Wildeshausen - Die „Herrlichkeit“ an der Hunte ist eine Top-Adresse in Wildeshausen. Die dort gerade von der Polizei geräumten denkmalgeschützten Gebäude sind hingegen alles andere als top. Davon konnten sich jetzt Vertreter der FDP-Ortsverbandes ein Bild machen, als sie sich von Frank Gravel (Polizei) durch die Gebäude Herrlichkeit Nr. 9, 11 und 15 führen ließen. „Ein Fass ohne Boden“, kam es Ratsherr und Bürgermeisterkandidat Marko Bahr über die Lippen. In der Tat: Selbst ein Laie erkennt, dass viel Geld erforderlich ist, um diese Gebäude von 1895 (ehemalige Gehörlosenschule), 1897 (ehemaliges Amtsgericht) und 1908/1909 (ehemaliges Wachtmeister-Gebäude) zu sanieren und modernisieren.
Interessen von Investoren
Doch es gibt offenbar Interessenten. Nach Angaben von Gravel haben Architekten und Planer schon zu Zeiten, als die Polizei noch an der Herrlichkeit ansässig war, die Gebäude unter die Lupe genommen. Ähnliches ist aus dem Stadthaus zu hören. „Bei der Stadtverwaltung haben sich einige Interessenten erkundigt“, sagt Baudezernent Manfred Meyer. Sie hätten natürlich wissen wollen, was bauleitplanerisch möglich ist. Die Stadt, die selbst kein Interesse an den Gebäuden hat, besitzt aber die Planungshoheit.
Derzeit sind die Flächen als Gemeinbedarf mit der Zweckbestimmung Polizei bzw. Schule festgesetzt. Meyer ist überzeugt, dass es Gebote für einzelne Immobilien geben wird, wenn das Land Niedersachsen die Gebäude versteigert. Das soll geschehen, sobald die aktuellen Wertgutachten vorliegen. Verkauft werde soll ein weiteres ehemaliges Polizeigebäude an der Heemstraße 72. Das Wohnhaus aus dem Jahr 1940 steht nicht unter Denkmalschutz.
Nach Ansicht der FDP hätte längst ein Konzept für die Nachnutzung der ehemaligen Polizeigebäude vorliegen können. Schon 2017 hatten die Liberalen im Rathaus ein Antrag zur Prüfung möglicher Nachnutzungen gestellt. Doch der wurde abgelehnt. Vor Monaten hatte die Stadt einen Ideenwettbewerb auf den Weg gebracht, wie die Zukunft im ältesten Teil von Wildeshausen neben Alexanderkirche, Hunte und „Altem Amtshaus“ aussehen könnte. „Die Änderung des Bebauungsplans dauert ein Jahr“, erklärte Immobilienmakler und Bauträger Helmut Müller, der zurzeit nicht dem Rat angehört, aber erneut kandidiert. Ein Investor wolle rechtzeitig wissen, was er darf und was nicht.
Beim dritten Versuch
Möglicherweise läuft es an der Herrlichkeit ja wie mit der Villa Knagge. Der erste Versuch mit einem Brauhaus samt Gastronomie scheiterte am Umfeld. Der nächste Investor stieß mit seinen Plänen bei der Stadt auf wenig Gegenliebe. Der dritte Investor, eine Rechtsanwaltskanzlei, scheint Erfolg zu haben. Die Stadt ändert den Bebauungsplan nach seinen Wünschen.
Die Villa Knagge, ebenfalls ein denkmalgeschütztes Gebäude, steht aber inzwischen seit fünf Jahren leer. Für die Gebäudesubstanz ist das bestimmt nicht förderlich. Gleiches gilt sicherlich für die Häuser an der Herrlichkeit.
