Wildeshausen - Mit Nachdruck hat der Ausschuss für Stadtplanung, Bau und Umwelt am Dienstagabend die Stadtverwaltung beauftragt, die Möglichkeiten zur Raumbelüftung in Wildeshauser Schulen und Kindergärten zu prüfen. „Es ist fünf vor zwölf“, warnte CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Sasse mit Blick auf eine mögliche vierte Corona-Welle, die im Herbst wieder zu Schul- und Kita-Schließungen führen könnte. „Wir wissen nicht, was mit Delta auf uns zukommt“, sagte SPD-Fraktionschef Stephan Diekmann in Sorge vor der hochansteckenden Virus-Variante, die auch hierzulande vermehrt grassiert.
Antrag der SPD
Die SPD hatte das Thema mit einem Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung gebracht: Mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht und dem Normalbetrieb in den Kitas steige die Infektionsgefahr, argumentierte die Fraktion. Raumlufttechnische Anlagen könnten zu mehr Schutz vor einer Ansteckung beitragen. Die Verwaltung möge prüfen, ob und in welchen Räumen sie einsetzbar wären und welche Förderungsmöglichkeiten es gibt. Wie die Verwaltung darauf in der Sitzungsvorlage reagierte, nannte Diekmann „irritierend“ und „stutenbissig“.
Kosten errechnet
Die Vorlage geht zunächst auf das Förderprogramm des Bundes für öffentliche Gebäude ein: Danach werden stationäre raumlufttechnische Anlagen mit 80 Prozent der Kosten bezuschusst – allerdings gilt dies nur für Klassenräume, in denen Kinder bis zwölf Jahre, für die bisher keine Impfung vorgesehen ist, unterrichtet werden. Für die 144 betreffenden Räume in den städtischen Schulen und Kitas wurde ein Kostenaufwand von 1,8 Millionen Euro errechnet. Der Eigenanteil der Stadt in Höhe von 20 Prozent würde dann 360 000 Euro betragen.
Offene Fragen
Aus Sicht der Stadt ist in allen Schulräumen und mit Einschränkungen auch in den Kitas regelmäßiges Lüften möglich. Gleichwohl werde man die Möglichkeiten zur technischen Unterstützung jetzt genau prüfen, sagte Bauamtsleiter und Stadtsprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage. Allerdings sei die gerade erst vom niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne angekündigte Förderrichtlinie auch für mobile Lüftungsanlagen noch nicht in Kraft. Der Wirkungsgrad solcher Anlagen sei fraglich und der logistische Aufwand groß. Schließlich müssten auch Wartungs- und Folgekosten bedacht werden. „Das ist nicht mal so eben mit einem Federstrich gemacht“, gab Ufferfilge zu bedenken.
Ähnlich auf Kreisebene
Ähnlich zurückhaltend wie die Stadt Wildeshausen hatte sich auch schon der Landkreis gezeigt, als im Juni der Schul- und Kulturausschuss des Kreistages – ebenfalls auf Antrag der SPD – über die Möglichkeit zur Installation von Lüftungsanlagen in Schulen diskutierte. Doch auch hier ließ die Politik sich nicht beirren: Die Kreisverwaltung erhielt den Auftrag, eine Übersicht und ein Konzept für die Ausstattung der Schulen des Kreises mit Lüftungstechnik vorzulegen. Das soll bis zum 4. Oktober geschehen. Die Schule beginnt schon wieder am 2. September.
