Wildeshausen - Die Corona-Pandemie dominiert natürlich auch das Leben von Birte und Philipp Hogeback. Deshalb war es für das Wildeshauser Schafferpaar vor Wochen logisch, dass das 617. Gildefest abgesagt wird. Doch jetzt, wo die Corona-Zahlen sinken und Pfingsten in Sichtweite ist, wird ihnen auch emotional bewusst, dass etwas fehlt. „Normalerweise wird die Stadt geschmückt, Fahnen werden aufgehängt, die Vorfreude aufs Gildefest steigt mit jedem Tag“, sagt Birte Hogeback. Doch nun: Fehlanzeige. „Wir haben für Pfingsten noch keine Pläne. Wir lassen die Gefühle auf uns zukommen“, meint die 41-Jährige.
Für den Offiziersnachwuchs wird alljährlich ein Schaffer gewählt. Der Schaffer war historisch wie ein Festwirt (= Schaffer) verantwortlich für den gesamten Ablauf des Gildefestes. Der Schaffer übernimmt auf der Offiziersversammlung am Dienstag vor Pfingsten die Verantwortung für das gesamte Inventar der Gilde. Er erstellt zusammen mit dem Schatzmeister den Voranschlag für das kommende Gildefest und nimmt an der Prüfung der Rechnungsablage teil. Der Schaffer ist Mitglied aller Ausschüsse des Offizierskorps.
Der Schaffer hat während des Jahres zwei Begleitoffiziere, die ihn während der Dienstzeit begleiten, beraten und unterstützen.
Philipp und Birte Hogeback stammen aus der Gemeinde Großenkneten – er aus Steinloge, sie aus Sage. Beide sind von Beruf Verwaltungsfachwirte und arbeiten bei der Stadt Wildeshausen. Er ist stellvertretender Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Bau und Umwelt, sie ist beim Stadtmarketing tätig. Während er die Gilde sein Hobby nennt, ist sie gern als Reiseleiterin mit Gruppen unterwegs.
Wir leben gern in Wildeshausen, weil... ... die Stadt in einer schönen Landschaft liegt, der Wildeshauser Geest.... die Stadt eine gute Größe hat. Man kennt viele Leute, kann aber auch anonym sein.... es die Schützengilde von 1403 gibt.... man alles hat, was man braucht zum Leben.... wir eine schöne Innenstadt haben. Das bestätigen Besucher immer wieder.
Wir wünschen uns, ... dass die Corona-Krise bald zu Ende ist.... dass wir weiterhin zufrieden sind mit dem Leben, das wir jetzt führen können.
Wer das Haus des Schafferpaars betritt, entdeckt im Flur sofort die Fahne der Wachkompanie. „Ich bin 2004 als Schwarzrock in die Gilde eingetreten und 2006 in die Wachkompanie gewechselt“, erzählt Philipp Hogeback. Kein Wunder, ist doch sein Vater dort seit 46 Jahren aktiv. Der Sohn hat das Gildeleben von klein auf miterlebt.
Neue Perspektiven
„Ich suche immer nach neuen Perspektiven“, sagt Philipp Hogeback. So hat er 2011 zusätzlich den Job des Protokollführers in der Gilde übernommen. „Dadurch habe ich wieder andere Einblicke bekommen.“ Für ihn sei auch immer klar gewesen, dass er Stück für Stück mehr Verantwortung übernehmen will. So erscheint die Berufung als Schaffer eine logische Folge gewesen zu sein.
Neue Gelegenheit
Die ein oder andere Versammlung hat der 33-Jährige als Schaffer miterleben dürfen – darunter die Generalversammlung und den Rockappell samt Wacheball. Einer der Höhepunkte im Leben eines Schaffers, das Schaffermahl, fiel hingegen bereits der Corona-Pandemie zum Opfer. Doch Hogeback bekommt eine neue Gelegenheit; denn er bleibt ein weiteres Jahr bis zum Gildefest 2021 der Schaffer der Gilde. Damit ist ihm bestimmt ein Platz in der Gildegeschichte sicher. Zum letzten Mal war das Gildefest während des Zweiten Weltkriegs abgesagt worden.
Sichtbares Zeichen des Schaffers ist die Schafferkette – als Pendant zur Königskette. Zudem tragen der Schaffer und seine Frau jeweils einen Moorkranz auf dem Kopf. Die Kränze liegen jetzt in einer gläsernen Schublade im Wohnzimmer und erinnern Birte und Philipp Hogeback täglich an die Tradition der Gilde. „Die Gilde ist eine geile Truppe“, schwärmt der Schaffer. Zu seinen fünf Vorgängern, den heutigen Fähnrichen, die mit ihm ein Team bilden, habe er ein tolles Verhältnis. Der Kontakt werde bei einem Stammtisch der Schaffer und Schafferfrauen gepflegt.
Als Glücksgriff bezeichnen Philipp und Birte Hogeback auch das amtierende Königspaar Jan und Friederike Hoffrogge. „Da entwickelt sich eine richtige Freundschaft zwischen uns“, sagt Birte Hogeback. Dass sie an Pfingsten gemeinsam etwas unternehmen, sei wahrscheinlich. Schließlich sollte es ihr Gildefest werden.
