Wildeshausen - So viele Vorschusslorbeeren werden einem Investor nicht oft entgegengebracht wie im Falle des Verkaufs der städtischen Immobilie Kleine Straße 14 an den Wildeshauser Unternehmer Timo Poppe: „Ein Leuchtturmprojekt“ werde entstehen, sagte am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung Rainer Kolloge (UWG), „begeistert“ zeigte sich sein Fraktionskollege Matthias Kück, „Dankbarkeit“ äußerte Stephan Dieckmann (SPD), „wir haben nicht so viele Investoren, die den Mut haben, das zu machen“, erklärte Wolfgang Sasse (CDU).
Niedriger Preis?
Am Ende votierte fast der gesamte Rat für den Verkauf an den Investor, der auch schon das daneben stehende Gebäudeensemble Kleine Straße 12 erworben hat und alles zusammen jetzt sanieren will. Dabei hatte es in der Diskussion auch ein paar kritische Stimmen gegeben: Marko Bahr (FDP) monierte mit Blick auf den im Beschluss genannten Kaufpreis von 110.000 Euro, dass das Haus unter Wert veräußert werde, und beantragte, es auf dem freien Markt gegen Höchstgebot anzubieten. Dafür fand er nur neun Unterstützer. Der Beschluss sieht aber vor, dass ein neues Gutachten erstellt und bei einem höheren Verkehrswert der Kaufpreis entsprechend angepasst wird.
Zweiter Investor
Der vergleichsweise geringe Preis für eine zwar stark sanierungsbedürftige, aber in bester Innenstadtlage befindliche Immobilie war auch von einem zweiten Interessenten kritisiert worden. Der Rechterfelder Otto Sandkuhl hätte das Gebäude Kleine Straße 14 ebenfalls gern gekauft. Ihm gehören mehrere Häuser in Wildeshausen, unter anderem in der Westerstraße 25. Dort befindet sich ein großer Parkplatz mit 23 Stellplätzen, der über das Grundstück Kleine Straße 14 eine zweite Zufahrt erhalten könnte – dann wäre er auch erreichbar, wenn die Westerstraße wegen Märkten oder Veranstaltungen gesperrt ist. Eine Zuwegung wäre aber kaum möglich, wenn das Haus Kleine Straße 14 stehen bliebe – das ist indes für die Stadt eine entscheidende Verkaufsbedingung.
„Zweierlei Maß“
Sandkuhl fühlt sich von der Stadt „geblockt“ bei den Verkaufsverhandlungen. Unterstützung fand er beim fraktionslosen Ratsherrn Karl Schulze Temming-Hanhoff, der der Stadtverwaltung vorwarf, „mit zweierlei Maß zu messen“: Beim Haus Kleine Straße 14 bestehe sie auf den Erhalt des Gebäudes, während sie nebenan, beim vom Timo Poppe bereits erworbenen Gebäudeensemble Kleine Straße 12, zumindest einen Teilabriss zulasse.
„Irgendwo muss man Konzessionen machen“, sagte zu diesem Punkt UWG-Fraktionschef Rainer Kolloge. Es sei schade um den Gebäudeteil an der Kleinen Straße 12, der nun weichen müsse, aber „das Gesamtensemble wird für Wildeshausen ein großer Gewinn sein.“ Immerhin gehe es um die letzte noch vollständig erhaltene historische Häuserzeile in der Innenstadt.
Städtebaulich gewollt
Das sahen die meisten Ratsmitglieder genauso. Und um zu verdeutlichen, dass Politik und Verwaltung in Wildeshausen dem Erhalt historischer Bausubstanz Vorrang vor der Erreichbarkeit von Parkflächen einräumen, wurde im Beschluss schließlich noch festgehalten, dass der Verkauf „insbesondere aus städtebaulichen Gesichtspunkten“ erfolge. Und eine Zufahrt zum Parkplatz hinter dem Haus Westerstraße 25, das wurde mehrfach betont, ließe sich auch noch anderswo realisieren.
