Wildeshausen - „Deine Fliege sitzt schief!“ Der 22-jährige Alexander Dellwisch rückt nach dem Hinweis seines Großvaters schnell die Krawattenschleife zurecht. Denn auch wenn das Gildefest coronabedingt in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge nicht gefeiert werden kann, sollte die Kleidung doch korrekt sitzen. Drei Generationen mit Frack und Zylinder feiern an diesem Pfingstdienstag an einem Tisch das Fest, das sie seit Jahrzehnten verbindet. Auch ohne Musik, Ausmarsch und Königsschießen.
Kneipen und Oldiefest
Mit Bier und Kaffee sitzen sie vor dem Restaurant Zorbas am Marktplatz. „Seit es das ,Zorbas’ gibt, ist das hier der Dellwische Vorgarten“, scherzt Stephan Dellwisch. Seit mehr als 40 Jahren gehört der 61-Jährige der Gilde an, Vater Walter seit mehr als 70 Jahren. „Wir sind hier alle geboren und aufgewachsen – und mit 18 so schnell wie möglich der Gilde beigetreten“, erzählt er. Vater Walter, 90 Jahre alt, ist vor mehr als 30 Jahren zum „Regimentsbarbier“ ernannt worden. Wie sie das Gildefest heute empfinden? „Es ist unpersönlicher geworden“, sagt Stephan Dellwisch. Früher seien die Besucherinnen und Besucher zwischen den vielen Kneipen umhergegangen, „in den 70ern hatten wir über 30 Kneipen innerhalb der Stadtgrenze“, heute tummelten sich die Menschen vorwiegend auf dem Marktplatz. „Das Gildefest wird vermarktet.“
Ein Auftakt mit Mickie Krause auf dem Gildeplatz? Die Dellwischs bevorzugen, den „Pfingst-Heiligabend“ anders zu feiern. Für sie geht es zur Oldie-Party der Königskompanie, „von abends 10 bis morgens um 5“, erzählt Stephan Dellwisch. „Freundeskreis, Grillen, Oldieparty, Zusammensein“ mache die traditionelle Veranstaltung für die Familie aus.
Fast König geworden
Während sich Walter Dellwisch daran erinnert, dass das Königsschießen in seiner Jugend noch mit einer Armbrust ausgerichtet wurde, hat Enkel Alexander seinen ersten Ausmarsch vor wenigen Jahren noch vor Augen: „Einfach toll, das erste Mal dabei zu sein.“ Sein Vater Stephan erinnert sich gern an das Jahr 2003 zurück, in dem die Gilde 600-jähriges Bestehen feierte, „da wäre ich fast König geworden“.
„Jetzt am Sonntag habe ich auf der Burgwiese ein schönes Feuerwerk gemacht“, ergänzt er: Er stellte eine Feuerwerksbatterie auf. Zusätzlich platzierten sich dort Peter Petersen und Thomas Schwoll. Die Gilde- und Spielmannszugsmitglieder zündeten Bengalos. Am Dienstag folgten für die beiden die nächsten Punkte in der Fest-Reihenfolge: Mit Plüschpferd und Gilde-Pappkameraden trafen sie sich zum „Schabernack“ auf der Herrlichkeit. Am Nachmittag marschierten sie mit Musik und Trommeln Richtung Krandel.
