Wildeshausen - Das Brennereimuseum ist für die Kulturmeile in Wildeshausen verloren. Das ist die Quintessenz eines Schreibens der Eigentümerfamilie Kolloge an die Mitglieder des Museumsvereins. Grund ist die mangelnde finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand für das Baudenkmal. Dem Museumsverein droht damit die Auflösung.
Der Stadtrat hat zwar im Dezember eine institutionelle Förderung in Höhe von 4500 Euro jährlich für fünf Jahre beschlossen. Dieser Zuschuss ist nach Darstellung von Birte Hogeback (Stadtverwaltung) für die laufenden Kosten vorgesehen. Renovierungsarbeiten dürften davon nicht bestritten werden.
Geld für Betriebskosten
Brennerei-Eigentümer Karsten Kolloge hat sich die Kulturförderrichtlinie genau angeschaut und kommt zu dem Ergebnis, dass dem Museumsverein mit dem städtischen Zuschuss nicht geholfen wäre. Denn wenn die 4500 Euro in einem Jahr für Betriebskosten nicht verbraucht seien, dürften sie auch nicht für größere Maßnahmen auf die hohe Kante gelegt werden, sondern müssten an die Stadt zurückgezahlt werden.
Das nächste Problem: Der Verein müsse erst einmal seine eigenen Reserven aufbrauchen, um die Chance auf einen Zuschuss, zum Beispiel für einen Anstrich des Gebäudes, zu bekommen. „Mit einer solchen Konstruktion ist der Satzungszweck des Vereins, die Brennerei-Anlage als Museum sicherzustellen, nicht zu erreichen“, sagt Kolloge. „Vor diesem Hintergrund scheidet für mich die Möglichkeit, nach Auslaufen des alten Mietvertrages einen neuen abzuschließen, aus.“
Das Brennereimuseum an der Wittekindstraße ist Teil des historischen Quartiers von Wildeshausen. Seit 1982 kann in der einstigen Dampfkornbranntweinbrennerei auf fünf Etagen erfahren werden, wie Alkohol produziert wurde; 800 Besucher tauchen jedes Jahr in die Geschichte ein. Der Museumsverein bietet ferner Ausstellungen, Lesungen und Konzerte an. Jedes Jahr beteiligt sich der Verein am Tag des offenen Denkmals.
Das Brennereimuseum komme im Vergleich zu anderen Museen mit einem geringen Etat aus. „Im Jahr sind 10 000 Euro erforderlich“, sagt Kolloge. Neben der Stadt habe der Verein auch beim Landkreis einen Zuschussantrag in Höhe von 4500 Euro gestellt. Die politischen Gremien würden sich damit aber erst im Frühjahr beschäftigen, sei mitgeteilt worden. Auch ob dieser unsicheren Situation wolle die Eigentümerfamilie keinen neuen Mietvertrag abschließen. Der hatte seit 1982 Bestand und beinhaltete einen symbolischen Pachtpreis. Ein neuer Vertrag wäre nur zustande gekommen, wenn sich Stadt und Kreis adäquat an den Museumskosten beteiligt hätten. Dazu gehörten auch notwendige Investitionen.
Geringes Vereinsbudget
Dass der Museumsverein mit einem geringen Budget auskommt, so Kolloge, liege am ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder. Die anfallenden Kosten hätten sich der Verein und die Eigentümerfamilie bislang geteilt. Die Einnahmen von etwa 5000 Euro im Jahr stammten aus Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die Ausgaben seien ähnlich hoch.
Zudem sei die Eigentümerfamilie viele Stunden im Jahr unter anderem als Reinigungskraft und Handwerker tätig gewesen – „weil mir das Brennereimuseum am Herzen liegt“, betont Kolloge. Das könne er von der nächsten Generation nicht erwarten.
