Wildeshausen - Eine Schlange, und das mitten in der Wildeshauser Innenstadt – dieser Anblick bot sich am Sonntag Wolfgang Ramke, als er seinen Garten an der Schulstraße in der Nähe des Stadtwalls betrat. Dort lag eine Ringelnatter, Auge in Auge mit „Krümel“, dem Kater des Wildeshausers. „Wir haben schon viele Tiere bei uns im Garten gehabt, aber eine Schlange haben wir hier noch nie gesehen“, erinnert sich Ramke. In der Vergangenheit hätten sich zum Beispiel Eichhörnchen, Igel, Buntspechte oder Gimpel blicken lassen.
„Ich habe erstmal unseren Kater ins Haus gebracht, denn man kann ja nie wissen: Beißt er die Schlange tot, oder greift sie ihn an? Und ich war mir nicht sicher, ob die Schlange giftig ist.“ Später habe er recherchiert und sie als ungiftige Ringelnatter identifiziert.
Keine Gefahr
Wilfried Vogel, „Schlangen-Experte“ vom Naturschutzbund (Nabu) aus Hatten, gibt Entwarnung: Nicht nur, dass die Tiere ungiftig sind, durch ihre Größe (die Weibchen werden rund 1,20 Meter lang) wäre ein Biss in der Regel auch für kleine Kinder und Haustiere nicht gefährlich.
Auf der Roten Liste des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (aktuellste Fassung aus 2013) werden die Tiere als gefährdete Art geführt. Für Ramke war es zwar die erste Begegnung mit einem der Tiere, aber in Gärten – auch in der Stadt – seien Ringelnattern gar nicht so selten, so Vogel. „Es ist natürlich immer ein Erlebnis“, sagt er. Auch im eigenen Garten am Stadtrand von Oldenburg und in den Gärten der Nachbarn habe er schon Ringelnattern beobachten können.
Lebensraum knapp
„Es sind Schlangen, die sich gern in Gewässernähe aufhalten“, sagt Vogel. Sie ernähren sich vor allem von Fröschen und Kröten. „Gartenteiche sind mittlerweile wichtige Ersatzbiotope geworden.“ Die kleinen Tümpel oder Feuchtwiesen, wo die Schlangen sonst zu finden seien, kämen in der Natur immer seltener vor.
Es liegt also nahe, dass die Ringelnatter in Ramkes Garten durch den Gartenteich oder aber die warmen Steine auf der Terrasse angelockt wurde. „Nach meiner Erfahrung werden sich die Tiere da nicht lange aufhalten“, sagt Vogel. „Es wird nicht vorkommen, dass sich eine Schlange stundenlang an die gleiche Stelle legt.“ Wenn die Sonne weiterziehe, würden die Tiere das in der Regel auch tun.
Auch die Besucherin in Ramkes Garten schlängelte nach kurzer Zeit wieder von dannen – wahrscheinlich zurück auf den Wall, vermutet der Wildeshauser.
