Wildeshausen - Irma Hamann hatte als Glasbläserin gearbeitet. Dann ist sie berufsunfähig geworden. Eine Möglichkeit, solche Schicksalsschläge aufzuarbeiten, sind Selbsthilfegruppen. „So etwas ist mir damals leider nicht empfohlen worden“, bedauert die 57-Jährige. Seit Anfang dieses Jahres beschäftigt sie sich mit solchen Gruppen – und sieht deren Vorteile.
Sie ist für die Selbsthilfekontaktstelle für den Landkreis Oldenburg zuständig, die vor einem Jahr von der Kreisverwaltung an die Freiwilligenagentur Misch mit übertragen wurde.
Mitglieder finden
„Das ergibt Sinn: Selbsthilfe ist ja auch Ehrenamt“, sagt Hamann, die seit 2017 für „Misch mit“ tätig ist. Drei Fortbildungen absolvierte sie bisher, um zu beraten, zu unterstützen und zu vernetzen. Jetzt zieht sie Bilanz: „Ich bin sehr zufrieden und bin sehr erstaunt, was alles gelaufen ist.“
An der Gründung von zwei Gruppen war sie in diesem Jahr beteiligt: für Eltern von Kindern mit Hirnschädigung und von Kindern mit psychischen Erkrankungen. Dass solche Themen speziell sind, ist Hamann bewusst: „Es dauerte lange, Mitglieder zu finden.“
Die rund 40 bestehenden Selbsthilfegruppen mit je vier bis 15 Mitgliedern lernte Hamann jetzt nach und nach kennen. Autismus sei ein Thema, Diabetes, Behinderung. Eine Liste möchte sie noch auf die Homepage stellen (www.mischmit.org/beratungs-selbsthilfe).
Die Gründung einer Selbsthilfegruppe sei simpel, sagt Hamann. „Schwierig ist es, Mitstreiter zu finden. Das größte Hindernis ist momentan, Räume zu finden“, sagt sie mit Blick auf die Corona-Situation.
Wer eine Gruppe gründen möchte, wendet sich an sie. „Wir starten einen Aufruf. Dann warten wir ab.“ Unterstützung gibt es auch, wenn Selbsthilfegruppen bei Krankenkassen einen Antrag auf Förderung stellen wollen: beispielsweise, um laufende Kosten oder eine Vortragsveranstaltung finanzieren zu können.
Zudem vermittelt die Wildeshauserin Hilfesuchende in passende Gruppen – oder andere Anlaufstellen. Dies laufe meist telefonisch und mithilfe eines Fragebogens ab. Anfang des Jahres habe es viele Anfragen wegen Depressionen gegeben, „das hat jetzt nachgelassen“. Hamann und ihre Kollegen vermuten, dass Corona dabei eine Rolle spiele.
Sensible Themen
Viele Menschen würden zudem nicht im Wohn-, sondern im Nachbarort nach Selbsthilfegruppen suchen. „Besonders bei sensiblen Themen.“ Die Kontaktstellen stünden miteinander in Kontakt. „Da gibt es keine Revierkämpfe. Es geht um die Menschen und wo sie am besten unterkommen.“
Treffen und Vorträge möchte die Kontaktstelle in Zukunft organisieren. Zudem ist die Einrichtung einer Gruppe für Menschen geplant, die mit den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung kämpfen (Long Covid).
Zu erreichen ist die Kontaktstelle, am Mühlendamm 1 in Wildeshausen, montags, mittwochs, donnerstags von 10 bis 12 Uhr, dienstags von 16 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung: Tel. 04431/7097585.
