Wildeshausen - Das Judentum vermitteln – für die Lehrerinnen und Lehrer der Realschule Wildeshausen eine wichtige Aufgabe. Damit das klappt, hat der Wildeshauser Bodo Gideon Riethmüller von der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg der Schule am Donnerstag jüdische Insignien für den Religionsunterricht überreicht. Zur Dauerleihgabe zählen unter anderem 25 Kippot, Kopfbedeckungen für männliche Juden. Diese können zum Beispiel bei einem Besuch des jüdischen Friedhofs in Wildeshausen aufgesetzt werden, diesen dürfe man nämlich nicht ohne Kopfbedeckung besuchen, erzählt Riethmüller. Für den Lehrkörper der Schule ist das etwas ganz Besonderes: „Wir freuen uns über Dinge zum Anfassen, um den Umgang mit dem jüdischen Glauben greifbarer zu machen“, so Schulleiter Jan Pössel.
Partner seit langem
Die Partnerschaft zwischen der Realschule und der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg bestehe schon einige Jahre. Riethmüller sei im Rahmen des Holocaustgedenktages auf die Schule zugekommen. Seitdem gebe es viele praktische Exkursionen, erzählt Christian Langfermann, Fachbereichsleiter der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften. So besuche jede neunte Klasse einmal die Gedenkstätte Bergen-Belsen und auch die Pflege des jüdischen Friedhofes gehöre zum Unterricht dazu. Nun habe Langfermann bei Riethmüller für neue Unterrichtsmaterialien angefragt. Dieser habe sich dann darum gekümmert, die Insignien zusammenzutragen. Das macht er mit großer Freude: „Wir haben eine Patenschaft für diese Schule und da sind wir beiderseits verpflichtet, etwas füreinander zu tun“.
Dinge mit Bedeutung
Viele der Gegenstände stammen vom Landesverband der jüdischen Gemeinden. Neben verschiedener Literatur hat Riethmüller mehrere Gebetsschals mitgebracht, Tallit genannt. Auch zwei Kerzenleuchter zählen jetzt zu dem Bestand der Schule: eine Menora und ein Channuka-Leuchter, welcher nur anlässlich des jüdischen Lichterfestes angezündet werden darf. Der Torazeiger sei ein weiteres wichtiges Instrument im Judentum, denn nur damit wird auf die Tora gezeigt. Die jüdische Schrift dürfe nicht mit den Händen berührt werden, so Riethmüller. Aber das sei noch nicht alles – auch eine Torarolle soll in den Bestand der Schule wechseln. „Das ist mehr, als wir uns vorgestellt haben“, sagt Pössel – da sind sich die Lehrenden einig.
Akzeptanz fördern
Dass in der Schule so ausführlich über die jüdische Religion gelernt wird, bedeute Riethmüller viel. Auch Lehrerin Stephanie Schoe zeigt sich begeistert über die neuen Unterrichtsmaterialien. Sie hofft, damit Vorurteilen gegenüber der jüdischen Religion entgegenzuwirken. „Das ist auch hilfreich und nützlich, wenn das Thema durch Vorfälle aktuell wird“, sagt Schulleiter Pössel, „wir bauen Berührungsängste ab und tragen mittelfristig dazu bei, Akzeptanz und Toleranz zu fördern“.
