Wildeshausen - Zum Gildefest gehört Schabernack. Und seit vielen Jahren – wie lange, das wissen sie selbst nicht mehr so genau – betreiben den Peter Petersen und Thomas Schwoll. Traditionell von Himmelfahrt bis über Pfingsten tauchen sie bei allen Gildefest-Veranstaltungen auf, veräppeln die Mitglieder der Gildeclubs oder der Spielmannszüge und erheitern die Gemüter. Dieses Jahr sind sie aber sozusagen arbeitslos. Denn wo kein Gildefest, da auch kein Quatsch-Gesabbel. Oder? „Wir lassen uns doch von Corona nicht den Spaß verderben“, sagt dazu ganz deutlich Thomas Schwoll. Na ja, und Männer mit Humor braucht ja das Land. Jetzt vielleicht mehr denn je. Sie sind beliebt, aber für Heirats-Interessenten gibt’s keine Chancen: Sowohl Peter Petersen als auch Thomas Schwoll sind im echten Leben in festen Händen. Und wenn es schon kein Gildefest gibt, dann treffen sich die beiden Spaßvögel immerhin regelmäßig auf ein Kaltgetränk und schnacken über alles, was hätte passieren können.
Thomas Schwoll ist der, der den Rest des Jahres Jeans und T-Shirt trägt, seinem Hund den Kopf krault und das Lager eines Schlachtbetriebes leitet. „Ich mach’ auch was mit Tieren“, schaltet sich gleich Petersen ein. „Nur halt vorher. Ich kümmere mich drum, dass sie gut im Futter stehen.“ Beide lachen. Petersen arbeitet in der Futtermittelindustrie in Wildeshausen, hat eine Frau und zwei Söhne. Klingt fast normal. Der Eindruck täuscht zumindest dann, wenn Petersen mit großer Geste betont: „Thomas und ich: Wir sind wie Yin und Yang.“ Der kontert: „Na eher Dick und Doof.“ Wer von beiden welches Amt bekleidet, das bleibt dem Betrachter überlassen.
In dritter Generation
Beide Männer sind schon lange im Spielmannszug Wildeshausen aktiv. „Meinen ersten Auftritt hatte ich mit 15. Seit 35 Jahren laufe ich beim Gildefest mit. Es ist das erste Mal, dass es ausfällt“, berichtet Petersen. Traurig sei er schon darüber, vor allem, weil in diesem Jahr sein großer Sohn (13) das erste Mal mit dabei gewesen wäre. „Das ist die dritte Generation im Spielmannszug“, sagt Petersen nicht ohne Stolz.
Mit Nachwuchs kann Thomas Schwoll nicht dienen, „noch nicht“, wie er mit einem Augenzwinkern hinzufügt. Doch auch er hat früh angefangen, Musik zu machen. Mit neun Jahren begann er, im Fanfarenzug mitzuspielen. „Ich wollte Trommler werden. Dann habe ich aber erstmal sieben Jahre Becken gespielt.“ Er muss lachen. „Ich bin aber laut einiger Gildekollegen noch immer in der Probezeit. Jetzt noch etwa 60 Jahre. Kein Problem, oder?!“
Na, und wie kommen er und Kumpane Petersen nun immer auf die Döntjes? „Manche Geschichten führen sich halt so fort“, sagt Schwoll mit einem Schulterzucken. „Meistens müssen wir uns nicht mal wirklich Mühe geben. Irgendetwas passiert immer“, pflichtet ihm auch Petersen bei. Da wäre zum Beispiel die Geschichte mit dem „Jagdhund“ – das ist ein Mix-Getränk aus einem Energy-Drink und einem Kräuter-Likör. Namen werden da jetzt nicht genannt. Auch nicht, wenn es zum wiederholten Male heißt: „Ist denn alles okay mit deinem linken kleinen Zeh?“
Hoffnung auf 2021
Zwar ist das Traum-Duo traurig über die Gildefest-Absage, aber die zwei wissen, dass es wegen der Corona-Krise nicht anders geht. „Wir appellieren deshalb an die anderen Pfingstclubs, sich nicht in großen Gruppen zu treffen und sich an die Regeln zu halten“, so Schwoll. Denn noch hegen er und Kumpel Petersen die Hoffnung, dass das Jubiläums-Schützenfest und die 750-Jahr-Feier im kommenden Jahr nachgeholt werden. Mit allem Brimborium. Die beiden Spielleute sind sich nicht immer einig, aber in diesem Falle schon: „Ohne Pfingsten geht es nicht!“
