Betongold“ treibt.
