Dötlingen - Es sei ein Paradigmenwechsel in der Politik, sagte die Baudezernentin des Landkreises Oldenburg Eva-Maria Langfermann. Dieser Paradigmenwechsel erhitzt die Stimmung: Während der Ausschusssitzung für Infrastruktur und Energie im Landhotel Dötlingen ging es wieder um das Thema Windkraft – rund 50, zum Teil besorgte Zuhörerinnen und Zuhörer, fanden sich ein.
„Weit über Durchschnitt“
Darunter der Ostrittrumer Ernst-August Bode, der der Gemeinde bereits im April vorgeworfen hatte, das Thema hinter verschlossenen Türen zu besprechen. Diesen Vorwurf wiederholte er nun. Dem sei nicht so, entgegnete Bürgermeisterin Antje Oltmanns. Ausschussvorsitzende Beate Wilke (CDU) merkte an, dass es Gelegenheit gegeben hätte, sich zu informieren.
Weitere Informationen brachte am Donnerstagabend Thomas Aufleger vom Planungsbüro NWP aus Oldenburg mit, der das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Standortkonzept vorstellte. Das „Windenergie-an-Land-Gesetz“ der Bundesregierung sieht vor, mehr Flächen für Windkraft zur Verfügung zu stellen. Niedersachsen soll auf 2,2 Prozent kommen, der Landkreis Oldenburg auf 2,7 Prozent. Das Standortkonzept, das potenzielle Flächen für weitere Windkraftanlagen aufzeigt, diene dazu, als Gemeinde noch einen gewissen Einfluss zu haben, erklärte Aufleger.
Verschiedene Kriterien wurden bei der Konzepterstellung angewandt: mit 750 Metern Abstand zur Wohnbebauung, 600 und 500 Metern. Wälder mit den Wertstufen vier und fünf, darunter zum Beispiel der Hasbruch, seien zu schützen, FFH-, Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete ebenfalls. Aus „städtebaulicher Sicht“ solle über die Standorte Nuttel und Ostrittrum vorrangig nachgedacht werden – unter anderem auch, weil dort interkommunale Windparks mit der angrenzenden Gemeinde Hatten entstehen könnten. Zusammen mit den bestehenden Windparks in Haidhäuser, Uhlhorn und Iserloy und einem Abstand von 600 Metern zur Wohnbebauung könnte die Gemeinde auf eine für Windkraft bestehende Fläche von 289,7 Hektar beziehungsweise 2,84 Prozent kommen. Das wäre ein „weit über dem Durchschnitt liegendes Angebot“.
Aufleger betonte, dass nicht die Gemeinde, sondern der Landkreis darüber entscheide, welche Flächen letztlich genutzt werden. Die genannten Flächen fließen in ein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) ein, erklärte Baudezernentin Langfermann. Ziel sei es, 2025 damit fertig zu sein.
Ein Zuhörer wollte wissen, ob die Eigentümer der eingezeichneten Flächen bereits informiert seien. Er gehe davon aus, dass nicht alle angesprochen worden sind, so Aufleger. „Es ist auch nicht erforderlich. Es müssen nur Flächen ausgewiesen werden.“ Zu gegebener Zeit würden Eigentümer informiert. Die Ziele des Landkreises sehen vor, 2,1 Prozent 2027 zu erreichen und die 2,7 in 2032. Ein Zuhörer regte an, nicht direkt mit 2,7 Prozent zu planen, sondern zunächst das erste Etappenziel in den Fokus zu nehmen.
Eine Gegenstimme
Ditte Höfel (CDU) befürchtete, dass die Gemeinde mit ihrem Angebot an Flächen „vorpreschen“ würde. Langfermann erklärte, dass man hier einen „Methodenstandard“ anwende. Marcus Martens (Grüne) wollte wissen, inwiefern Landschaftsbild und Naherholung noch eine Rolle spielen würden. Die Bundesregierung habe festgestellt, dass solche Themen nicht mehr so wichtig seien, da erneuerbaren Energien ein übergeordnetes Interesse gelte, so Langfermann. Sabine Schütte (FDP) warnte davor, dass die Lärmemission nicht eingehalten werden könnte: Als Dötlingerin höre sie zum Beispiel den Windpark in Glane.
Sie stimmte als einziges Mitglied gegen Beschlussvorschlag, der unter anderem beinhaltet, die Flächen in Ostrittrum und Nuttel für das RROP zu benennen. Martens enthielt sich. Das Gesetz, das die 2,7 Prozent für den Landkreis vorsieht, ist noch nicht rechtskräftig.
