Wildeshausen - Was wie ein gewöhnlicher Jugendaustausch begann, endet nun in einem Lebensverändernden Ereignis: Die 19-jährige Bruna Guandanucci Bissoli aus Brasilien bekommt in wenigen Tagen in Wildeshausen eine neue Beinprothese.
Der Rotary Club Wildeshausen übernimmt 2800 Euro der insgesamt 4800 Euro teuren Prothese. Die Psychologiestudentin kam nur mit einem Bein auf die Welt und trug lange Prothesen, die nicht geeignet waren. 2016 lebte sie sieben Wochen im Zuge des Rotary Jugendaustausches bei der Wildeshauserin Madeleine Marowsky und ihrer Familie. Eine enge Freundschaft entstand, die bis heute sogar noch wuchs. Gerührt von Brunas Schicksal, leitete ihre Gastmutter Anja Marowsky alles Erforderliche in die Wege, um der 19-Jährigen eine geeignete Prothese zu ermöglichen. „Ich habe selten einen jungen Menschen kennengelernt, der mich so berührt hat“, sagt Marowsky. Vor allem ihr Mut und ihre lebensbejahende Einstellung habe die Familie beeindruckt. Nach Brunas Besuch sei für Marowsky klar gewesen: „Ich will ihr helfen.“
Diese Hilfe kommt nun zu einem großen Teil von den Wildeshauser Rotariern. „Wir hoffen, durch diese Gemeinschaftsaktion das Leben von Bruna nachhaltig zu verbessern“, sagt Martin Vogelsang, Präsident des Rotary Clubs Wildeshausen.
Das linke Bein reicht Bruna nur bis zum Oberschenkel. „Ich habe als Kind eine Holzprothese getragen, aus der wuchs ich jedoch schnell heraus“, erzählt sie auf Englisch. Die nächsten Prothesen bestanden aus immer Materialien, die Bruna nicht vertrug. „Ich habe es immer wieder versucht, aber es war sehr schwierig“, erinnert sie sich. Oft habe sie Ausschläge bekommen, musste Monate im Krankenhaus verbringen. In ihrer Heimatstadt Presidente Prudente (gehört zu Sao Paulo) fand sie keine Möglichkeit, eine geeignete Prothese zu finanzieren.
Eine wirkliche Chance, um Bruna ihren Traum, auf zwei Beinen durchs Leben gehen zu können, zu erfüllen, sah die Gastfamilie nur durch Spenden realisierbar. 500 Euro zur neuen, verträglichen Prothese spendete die Getränkefirma Zisch. 400 Euro steuerte die katholische Kirche bei, zudem gab es anonyme Spenden sowie einen Spendenaufruf, der weitere 720 Euro zusammenbrachte.
Beim Sanitätshaus Meiser und Bohmhoff wird Brunas alte Prothese nun umgebaut– mit einem Material, auf das Bruna nicht allergisch reagiert. Noch gerade rechtzeitig wird diese wohl zu ihrem Rückflugtermin am 3. August fertig werden, meint Marowsky. „Wir sind begeistert, wie viel Einsatz von Herrn Bohmhoff kommt und wie sehr er sich bemüht, damit Brunas Prothese rechtzeitig fertig wird“, sagt Marowsky.
Diese große Unterstützung überwältigt die 19-Jährige. „Ich will nur allen danke sagen. Als Madeleine mir die Botschaft überbrachte, dass das Geld für eine Prothese zusammenkäme, war ich überglücklich.“ Seit vier Jahren geht Bruna ausschließlich an Krücken. Bei diesem zweiten Besuch begleitet die 19-Jährige ihre Mutter. Sie sind stets willkommene Gäste der Marowskys, ein Gegenbesuch in Brasilien ist auch schon geplant.
