Wildeshausen/Landkreis - Meter um Meter sorgt für Kilogramm um Kilogramm: Die Rede ist von den schwarz-weißen Folienbahnen, durch die im Frühjahr der Spargel oder die Erdbeerpflänzchen geschützt werden. Und die auch Maissilage abdecken sowie Heu- und Strohballen umwickeln. Sind diese Bahnen eigentlich wiederverwendbar? Aus welchem Material bestehen sie? Und hat Corona einen Einfluss auf die Beschaffung gehabt?
Spargelhof Mahlstedt
Einer, der es wissen muss, ist Glenn Mahlstedt vom Spargelhof Mahlstedt in Wildeshausen. Gerade heute geht die diesjährige Ernte zu Ende. Seit gut 15 Jahren nutzt die Familie die schwarz-weißen Bahnen. „Diese Folien sind kein Verschleißprodukt“, schickt Mahlstedt vorweg. Eine Anlage für den Spargel sei ausgelegt auf etwa zehn bis zwölf Jahre. „Und so lange halten die Folien bei uns auch.“ Bestellt werden die schwarz-weißen aus Polyethylentypen hergestellten Folienbahnen genau auf Maß für die jeweiligen Spargelreihen.
Glenn Mahlstedt überschlägt grob: „Auf einem Hektar Fläche liegen bei uns zusammengerechnet um die fünf Kilometer Folie.“ An den Seiten sind die Kunststoffbahnen verschweißt und einmal umgeschlagen. „Da können wir Erde einfüllen und das umkrempeln. So fliegen sie auch bei Wind nicht weg“, geht Mahlstedt ins Detail. Eine Maschine hilft dabei, die Bahnen anzuheben, um ernten zu können. Und falls mal ein Folienstück ausgetauscht werden muss? „Die Anbauverbände haben sich mit Entsorgern zusammengetan, die dieses Material wiederverwenden“, weiß der Spargelbauer. Positiver Nebeneffekt: „Wir haben, seit wir mit Folien anbauen, sehr viel weniger Einsatz von Insektiziden oder Pflanzenschutzmitteln“, so Mahlstedt.
Milchviehbetriebe
Anders sieht das aus bei Folien, die für Silageballen verwendet werden, wie Thale Luisa Meyer vom Kreislandvolkverband Oldenburg mitteilt: „Die Folien für Silagen werden jedes Jahr neu gekauft. Das ist wichtig, da sonst Schimmelkeime ins Futter gelangen würden.“ Es gebe aber inzwischen Forschungen, um den Einsatz der Folien zumindest bei der Maissilage einzugrenzen. Das sei nicht nur in puncto Nachhaltigkeit wichtig: „Dieses Jahr sind die Folien aufgrund des Rohstoffsmangels bis zu 30 Prozent teurer.“
Landkreis Oldenburg
Und wohin mit den Folien, wenn sie ihren Dienst getan haben? „Wenn eine Entsorgung ansteht, können wir die Folien auf der Müllumschlagstation in Neerstedt annehmen. Wenn man allerdings die Wiegestatistik auswertet, gibt es keine relevanten Mengen, die bei uns ankommen“, erklärt Tobias Bruns von der Abfallberatung des Landkreises Oldenburg. Unterschieden werde in sauberes und verunreinigtes Material.
Firma Bohmann
Auch die Firma Bohmann nimmt ausgediente landwirtschaftliche Folien an, wie der operative Betriebsleiter der Bohmann-Gruppe, Moritz Bruns, ergänzt. In 2020 waren es aus dem Landkreis Oldenburg zusammengerechnet 20 Tonnen. „Das sind meist Agrarfolien“, wie Bruns spezifiziert, die Spargelfolie wird ja häufiger benutzt. Der Entsorgungsbetrieb kooperiert für das Recycling mit einer Firma aus Schleswig-Holstein. Die AFA Nord GmbH recycelt jährlich rund 24.000 Tonnen gebrauchte Agrar- und Verpackungsfolien und produziert daraus sogenannte Regranulate – aus denen dann erneut Agrarfolien hergestellt werden.
„Aber die Lebensdauer ist begrenzt, ich kann ein Material nicht unendlich oft wiederverwerten“, grenzt Bruns ein. Dennoch sei es ein Gewinn, wenn zumindest große Anteile vier- oder fünfmal zur Wiederverwertung kämen.
