Wildeshausen/Hannover - Mehr als zwei Millionen Euro hat das Land Niedersachsen durch den Verkauf der ehemaligen Polizei-Liegenschaften an der Herrlichkeit in Wildeshausen erlöst. Am Donnerstagabend stand im Landtag in Hannover die Veräußerung des größten Gebäudes, der Immobilie Herrlichkeit 9, auf der Tagesordnung. Die anderen Immobilien bedurften nicht der Zustimmung, da sie unter der dafür nötigen Wertgrenze liegen.
Drei Bieterrunden
Das Polizeikommissariat für den Landkreis Oldenburg hatte den Standort an der Herrlichkeit im vergangenen Sommer verlassen und das neue zentrale Dienstgebäude an der Daimlerstraße bezogen. Das Landesamt für Bau und Liegenschaften Oldenburg suchte dann im Auftrag des Landes im Rahmen eines Bieterverfahrens nach Käufern – und fand sie nach insgesamt drei Bieterrunden bis Ende des Jahres. Alle drei Gebäude wurden offenbar von der Hölzen Wohnbau GmbH (Oldenburg) erworben. Das Unternehmen war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Für die Liegenschaft Herrlichkeit 9, die einstige Gehörlosenschule, in der die Polizei seit den 80er-Jahren ansässig war, erhielt das Landesamt bereits in der zweiten Bieterrunde von der Hölzen GmbH ein Höchstgebot von 1,005 Millionen Euro.
Dem Verkauf zu diesem Preis – fast das Doppelte des von Gutachtern festgelegten Verkehrswertes von 545 000 Euro – wurde in der Plenarsitzung am Donnerstag auf Vorschlag von Finanzminister Reinhard Hilbers (CDU) zugestimmt. Die Immobilie umfasst neben dem 1895 erbauten früheren Schulgebäude ein 3400 Quadratmeter großes Grundstück und eine ehemalige Turnhalle.
Haus und Halle stehen unter Denkmalschutz – wie auch die anderen beiden Gebäude, die von der Polizei geräumt wurden. Die sogenannte „alte Schließerei“ in der Herrlichkeit 11 war 1909 erbaut worden, damals schon für die Zwecke der Polizei. Hierfür hatte das Landesamt einen Verkehrswert von 365 000 Euro aufgerufen – verkauft wurde das Gebäude nun für 621 000 Euro. Und das 1897 erbaute alte Amtsgericht, Herrlichkeit 15, wurde anfangs für 280 000 Euro angeboten und bringt dem Land jetzt 423 793 Euro ein.
Gespräch steht bevor
Welche Nutzungsmöglichkeiten die neuen Eigentümer für die denkmalgeschützten Häuser anstreben, haben sie öffentlich noch nicht verlauten lassen. Auf jeden Fall müssen alle Gebäude aufwendig saniert werden. Dem Vernehmen nach sind Wohnungen sowie Büro- oder Praxisräume in den Erdgeschossen geplant. Dafür müsste die Stadt Wildeshausen den Bebauungsplan, der zurzeit öffentliche Einrichtungen und Polizei zulässt, wohl ändern.
Die Verwaltung sei bereits an die neuen Eigentümer herangetreten, sagte Stadtsprecher Hans Ufferfilge am Donnerstag. Unter Beteiligung von Bürgermeister Jens Kuraschinski solle nun zeitnah ein Gespräch stattfinden und dann auch die Politik eingebunden werden.
