Wildeshausen - Zwei Herrschaften in Biedermeier-Kleidung stehen plaudernd oberhalb der Hunte, hinter ihnen geht der Blick weit über Fluss und Wiesen zu zwei Häusern – eines davon steht noch heute am Huntetor in Wildeshausen und ist bekannt als „Villa Hoffmannshöhe“. Entstanden ist diese Tuschezeichnung Mitte des 19. Jahrhunderts, damit ist sie „eine der frühesten Stadtansichten“, schätzt Bernd Oeljeschläger. Entdeckt hat der Vorsitzende des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen das kleine, bunte Bild in einem Poesiealbum, das einst Marie Hoffmann (1834-1864) gehörte, der Tochter des Erbauers dieses Hauses.
Fotos und Dokumente
Dieses und ein weiteres Poesiealbum aus der Zeit um 1860 herum sowie zahlreiche Fotos und Dokumente aus dem Besitz der Familie Hoffmann hat der Bürger- und Geschichtsverein jetzt von Ele Fuchs-Meyer erhalten, einer Nachfahrin des weitverzweigten Familienstamms der Hoffmanns. Sie lebt ebenso wie Oeljeschläger in Berlin und nahm vor einiger Zeit Kontakt zu ihm auf. „Wir haben uns dann getroffen und ich habe mir das Material angesehen“, erzählt Oeljeschläger. Und er war sogleich begeistert: „Ein tolles Zeugnis des gesellschaftlichen Lebens in der Mitte des 19. Jahrhunderts“, sagte er am Mittwoch bei der Vorstellung der Dokumente, die jetzt ins Archiv des Vereins übergehen und im Keller des Musikschulgebäudes an der Burgstraße ihren Platz finden werden. Bei Interesse können sie dort eingesehen werden.
1841 eingezogen
Die Familie Hoffmann und ihre Villa spielen eine besondere Rolle in der Wildeshauser Stadtgeschichte. Das vom Leitenden Vermessungsbeamten Christian Ludwig Hoffmann (1794-1861) erbaute Gebäude im Stil des Oldenburger Klassizismus war das erste Wohngebäude vor den Toren der Stadt. 1841 wurde es bezogen von der Familie, die wohlhabend und kultiviert war – das bezeugen Poesiealben und Familienfotos: „Solche Aufnahmen ließen in den Anfangsjahren der Fotografie nur Vermögende von sich machen“, weiß Oeljeschläger, der selbst Historiker ist.
Langer Leerstand
Zu den Dokumenten gehört auch ein umfangreicher Stammbaum der Familie Hoffmann, später Fuchs, die ihr Haus ab den 1920er-Jahren auch immer wieder vermietete. Unter anderem wohnte dort der bekannte Lehrer Bernhard Behrends. Ele Fuchs-Meyer verbrachte in den 1960er-Jahren mehrfach die Ferien bei ihrer Großtante in dem Haus am Huntetor. Danach stand das Gebäude lange leer, ehe es von der Erbengemeinschaft 2008 an eine Familie aus dem Rheinland verkauft wurde.
Der Bürger- und Geschichtsverein nimmt die Schenkung zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass er weiterhin gern historische Unterlagen aus Nachlässen entgegennimmt. Im Archiv ist noch viel Platz.
